
einem gewissen Interesse ist auch noch die relative Häufigkeit des Vorkommens der geschlechtlichen
oder ungeschlechtlichen Generation bei den einzelnen Zweigen der Fusuliniden. Während man bei
Fusidina s. str. vielleicht im allgemeinen von einem Vorwiegen der makrosphärischen Individuen
sprechen kann, tr i t t bei Schwagerina s. str. die geschlechtliche Generation in solcher Häufigkeit auf,
daß z. B. von der echten Schweig, princeps bisher noch keine Makrosphäre bekannt ist. Auch bei
Verbeekina u nd den geologisch jüngeren Typen (mit Ausnahme von Sumatrina) sind die Mikrosphären
(im Gegensatz zu D o u v i l l e s Ansicht!) erheblich häufiger, wenn sich auch gerade hier zuweilen
eine ganz besonders starke Größendifferenz gegen die Makrosphäre zeigt (Gigantosphäre?).
III. Doppelschalen der Fusulinen.
Wenn R h u m b l e r für Orbitolites den Satz auf stellt: „Irgend welche Beschränkung in der
Verschmelzbarkeit der Orbitolites-Schalen zu Doppelschalen lä ß t sich weder bezüglich des Alters
der Tiere, noch bezüglich der Zugehörigkeit zur megalo- und mikrosphärischen Generation, noch in
einer ändern Beziehung feststellen“ , so ist diese These keineswegs unverändert auf Fusidina zu
übertragen.
Bezüglich der P rio ritä t in der Erkenntnis der Verschmelzungsphänomene erscheint es mir
geboten, auf William B. C a r p e n t e r s umfassende, glänzend illustrierte „Monographie des Genus
Orbitolites“ (1855) hinzuweisen, der sowohl in seinen Abbildungen (namentlich 1. c. Tafel V II—IX)
als im Text (1. c. Seite 222, Abs. 63) als Vorläufer R h u m b l e r s erscheint. Namentlich C a r p
e n t e r s Abbildungen bilden ihrer starken Vergrößerung wegen eine willkommene Ergänzung zu
R h u m b l e r s Arbeit, deren hoher Wert natürlich in keiner Weise durch die Lücke des Literatu rverzeichnisses
beeinflußt wird. (Vgl. auch B. B r a d y s [1. c. 1888] Abbildungen und Text, sowie
H. D o u v i 11 e.)
Zunächst muß hervorgehoben werden, daß sämtliche mir vorhegenden Doppelschalen bei
Fusidina, ebenso wie alle unregelmäßigen Anfangskammern, die S c h e l l w i e n in einer Notiz
„exzentr. Anfangsk. in m anchen Querschn. wohl = Doppelschalen“ hierher rechnen zu wollen scheint,
durchaus makrosphärisch sind. Es läß t sich demnach keine Angabe über die Möglichkeit mikrosphärischer
Verschmelzungen machen. Ferner sind die Verschmelzlinge sämtlich in ganz jugendlichem
Alter zusammengetreten. Praejugale, d. h. unbeeinflußt durch die erst später erfolgte Verschmelzung
gebildete Umgänge sind so gut wie nie, praejugale Kammern nie mehr als nur einige wenige mit einer
gewissen Deutlichkeit nachzuweisen.
Da die Fusulinen tro tz ihrer (im Gegensatz zu der pelagischen, daher nicht provinziell, sondern
weltweit verbreiteten Schwagerina s. str.) an die Litoralzone gebundenen Lebensweise nie Spuren
einer Festheftung zeigen, vielmehr schon ihrer Symmetrieverhältnisse wegen durchaus als freischwimmende
(oder höchstens am Grunde kriechende) Formen anzusehen sind, wären nach J e n s e n s
Untersuchungen nur die spontanen Jugendverschmelzungen möglich, die sich tatsächlich finden.
