
Der gleiche Grund bewirkt übrigens auch bei spindelförmigen Fusulinen-Typen ein Weiter-
wachs'en des Tieres in gleichbleibender Gestalt. Auf der ganzen Länge des Septums nämlich wird
von der hervorquellenden Sarkode ein Abstand überwunden, der einer gleichgroßen Spannung der
Oberfläche entspricht. Da die gleiche Strecke an den Polen einer bedeutenderen Krümmung, der
Bogen also einen größeren Zentriwinkel entspricht, als in der Mediakone, folgt, daß in der Mitte
eine größere Menge des Plasmas austreten kann, als an den Enden. Der größeren Grundfläche kann
auch eine größere Höhe entsprechen, und die Spindelform wird beibehalten (vgl. Textfigur 28). :
Als eine weitere Folge dieser Tendenz, die Anheftefläche der Sarkode durch Reifenbijdung
zu vergrößern, würde bei Formen, die ein stärkeres Maschenwerk besitzen, also offenbar längere
Zeit zu deren Bildung benötigen und mit der Ausscheidung infolgedessen eher beginnen müssen, das
Auftreten von Reifen auch am Dach zu erwarten sein. Diese Erscheinung sjätzte für das völlige
Zusammenfließen der austretenden Sarkodetropfen eine erheblichere Höhe (vom Boden der zu bildenden
Kammer an gerechnet) voraus. Diese Höhe k ann aber nur als Folge einer beträchtlichen Höhe
der Septalöflnungen sich finden.
Derartige D a c h r e i f e n zeigt das Genus Neosehwagerina, welches, da die Höhe der Septah
Öffnungen die Stützwirkung der Septen verringert, in ihnen eine starke Schalenversteifung besitzt,
zu der überdies noch andere, dem gleichen Zweck dienende Struktureigentümhchkeiten („Pseudqsepten“
, d. h. a x i a l e Wabenverlängerungen als
D a c h r e i f e n ) kommen, die tro tz der unleugbar
vorhandenen Übergänge doch eine Abtrennung vom
Verbeekina - JDoHoUtui - Typ als notwendig erscheinen
lassen.
Es bleibt nu n noch übrig die Tatsache, daß diei
Medialreifen der Fusulinen gewisser Gruppen im senilen
Stadium fast verschwinden, und daß bei anderen Typen
nur in den allerersten W indungen Spuren eines Ansatzes
von Medialreifen erkennbar s in d , auf die gleichen
Prinzipien zurückzuführen, die wir bisher als sö gut
wie allein wirksam beim Schalenbau erkannt haben
(vgl. Textfigur 23).
Der erste dieser Punkte erklärt sich ungezwungen
durch den Umstand, daß eines der bezeichnendsten Merkmale
der senilen Decrescenz in der Herabsetzung der
. . . „ .• .• ■. Umeanashöhe besteht. Daß nämlich eine volle Ent- Fusulina centralis var. (Utah). Der Medianschliff dieser mte r- u l u 6 a u &c’ w
essanten Übergangsfonn z eig t na ch relativ engen Anfangs- wicklung des Phänomens an eine gewisse Höhe der
umgangen die an Schwagerinen erinnernde Windungshöhe. Die _ ® . _ _ , . , •,
sep ten fa iteiu n g i s t — wie übrigens au ch bei schwag. fusuiinoides Windungen geknüpft is t , zeigt ein V ergleicn zwischen
FusiMna seoalis und centralis. Letztere Form h a t ent-
ca. 2,1:1 auctrin den.schiuQumBingen (vergi. den ■ Axiai*ciüifi gestreckteren Gestalt in der Median-
SCHW. Taf. v m 10). Vergl. Textfigur. i r © _ ..-i n
partie niedrigere Umgänge, als die stark geblähte Fus.
seoalis, und zeigt tro tz der engen V erwandtschaft beider Formen nur schwache Ansätze der bei Fus.
secalis so überaus kräftig entwickelten Medialreifen.
Der zweite P u n k t dürfte in der großen Flüssigkeit der Sarkode der Anfangswindungen seine
Ursache haben und durch das Streben nach Haftpunkten veranlaßt sein. Die Dünnflüssigkeit der
Anfangssarkode ve rrä t sich fa st überall durch relativ recht eng auf gerollte Umgänge und zum Teil
auch gestrecktere Form (vgl. Schwagerina Yafoei,1) Fus. alternans etc.). Ein Zweck dieser geringeren
Innenspannung des Jugendstadiums wäre vielleicht in der leichteren Überwindung der dem geringen
Durchmesser entsprechenden starken Konvexität der zu überwindenden Flußfläche zu sehen.
Von besonderem systematischen Interesse ist es, daß Medialreifen sich bereits bei Fusulinellen
nachweisen lassen. Um nicht zu nahe auf diese den Fusulinen immerhin ferner stehenden Formen
einzugehen, sei auf V. v. M ö l l e r s Abbildungen verwiesen, die die Erscheinung für Flla. Struvii
(1. c. 1880, Taf. V 4 b) und Flla. sphaeroidea (1. c. 1878, Taf. XVI a) sehr klar zeigen. Auch Flla.
Loczyi Lör. is t wohl mit Medialreifen versehen.
Daß die hier vorgetragene entwicklungsmechanische Deutung des Phänomens der Wahrheit
recht nahe kommen dürfte, läß t sich an Textfigur 23 ersehen. Nach meiner Auffassung ist es nämlich
sehr gut denkbar, daß bei einer nicht allzu starken Tendenz zur Bildung basaler Reifen sich auch
Übergangsstadien finden lassen zwischen voll entwickelten Reifen und Septenvorbiegungen, die
mündungswärts durch Kalkansatz etwas verlängert erscheinen. In letzteren Fällen wäre eben die
Vereinigung der weiter vorquellenden Sarkodemassen nicht nur o b e r h a l b , sondern nach Ablauf
einiger Zeit auch v o r den basalen Leistenstücken erfolgt. Das Bild solcher Vereinigungen müßte
ganz das sein, welches Textfigur 23 bietet. In axialen Schliffen verriete-sich dieser Vorgang durch das,
wenn auch seltene Fehlen der dunklen Flecken in einem oder mehreren Umgängen, obwohl andere
Umgänge sie wohl ausgebildet zeigten. Auch diese Eigentümlichkeit findet sich zuweilen bei der
Gruppe der Fus. secalis, sowie bei Fus. montipara.
IX . Die Ausheilung von Schalenverletzungen.
Im allgemeinen sind die Fusulinenschalen als solche recht gut erhalten, wenn auch oftmals
das Einbettungsgestein n a c h t r ä g l i c h manche der Herstellung von Dünnschliffen ungünstige Veränderungen
herbeigeführt hat. Dieser gleichmäßig gute Erhaltungszustand spricht unbedingt gegen
jede weitere Verfrachtung der Gehäuse abgestorbener Tiere. Vielmehr ist anzunehmen, daß die
Schalen nach dem Tode der Individuen ziemlich ungestört auf dem Meeresgründe sich anhäufen
konnten. Ein zweiter sehr auffälliger Umstand ist die nahezu konstante Größe und — mit dieser
im Zusammenhang stehend r—, Umgangszahl der erhaltenen Fusulinen gleicher Spezies. Da fast
stets sich in der Anlage der letztgebildeten Kammern mehr oder weniger deutlich Anzeichen einer
senilen Degeneration der Sarkode finden lassen, liegt die A n n a h m e nahe, d a ß n u r E x e m p
l a r e , d i e i h r L e b e n b i s z u e i n e m n a t u r g e m ä ß e n E n d e a u s g e l e b t
h a t t e n , d e m T o d e u n d d a m i t d e r F o s s i 1 i s i e r u n g v e r f i e l e n . Im Einklang
m it dieser Schlußfolgerung würde dann wohl auch die d ritte bemerkenswerte Tatsache stehen, daß
so g u t wie niemals Reste, andere Organismen in nennenswerter Menge sich mit Fusulinenschalen
vergesellschaftet finden lassen, so daß hierdurch sowie durch die geradezu enorme Menge der Individuen,
welche die Fusulinenschichten auszeichnet, ein fast völliges Fehlen von Feinden gewährleistet wird.
Der Sedimentcharakter weist zudem stets auf ein sehr ruhiges Milieu hin, in welchem Meeresströmungen
und Wogenschlag nur gedämpft sich fühlbar machen konnten und jedenfalls keinerlei mechanische
Verletzungen der zarten Gehäuse zur Folge hatten.
l) Vgl. Textfigur 48, 49 C., 51,