
a) eine Verdickung des Dachblattes,
b) eine Verlängerung bezw. ein dichteres Gefüge des Wabenwerkes,
c) eine Vermehrung der Septenzahl,
d) eine Verstärkung des Einzelseptums, die entweder nach Analogie von a) oder von b) erfolgen
kann,
e) eine Herabsetzung der Umgangshöhe,
f) die Anlage tonnenreifenartiger Verstärkungsleisten des Basalskelettes bezw. der Medial-
reifen,
g) eine Verstärkung der Septenfältelung, die die Zahl der Stützpunkte, die Länge des Unte rsaumes
und seine Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Einwirkungen vermehrt,
und die die Abstände zwischen den basalen Stützpunkten verkleinert.
Bei einer Fusulinenfauna eines bestimmten Meeresbezirkes sind, falls das Gestein keine Anhaltspunkte
für die Annahme eines Fazieswechsels gibt, d i e ( m e c h a n i s c h e n ) A n f o r d e r u n g e n
d e s M i l i e u s wohl mit Recht als f ü r a l l e F o r m e n z i e m l i c h g l e i c h anzusehen.
Demnach müßte die Widerstandsfähigkeit der Schale bei den verschiedenen gleichzeitig am selben
Orte unter gleichen Bedingungen existierenden Spezies nahezu dieselbe sein. Diese Annahme einer
der Fazies entsprechenden, mithin nach Zeit und Raum abgegrenzten K o n s t a n z d e r W i r k
u n g s s u m m e d e r V e r f e s t i g u n g s f a k t o r e n d e r S c h a l e n k o n s t r u k t i o n ,
wie sie oben von a) bis g) aufgezählt worden sind, lä ß t die Verringerung bezw. das Fehlen je eines
oder einiger dieser Punkte durch die äquivalente Vermehrung eines oder mehrerer anderer als
k o m p e n s i e r b a r auffassen.
In der karnischen Meeresprovinz, deren Fauna von S c h e l l w i e n (1897) und G o r t a n i
(1902 bis 1909) so eingehend erforscht worden is t (vgl. auch DIM. Seite 220—225), zeigt z. B. Fus.
tenuissima eine extrem dünne Wandung. Die Dünne des Dachblattes und die Kürze des Wabenwerkes
werden aber durch die bedeutende Vermehrung der Septenzahl gegenüber der Gruppe der
herrschenden Fus. alpina wohl ausgeglichen (vgl. Textfigur 36).
Die vielgenannteste, wenn auch fa st stets fälschlich zitierte Fusuline, Fus. cylindrica, findet
sich in Mjatschkowo mit Fus. simplex vergesellschaftet. Um die in diesem Falle sehr deutliche
mechanische Kompensation gänzlich objektiv schildern zu können, führe ich die eigenen Worte
von S c h e l l w i e n , dem diese meine Auffassung noch völlig fern lag, an:
I. F u s . c y l i n d r i c a (R. Seite 162).
a) „ A u ß e r o r d e n t l i c h g e r i n g i s t d i e D i c k e d e r W a n d u n g e n . “
b ) „ S e p t e n s i n d i m V e r h ä l t n i s z u d e n g e r i n g e n D i m e n s i o n e n
i n z i e m l i c h g r o ß e r Z a h l v o r h a n d e n (IV 23—24).“
c) „ D i e F ä l t e l u n g d e r S e p t e n i s t r e c h t k r ä f t i g . “
. d ) „ D i e E i n r o l l u n g d e r S p i r a l e i s t e i n e z i e m l i c h e n g e . “
II . F u s . s i m p l e x (R. Seite 180).
a) „ D i e D i c k e d e r W a n d u n g e n i s t n i c h t - u n e r h e b l i c h . “ .
b) „ D i e Z a h l d e r S e p t e n b e t r ä g t i m v i e r t e n U m g ä n g e . 19—23.“
c) „ D i e F ä l t e l u n g d e r S e p t e n i s t . i n d e n m i t t l e r e n T e i l e n d e r
S c h a l e r e c h t s u n d l i n k s v o n d e r b r e i t e n M u n d s p a l t e g e r i n g . “
d ) „ D i e E i n r o ' l l u n g i s t v e r h ä l t n i s m ä ß i g w e i t . “
Derartige kompensatorische Unterschiede tre ten recht häufig auf, und es ließen sich noch sehr
viele weitere Beispiele anführen. Die hier besprochenen beiden Fälle dürften jedoch zur Erläuterung
meiner Ansicht genügen. Nur auf die bezeichnende Tatsache sei noch hingewiesen, daß die Verstärkung
durch Medialreifen, wie sie sich bei den Gruppen der Fus. secalis und Fus. simplex findet,
besonders wenig gefältelte, weitgewundene Fusulinen betrifft.
Ein weiterer zu beachtender P u n k t ist die Art .und, Weise der A b b i e g u n g d e s S e p t
u m s , bezw. deren größere oder geringere Markiertheit. Zwei Typen stellen etwa die Extreme
da r: Entweder ist der Abbiegungswinkel sehr scharf, fa st genau 90 Grad. Dann besteht das Septum
fa st stets lediglich aus dem Dachblatte, und das Wabenwerk der Kammerwand geht nicht in den
oberen Teil des Septums über. In diesen Fällen ist fast immer der Ansatz der neuen Wand ebenfalls
scharf markiert und setzt ganz oben an der Oberkante des Septums an. — Oder die Wand biegt sich
schon vor der eigentlichen Knickung etwas einwärts, das Wabenwerk setzt sich in den oberen Teil
des Septums hinein fort (vgl. Fus. incisa der Karnischen Alpen), und meist erfolgt der Ansatz der
nächsten Kammerwand ziemlich tief unten am Septum, so daß stark ausgeprägte Melonenfurchen
entstehen (vgl. R. XX 7), während im ersten Falle die Saglttalschnitte eine fast ungebrochene Spirallinie
zeigen (Textfigur 23.).----- ,
Ein Maß fü r die „L ä n g e“ der Septen anzugeben, ist nach dem über die allgemeine Gestalt
Gesagten nicht einwandfrei möglich/ Da nur sagittale Schliffe, die die zuweilen etwas asymmetrisch
gelegene Mundspalte halbieren, die größte Kürze des Septums zeigen, ist zwar der an genau medialen
Schnitten meßbare g e r i n g s t e Wert der Septallänge immer der exakteste, bleibt aber auch recht
oft noch um ein Unbestimmbares hinter dem wahren Werte zurück.1® - Immerhin aber sind die
extremen Typen recht charakteristisch und lassen sich unter Vermeidung ziffermäßiger Angaben
sehr wohl in die Speziesdiagnose aufnehmen. Als Beispiele seien einige Vertreter der Gruppe der
Fus. alpina mit der Fus. Tschernyschewi verglichen. R. XIV 10 und 11 lassen auf das Vorhandensein
einer wohlausgeprägten, medial gelegenen Mundspalte schließen, die auf den Axialschnitten (vgl.
R. XIV 2 und 12) deutlich hervortritt. Dagegen entspricht das Bild, das sich aus R. XVI 5 und 9,
sowie R. XV 3, 4, 7—9 ergibt, einer auch in der Mediangegend intensiven Fältelung, welche durch
die zugehörigen Axialschliffe R. XV 5 und 6 sowie R. XVI 6 und 7 bewiesen wird.
Vor allem ist die Tendenz, lange bis zum Boden herabreichende Septen in medialen Schliffen
zu bilden, im allgemeinen ein Anzeichen, daß der Schnitt nicht in der Mundspalte liegt, sei es, daß
überhaupt keine vorhanden ist, sei es, daß die Lage des Schliffes ungünstig ist. Letzterer Fall kann
sowohl durch die Asymmetrie der Mundspalte (namentüch, wenn diese schmal und undeutlich ist),
als durch eine nicht genau zentrale bezw. auch durch eine etwas tangentiale Schnittorientierung
herbeigeführt werden.
Die A r t d e r F ä l t e l u n g der Septen ist an nicht genau zentralen Schliffen oft vortrefflich
zu sehen. Man erkennt dann, daß es nur die Fältelung im Verein mit der relativ ja doch
erheblichen Dicke des Schliffes ist, die uns eine keulige Verdickung am unteren Ende der Septen
zuweilen vortäuscht. S c h e l l w i e n , der diese Verdickungen unrichtig als durch n a c h t r ä g -
1) Es gibt somit eine mediale Länge der Septen, die nur an Medialschliffen erkennbar ist, ebenso wie auch eine
mediale Dicke zu beachten ist. Nur diese hatte ich -z. B. in DIM. 4 gemeint, wie die Figurerklärung beweist. Demnach
ihuß ich den Vorwurf G. Dyhrenfurth’s (Pal. LVI Seite 166 Anm.) zurückweisen, der mediale und nichtmediale Maßangaben
verwechselt. K