So früh eintretende Zusammenfügung h a t aber stets e i n u n i v a l e n t e s W e i t e r w a c h s e n
d e r S c h a l e zur Folge. Der kunstvolle involute Schalenaufbau bei Fusulina läß t es keineswegs
wahrscheinlich erscheinen, daß auch hier, wie es nach R h u m b l e r s Untersuchungen bei Orbitolites
der Fall sein soll, die u n i v a l e n t e n Doppelschalen z w e i I n d i v i d u e n beherbergen,
von denen jedes einen Teil der Schale b a u t (1. c. Seite 200—201 u. a.).
Im Gegenteil scheint mir das gelegentliche Vorkommen von unregelmäßigen und zuweilen
ganz enorm großen, über das megalosphärische Maß weit hinausgehenden Zentralkammern den
Schluß zuzulassen, daß wohl auch völlige Verschmelzungen der anfangs noch schalenlosen Jugendformen
stattfinden mögen. Es würde
sich dann von diesen Fällen zu Erscheinungen,
wie sie Textfigur 55
und 56 zeigen, eine lückenlose Reihe
hinziehen.
D i e S a r k o d e b e i d e r
Ver s chme l z l i nge wi rd j edenf
a l l s e i n e E i n h e i t , d i e
Fusulina Krotowi Schellw. (Vgl. Palaeonto-
g raphica LV, 1908, Taf. X X 7 u n d DIM.
Fig. 8.) Zeigt eine unregelmäßige Anfangskammer,
deren Durchmesser 0,45 mm gegen
0,25 d e r makrosphärischen u nd 0,15 mm
der normalen mikrosphärischen Individuen
b e trä g t. (Vgl. 1. c, p . 191.) E r s t sehr
sp ä t, nach einem reichlichen Umgänge
tre ten die normalen kleinen Septenabstände
des K ammerungsbeginnes auf. Vergr. 1 : 20.
Fig. 56.
Fusulina kattaen sis Schwag. a u s der S alt
Bange. Vergr. 1 : 20. Die rechte innerste
Anfangskammer h a t die linke umwallt
u nd dabei offenbar ihre Sarkode aufgenommen,
d a die postjugal gebildeten
Kammern zuerst wieder Initialmerkmale
aufweisen. (Ob die ü b e r den Verschmelzungen
sichtbaren 2—3 Kammern
p räjugal sin d , is t sehr fraglich.) Vgl.
DIM. Fig. 12.
„physiologische Einheit“ möchte ich
also viel strenger fassen fü i Fusidina,
als es R h u m b 1 e r (1. c. Seite 231
oben) für Orbitolites tu t. So erklärt
sich auch für Fusidina ganz einfach
die sonst nicht ganz so leicht verständliche
Tatsache, daß die Größe
der ausgewachsenen Doppelschalen nie über das Maximalmaß normaler Individuen herauswächst.
Zusammenfassendx) können wir uns drei Möglichkeiten denken: Wenn vor der Vereinigung
beide Individuen noch schalenlos sind, wird die Zentralkammerschale kugelig, ist also von einfachen
makrosphärischen Individuen
oft nicht, bezw. nur durch die
Größe zu unterscheiden. Is t
bereits soviel Schale gebildet,
daß sie dem Zusammenschluß
einen gewissen geringen Widerstand
entgegensetzt, so muß
eine anormale Zentralkammer
entstehen, der man die E n tstehung
aus zwei Individuen in
manchen Fällen (8 - Form!)
noch anzusehen glaubt. (Vgl.
Textfigur 57 und 58). Haben
beide Individuen bereits eine
wirklich feste Zentralkammer,
Fusulina granuni - avenae Roem. zeigt die auf
eine Verschmelzung hindeutende 8-Form der
abnorm großen Zentralkammer, — DIM. 7.
Fig. 58.
Fu sulina tenuissima Schellw. Vergl.
die Erklärung zu Textfigur 57. —
DIM. 5.
dann bauen nicht beide je einen Teil der Schale, sondern die Schale wird von der vereinigten
Sarkode entweder um eine Zentralkammer gebaut, so daß die andere nach Art eines Fremdkörpers
umwallt wird, oder aber es werden beide Zentren gemeinsam eingemauert.
*) Vergl. den entsprechenden Abschnitt in DIM.