
Diesem Fehlen von schalenzerstörenden Elementen entspricht völlig die nngemeine Seltenheit
von Gehäusen, die Spuren mechanischer Verletzungen auf weisen. Die wenigen mir bekannt gewordenen
Vorkommen betreffen auch nur unbedeutende Zerbrechungen oder Knickungen der Schale,
die das (meist in relativ jugendlichem Alter davon betroffene) Individuum schnell und sichtlich
mühelos selbst wieder auszubessern vermochte. Eine Ursache für die Verletzung lä ß t sich nicht angeben,
ebenso erlaubt die Seltenheit der Vorkommnisse dieser Art es nicht, bestimmte Spezies oder
Gegenden als besonders ihnen ausgesetzt zu bezeichnen.
Wenn ich trotzdem etwas näher auf einige Fälle eingehen möchte, so geschieht dies, weil
die Ausbesserung der verletzten Schale einen besonders guten Einblick in die Art des Schalenaufbaues
g e stattet:
I. Ein zu den größten V ertretern d er Spezies gehörendes E xemplar von Fus. secalis aus Kansas
(Textfigur 52) h a t im siebenten Umgange eine Verletzung der Schale erhalten,’ die im
Medialschliff etwa dem Raume von 6 Kammern entspricht. Den genauen E in tritt der
. Fig . 52. •
Fusulina secalis a u s K an sa s.' Mediälschliff. Vergr. 1 :3 0 . Beispiel vxin Ausheilung einer
Schalenverletzung.
Störung festzustellen is t natürlich recht schwer. Offenbar aber ist seinerzeit nicht die
zuletzt gebildete Region erfaßt worden, sondern der Unfall tra f eine Steile der Schäle,
die von der damaligen Mündung mindestens bereits durch einen halben Umgang getrennt
war. Als Beweis für diese Annahme ließe sich der regelmäßige Bau der Kammern ünmittelb
a r hinter der Zerbrechungsstelle anführen. Die Zerstörung der Septen im Beginn des
achten Umganges ist wohl erst durch das Anfertigen des Schliffes erfolgt, doch muß diese
Stelle dem zerrenden Einfluß der Schmirgelkörner weniger Widerstand haben leisten
können, als die anderen Teile des ihm ja ebenso ausgesetzt gewesenen Schliffes. Vielleicht
ist also anzunehmen, daß diese. P artie von Anfang an weniger solide gebaut war, und daß
diese Festigkeitsanomalie damit zusammenhängt, daß in diesem Stadium das Tier die
Schalenverletzung erhielt.
Von hohem Interesse is t es nun, wie die Sarkode auf die abnorme Gestaltung der
durch die Verletzungsstelle gebildeten Fließfläche reagierte. Der konvexe, zuerst vom
Wachstume erreichte Rand des „Fensters“ b o t offenbar sehr große Schwierigkeiten. Da
für ein Weiterfließen hier schon eine geringe Strecke große Sarkodemengen beanspruchte,
mußte der Septenabstand, d. h. die Kammerlänge, hinter dem normalen Maße Zurückbleiben.
Da die Höhe der abnormen Kammern gleichfalls den Durchschnitt der Spezies
zu übertreffen hatte, setzte notgedrungen eine stärkere Fältelung als Stütze ein. Bezeichnend
ist auch die zentral gerichtete Einsenkung des überbrückenden Umgangsstückes
in der Mitte der Verletzung, die sich als Folge der hier normalgeformten Fließfläche und der
zur Verfügung stehenden Sarkodemenge darstellt.. Die beiden Kammern, die hier als
Unterfläche das Dachblatt des sechsten Umgangs benützen, sind — an sich b etrachtet —
in Form und Größe dem Durchschnitt völlig entsprechend. Daß die abnorme Kammerbildung
schon eine Strecke, die etwa dem Raume
zweier normaler Kammern entspricht, v o r der im
Medialschliff sichtbaren konvexen Kante beginnt,
h a t seine Ursache wohl d a rin , daß polwärts nach
einer Seite hin die Verletzung etwas ausgedehnter
ist als in der Medianebene.
Die zweite konkave Kante des „Fensters“
macht dem Vordringen der Sarkode ganz n a tu rgemäß
erheblich weniger Schwierigkeiten. Da hier
n ur eine normale (oder sogar geringere) Größe der
Fließfläche sich entgegenstellt, ist keine Verkleinerung
der Kammerlänge erkennbar. Da auch die
Höhe der Kammern nicht den normalen Wert zu
überschreiten braucht, ist eine besonders intensive
Fältelung oder Verlängerung des Septums nicfct er-" v . * . t:s o .
forderlich. ‘Das weitere Wachstum zeigt keine Ab- schaienreparatur. vgi. schw. 15.
weichungen vom Normalen mehr. Da der neunte
Umgang so regelmäßig die zerstörte Partie des achten überdeckt, ist anzünehmen, daß
diese durch das Schleifen der direkten Betrachtung entzogene Stelle keine allzugroßen
Anomalien neben ihrer geringeren Festigkeit aufwies;.
Wenn wir uns die Septenzahlen zu rekonstruieren suchen, so ergibt sich (durch
Analogieschlüsse und Extrapolationen ergänzt) etvra folgende Reihe:
I 14, I I .20, I I I 20, IV 27, V 26, VI. 30, VII (33), V III (34), IX 30, X (30),
Demgegenüber stellt, sich die obere Grenze des Speziesdurchschnittes dar als: