
232 Heimkehr und Rückblick
strahligen Kalkstacheln bedeckt; diese dienen als Sch webe-Apparate
und verhindern das Untersinken dieser einzelligen Urtiere. Nach
dem Tode derselben brechen jedoch die Stacheln ab, das lebendige
Plasma in den Kammern der Schale verwest, und die leeren Schalen
sinken langsam auf den Meeresboden herab. Hier häufen sie sich
in ungeheuren Massen an und bilden den kreideartigen Globige-
rinen-Schlamm, dessen hohe Bedeutung der „Challenger“ nachgewiesen
hat.
Während die kalkschaligen G lo b ig e r in en , im Plankton massenhaft
schwebend, den Stamm der Urtiere (Protozoa) vertreten,
gesellen sich zu ihnen
die kieselschaligen, Diatomeen
als ebenso charakteristische
Repräsentanten
der U rp f lanzen
(Protophyta'). Gleich jenen
ersteren sind auch
diese letzteren e in ze llig
e Organismen
(Protista); ihr ganzer
lebender Körper hat
nur den Formwert einer
einzigen einfachen Zelle
(ebenso wie das Ei der
Pflanzen, Tiere und
Menschen). Die zarte
Kieselschale, welche den
lebendigen Zellenkörper
einschließt, besitzt die
Form einer Schachtel
mit Deckel.
Eine Diatomee des äquatorialen Plankton
(wAeclctihneo pdteync heian zehlleilgioenp ePltlaas).m akDöriep erK eiiensseclhscliheaßlte,, hat die FoDrmec keeiln. er Sktarrekis rvuenrdgernö ßSercthachtel mit
Am frühen Morgen des 13. März lief der erwartete Dampfer des
Norddeutschen Lloyd in den Hafen von Penang ein und setzte seine
Fahrt schon um io Uhr vormittags fort. Es war das neue Prachtschiff
„K iau ts ch o u “ , im Aufträge der Hamburg-Amerika-Linie
erbaut und erst vor drei Monaten vom Stapel gelaufen; es kam
gerade von seiner ersten Fahrt nach Ostasien zurück, welche es
Weihnachten 1900 angetreten und mit glänzendem Erfolge bestanden
hatte. Der gewaltige Koloß, doppelt so groß als die „O ldenburg“
, auf der ich meine Hinreise nach Insulinde ausgeführt
hatte, übertraf in jeder Beziehung alle anderen im Hafen von
Penang ankernden Dampfer bei weitem und erregte das Erstaunen
Heimkehr und Rückblick 2 33
der zahlreichen Besucher, die in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes
an Bord kamen. Der Gehalt der „Kiautschou“ beträgt 10000 Registertonnen,
die tägliche Geschwindigkeit 33o— 3/jo Seemeilen;
gegen 6000 Pferdekräfte sind dabei tätig. Die Besatzung beträgt
über 200 Köpfe.
Der schwimmende Palast der „Kiautschou“ ist in drei Teile geschieden,
von denen der mittlere die Passagiere erster, der hintere
diejenigen zweiter und der vordere die dritter Klasse auf nimmt;
über 2000 Personen finden auf ihr Platz. Das Mittelstück ist sechs
Stockwerke hoch, oben ein „Sonnendeck“ , auf welchem vorn der
Kapitän und die Schiffsoffiziere ihre Wohnungen und Arbeitsräume
haben; darunter zwei „Promenadendecke“ mit gedeckter
breiter Gallerie (oberes und unteres); dann folgt weiter unten das
„Oberdeck“ , darauf das „Unterdeck“ ,, ganz unten endlich der tiefe
Raum zur Aufnahme der Kohlen, Vorräte usw. Im Vorderteile des
oberen Promenadendecks befindet sich ein geräumiger Musik- und
Lesesalon, darunter (im unteren Promenadendeck) ein prachtvoller
Speisesaal, der die ganze Breite des Schiffes einnimmt. Die zahlreichen
Kabinen sind höchst komfortabel eingerichtet und mit allem
erdenklichen Luxus ausgestattet. In jeder Kabine ist ein besonderer
elektrischer Fächer angebracht, eine kleine Windmühle, derenFlügel
durch Elektrizität in pfeilschnelle Umdrehungen versetzt werden
und gleich einer Miniaturpunka beständig einen frischen Luftstrom
erzeugen. Die-elektrischen Lampen sind in allen Schiffsräumen,
besonders aber in den Salons, in so großer Zahl angebracht, daß
das großartige schwimmende Hotel abends einen märchenhaften
Glanz verbreitet.
Da der Andrang von Passagieren für die erste Rückfahrt des
„Kiautschou“ sehr groß war, mußte ich es mit besonderem Danke
anerkennen, daß mir von der Direktion des Norddeutschen Lloyd
auch diesmal, ebenso wie auf der Hinreise, eine eigene gute Kabine
zum ausschließlichen Gebrauche reserviert war. Als ich an Bord
kam, fand ich dieselbe mit dem Bilde Darwins geschmückt, und mit
schönen Farnkräutern und Blumen, darunter die Gloriosa superba,
die rote Prachtlilie von Indien. Diese freudige Überraschung verdankte
ich einem früheren Schüler, dem Schiffsarzte Dr. W i l helm
Spe cht aus Hamburg, der vor sechs Jahren meine Vorlesungen
und zoologischen Übungen in Jena mit besonderem Eifer
und Fleiße besucht hatte. Er nahm sich auch der fortgesetzten
Behandlung meines steif gewordenen Kniegelenks mit größter Sorgfalt
an, so daß ich drei Wochen später wieder leidlich gehen konnte.
Mehr als die Hälfte der Passagiere erster Klasse auf unserer