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A N N U L A T O R U M R E L I Q U I A E»
R I N G E L W Ü K M E R D E R V 0 R W E L T .
T abula L X V I .
I. Ge n u s . LuMBRicAnrA möhstes.
V ei m i c u l i t e s , L u m b r i c i t e s A u c t., M e d u s ite s G e rn ia r.
Corpus niiclum, cylindricum, molle, elongatum, varie tontortam, ßexnosum vel rectum.
Diese wurmförmigen Körper, welche allein im L ith o g r a p h is c h e n S c h ie f e r 'd e r Gegend Von
E ic h s tä d t Vorkommen, haben schon seit langen Zeiten die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich
gezogen. Demungeachtet ist es bisher noch nicht gelungen, .ihre Natur vollständig zu enttäthselu, um
ihnen mit Sicherheit eine Stelle iu der Reihe der animalischen Schöpfung amveisen zu können. Ihre
wnrmförmige Gestalt rechtfertigt die Annahme, dafs sie zu den Würmern gehören. Indefs sind sie
keine Wurmröhren, wie die S e r p u li te n , weil mau niemals eine Spur von Schale gefunden hat.
Auch sitzen sie niemals auf ändern Seegeschöpfen, sondern liegen immer frei in der Gebirgsmasse. Ihre
Substanz besteht meistens aus einem körnigenspäthigen Kalk, und ihre äufsere Oberiläche ist theils
glatt, theils rauh. Selten findet man sie einzeln; gewöhnlich liegen sie haufenweise beisammen, - uud
sind auf die manchfaltigste Weise gebogen, geschlängelt und untereinander verflochten. Bei einigen
ist die wnrmförmige Gestalt unversehrt; bei ändern aber ist der Körper eingeschnürt oder in abwechselnde,
dickere und dünnere Stücke zertheilt, als Avare der Wurm vor seiner Versteinerung schon
in der Zerstörung begriffen gewesen. Sie können demnach mit den nackten RingelwuPmern verglichen,
und in die Reihe der Gattungen G o rd iu s und B o r la s ia gestellt AVerden. Man hat indefs an den
Enden dieser Körper noch niemals Spuren einer Mundoifnung wahrgenommen, und daher keine Ge-
Avifsheit erlangen können, ob ein einziger, mehrmals zerrissener Wurm das Knäul bildet, oder ob
mehrere, kürzere Würmer verfiochten neben einander liegen. So lange man daher keine deutlichem
Merkmale des organischen Baues aufgefunden hat, dürfte es gestaltet sein, sie auch für unorganische
Formen anzusehen, wenn Gründe für diese Annahme vorhanden sind.
Die Ausfüllung eines hohlen Schlauches, von einer so ansehnlichen Lange, mit Versteinerungs-
ma.sse, setzt eine dicke und starke Haut voraus, die nach dieser Ausfüllung dem äufsern Druck so lange
Avidersiehen konnte, bis ihr Inhalt erhärtet Avar. Wäre die Haut dünn und schwach gewesen, so AVürdc
der Schlauch schon durch das gewaltsame Eindringen der Versteinerungsflüssigkeit zersprengt AVorden
sein, und auch die Bildung der Krystalle hätte eine durchaus rauhe Oberfläche hervorbringen müssen.
Eine starke, dicke, pergamentartige Haut Avürde dagegen Spuren hinterlassen haben. Es ist daher
Avahrscheinlich, dafs diese wurmförmigen Körper keine hohlen Schläuche waren, sondern aus eiuer
festem Masse bestanden. Diese Vermuthung scheint sich zu bestätigen, weil man bei vielen Exemplaren
in dieser Masse Fischgräthen und Glieder der kleinen Comatulitcn bemerkt (Fig. 3. « .), und
durch die Vergröfserung wahrnimmt, dafs manche derselben (Fig. 3. h. c. dl) ganz allein aus einem Con-
glomerate kleiner Knochen bestehen. Ist man erst auf die Gegenwart dieser Knochenstückchen aufmerksam
geworden, so wird man im Stande sein, dieselben fast bei allen Exemplaren, auch sogar bei
solchen die eine glatte Oberfläche haben, mit dem Vergröfserungsglase aufzufinden, und die ücber-
zeiigung erlangen, dafs sich diese wurmförmigen Körper nur der äufsern Form nach von den breitem
und dickem Knochenconglomeraten (Fig. 3- e. f . g.) unterscheiden, die man niclit selten auf denselben
Steinplatten antrifft. Vergleicht man diese mit den Abbildungen und Beschreibungen der
JiXM.