
gegründete Cliaraktcristik muss nothwendig eben so wenig scharf als erschöpfend
ausfallen.
Eine weitere umfangreiche und exacte Erkenntniss der Pilze g eh t von einer
neuen Methode der Untersuchung au s, die, eben so einfach in ih re r Id e e und
Anwendung als weitgreifend in ih ren Resultaten, in k u rz e r Frist einen solchen
Umschwung aller mycologischen Kenntnisse nach sich zog, dass diese zur Zeit
denen in anderen Gebieten d e r Botanik wohl kaum nachstehen dürften. Es war
der Gedanke de Bary's. die Entwicklungsgeschichte der Pilz e schrittweise in der
Cu ltu r d e r Sporen bis zum Ausgangspunkte ih re r Fructificationen zu verfolgen,
und seinen zahlreichen Un tersuchungen mit entscheidendem endgültigen Erfolge
lieg t dieser Gedanke als leitende Idee zu Grunde. Alle weiteren entwicklungsgeschichtlichen
Bestrebungen in der Mycologie knüpfen an den vorhandenen Gedanken
an, und jed e neue Erforschung k an n als die fortgesetzte Anwendung desselben
gelten, die nach den verschiedensten Richtungen, auch bei den Mueorinen,
von de B a ry selbst zuerst gemacht ist.
Von d e r ausgesäeten Spore ausgehend, beobachtete er n ich t blos ihre K eimung,
aus den Keimschläuchen die Bildung eines Myceliums und aus diesem in
seinen Einzelnheiten die E n tsteh u n g der ungeschlechtlichen F ru ch tträg e r u n d Spo-
rangien, in denen man bislang den C h arak ter der Mueorinen allein b eg rü n d ete;
es ergab sich als weiteres u n d wichtigeres Resu lta t der Beweis, dass m it diesen
Sporangien die Lebensgeschichte der Mueorinen n ich t geschlossen is t, dass geschlechtlich
erzeugte F ru ch tk ö rp e r »Zygosporen« den Abschluss bilden. Bereits
im J ah re 1829 \i?^X Bhrenherg'^) diese seltsamen Pilz frü ch te als Begleiter d e r Spo-
rodinia grandis, die bekanntlich im H e rb ste fleischige faulende Schwämme schmarotzend
bewohnt, aufgefunden u n d u n te r dem Namen Syzygites megalocarpus als
neue Schimmelgattung beschrieben. K e in irgend genetischer Zusammenhang mit
anderen P ilz en , n u r die E n tsteh u n g der grossen F rü ch te aus einer paarweisen
Vereinigung keulenförmiger Fruchtzweige findet sich bei ih m . und wenn auch
Tulasne^) im Jahi*e 1855 im Wege der Präparation den Zusammenhang des Syzygites
m it den sporangientragenden Fäden der Sporodinia grandis nachwies, so blieb
1) Sy zy g ite s, eine- n e u e S c h im m e lg a ttu n g . V e rh . d , G e s. d e r n a tu r f . F r e u n d e z u B e rlin 1 829.
I, p . 9 8 , ta b . I I u n d I I I .
2) N o te s u r l ’a p p a re il ré p ro d u c te u r de q u e lq u e s M u c éd in é e s fongicolc s. C om p te s r e n d u s , tom e X V ,
p . 9 1 7 . 1855.
doch die A u fk lä ru n g seiner Entwicklung und physiologischen Bedeutung als geschlechtlich
erzeugter F ru ch tk ö rp e r »Zygospore der Sporodinia« ih ren Entwieklung.s-
cyklus abschliessend, de B a r y Vorbehalten. Ausser dem genauen V e rlau f d e r Bildung
der Zygosporen der Sporodinia beschi’e ib t er in seinem Aufsatze über Syzygites
megalocarpus') ihre K e im u n g 2), u n d diese Arbeit, an die sich bald dai-auf eine
zweite über Mucor stolonifer anschloss ^), en th ä lt das für die Kenntniss der Mu-
corinen grundlegende R esu ltat. Die Entwicklungsgeschichte der Sporodinia grandis
wurde hie rn ach zum Schlüsse der Abhandlung folgendermassen p rä c is irt:
»Syzygites ist ein Hyphomycet mit zweierlei Fructificationsorganen, welche
sich der Regel n ach au f je-weils besonderen Träg ern aus demselben Mycelium en twickeln,
u n d zwischen welchen theils ein regelmässiger Generationswechsel, theils
eine minder regelmässige Succession besteht. Die eine Fruchtforra wird durch
Zygosporen dargestellt, welche d en Eh ren b erg ’schen Syzygites speciell charakte-
risiren. Sie entstehen der Regel nach durch einen ächten Copulationsprocess
sind dahe r den Oosporen verwandter Tha llophyten an die Seite zu stellen. Die
andere Fruchtform ist eine durchaus geschlechtslose; die Fortpflanzungszellen,
welche sie erzeugt, sind dahe r als Sporen, die H y phen, au f welchen sie gebildet
werden, als Sporen träg er zu bezeichnen. Letztere, LwU« Sporodinia grandis darstellend,
bilden au f den Spitzen ih re r Enddichotomien kugelige, vergängliche Sporenm
u tte rz e llen , in welchen die Sporen wie bei Mucor en tsteh en , und gleichen
den S p orenträgern der Mucorarten so vollständig, dass sie für sich allein von
diesen kaum generisch g e tren n t werden dürften. Der keimenden Zygospore en tsprossen
u nmitte lb ar einer bis einige F ru ch tträg e r; aus der keimenden Spore en twickelt
sich ein Mycelium, welches entweder zuerst Zygosporenträger u n d nachher
zwischen u n d ringsum diese Sporenträger erzeugt, oder wohl auch beiderlei F ru ch t-
trä g e r in der umgek eh rten Aufeinanderfolge bilden k an n .«
Zu G u nsten dieser, späte r b ei Mucor stolonifer-*) für die Mueorinen überh
B e iträ g e zu r M o rp hologie u n d P h y s io lo g ie d e r P ilz e v o n A . de B a r y . 1. R e ih e , Sy zy g ite s m eg a lo
c a rp u s p . 7 5— 8 8 , F r a n k fu r t a. M . 1 S 6 4 .
2) D ie K e im u n g i s t im J a h r e 1S64 au ch von Schacht b e o b a c h te t w o rd e n ; U eb e r d e n D im o rp h is m
u s d e r P ilz e . A b h . d e s n a tu r - h i s t . V e re in s fü r die R h e in la n d e u n d -\Vestfalen, LS64, p . 4 5 .
3) 2 . R e ih e . M u co r sho lo n ife r p . 2 5— 3 2 . 1 8 6 6 .
2 . R e ih e d e r B e iträ g e p . 32.