
vn.
Haargefäße and Wurzeln der
Saugadern.
Die einfachen organischen Bestandteile der Arterien
und Venen haben wir schon oben angegeben. Eine
besondere Untersuchung verdiene die Haargefäfse. Man
hat von diesen geglaubt, sie s*yen blofse Gänge im
Zellgewebe ohne eigene Häute. Ist dies wirklich der
Fall? Ist ihr Durchmesser immer so grofs, dafs sie
rothes Blut führen können? Oder haben sie auch Zweige,
die zu eng sind, um Blutkügelchen aufzunehmen ? Und
machen die Blutgefäfse ein ganz abgeschlossenes System
aus, oder öffnen sie sich auch in das Zellgewebe? An
diese Fragen schliefsen sich andere, ähnliche in Betreff
der Saugadern. Wie entstehen dieselben aus dem Zellgewebe?
Sind erweiterte Elementarcylinder desselben,
oder zwischen diesen Cylindern befindliche Canäle ihre
Wurzeln? Und haben sie da, wo sie sich in Höhlungen
des Körpers frei hervorstehend endigen, Oeffnungen,
wodurch sie einsaugen? Ueber alle diese Puncte können
nur genaue microscopische Beobachtungen Auskunft
geben, die zuerst auf eine nähere Bestimmung der
Textur der kleinsten Blutgefäfse und der Wurzeln der
Saugadern gerichtet seyn müssen.
In den Wänden solcher Blutgefäfse, die noch so
weit sind, dafs mehrere Reihen von Blutkügelchen neben
einander in ihnen fliefsen können, sieht man unter dem
Microscop bei stärkerer Vergröfserung queer- und längslaufende
Linien. Ob die queerlaufenden Fasern oder
blos Falten sind, läfst sich nicht immer unterscheiden.
Die longitudinalen sind die Umrisse der längslaufenden
Elementarcylinder des Zellgewebes, welches die Gefäfse
umgiebt. Die Queerlinien verschwinden, sobald die
Gefäfse so eng werden, dafs sie nur noch Eine Reihe
von Blutkügelchen fassen können. Viele Gefäfse ver-
liehren dann auch ihre Zellulose Hülle, und behalten
blos noch eine einzige, homogene Haut. Andere bleiben
fortwährend von Zellgewebe bedeckt. Einfache Gefäfse
der erstem Art sind bei den warmblütigen Thieren
vorzüglich auf Häuten sichtbar, die blos aus Hornstoff
bestehen und keine Umgebung von Zellgewebe haben,
z. B. auf dem Epithelium, womit im Augapfel die freie
Seite des Ciliarkörpers, der Ciliarfortsätze und des
Ciliarligaments bis zum Rande der Cornea überzogen
ist, auf der hintern Fläche und dem Seitenrand der
Linsencapsel, und im gefaltenen Kamm des Auges der
Vögel. An diesen Stellen gehören sie nicht alle zu
den kleinsten. Sie haben beim Fuchs auf jenem Epithelium
zum Theil einen Durchmesser von o,o4 bis
0,05 Mill. Bei den Amphibien giebt es Gefäfse dieser
Art auch in mehrern andern Häuten. In einem, auf
einer Glasplatte ausgebreiteten Theil vom Mesenterium
des Frosches sieht man bei einer 3oomaligen Vergröfserung
o,oi4 bis 0,028 Mill. breite Venenzweige,
die vollkommen durchsichtig, blos an ihren Umrissen
7*