
W. V o 1 z gab im gleichen Jah re für das von ihm auf gestellte Genus Sumatrina eine Abbildung,
die in schematischer Deutlichkeit eine durchaus massive, undurchbohrte Wand zeigte.
H. Y a b e veröffentlichte 1906 eine Mikrophotographie, die in zweifarbiger Reproduktion
G. H. G i r t y s Bedenken vortrefflich illustrierte. Der japanische Forscher w ar jedoch zu vorsichtig,
um ohne größeres Material eine bestimmte Ansicht auszusprechen (1. c. Seite 6/7).
E rst H. D o u v i 11 e erklärte, gestützt auf ein M aterial, das aus Indo-China stammte und vor
allem eine reiche Fülle der so interessanten, mit den echten Fusulinen s. str. nicht allzunahe verw
an d ten 1) Genera Doliolina, Neoschwagerina und Sumatrina enthielt, aus Gründen vergleichend-
anatomischer Art die Fusulinen vorbehaltslos als unporös. Es geht aus seinen Schriften (1906) nicht
ganz klar hervor, ob er seine Schlüsse auch auf Beobachtungen an Fusulina s. str. stützte, oder nur
die Nebenformen (die, wie z. B. Sumatrina Annae Y o 1 z, erheblich eindeutiger erscheinen und ja
auch von V o 1 z richtig b eurteilt [1904] worden w aren) direkt berücksichtigte. — E. S c h e l l w i e n
scheint bis zuletzt an der Porosität der Fusulinen festgehalten zu haben. Seine handschriftlich hinter-
lassenen Notizen lassen z. B. bezüglich der Fus. obsoleta (vgl. R. Seite 187) sowie der „Fus.“ ventri-
cosa erkennen, daß trotz des unzweideutig auf Fusulina s. str. hindeutenden Gesamthabitus der
genannten Spezies ihm die minimale Größe bezw. das völlige Fehlen der von ihm als Poren gedeuteten
Strukturmerkmale die systematische Stellung längere Zeit zweifelhaft erscheinen ließ. (Für „Fus.“
ventricosa werde ich an anderem Orte die Zugehörigkeit zu dem Genus Girtyina nov. sub gen. näher
begründen.)2) —
E. S p a n d e l erwähnte 1901 noch keinerlei Zweifel hinsichtlich der Poren der Fusulinen.
R. J . S c h u b e r t versprach 1908, an anderer Stelle Gründe gegen H. D o u v i l 1 e für die
Porosität zu bringen.
Weiter unten wird über diese Frage noch eingehender zu sprechen sein. Zunächst is t eine
objektive S c h i l d e r u n g d e s S c h l i f f b i l d e s selbst erforderlich. Wenn wir eine beliebige
Wandstelle einer Fusuline in einem guten Schliff betrachten, so sehen wir ganz unabhängig von der
Orientierung — nur tangentiale Schnitte weichen, wie später gezeigt werden soll, etwas ab —
folgendes (vgl. Textfigur 6):
Die Peripherie des Umganges erscheint als eine äußerst dünne, dunkle,
völlig kompakt aussehende Linie. Erheblich dicker — 0,25 mm kommen vor
— zeigt sich eine heller getönte, graue Schicht, in der dunkle Streifen, ungefähr
senkrecht zu der peripheren Deckschicht angeordnet, unterscheidbar sind. Diese
Streifen sind sehr dü n n , am inneren (unteren) Ende oft etwas keulig oder
knopfig verdickt, ohne sich jedoch zu berühren, am oberen Ende undeutlich, zuweilen
wie aufgefasert, so daß ihre Vereinigung mit der Außenlinie meist n icht gut
erkennbar ist, zumal die helleren Zwischenstreifen hier im allgemeinen dunkler gefä
rbt erscheinen. Diese helleren Streifen sind durchschnittlich etwas dicker als
die dunklen und enden ersichtlich vor der Berührung mit der Peripheralschicht
1 s ‘
Fig. 6.
Schema d e r S tru k tu r der
Kammerwand. (Am Mikroskop
gezeichnet, Vergrößerung
ca. 1 :5 0 ) Die Dicke
eines Dünnschliffes (s) is t in
gleichem Maßstabe beigefügt.
in einer schmalen Zone der Undeutlichkeit. Das is t zunächst alles.
Nur eine einzige S tru k tu ra rt kann stets dieses Bild ergeben:
*) Vergleiche meinen Versuch eines Stammbaums in SCHW. Seite 485.
*) Schellwien scheint die Absicht gehabt zu haben, diese Form der wabenlosen Wandstruktur wegen zu den Fusulinellen
zu rechnen.
A l s D e u t u n g b l e i b t n u r d i e A n n a h m e , d a ß d i e P e r i p h e r a l s
c h i c h t e i n e e i n h e i t l i c h e , d i c h t e , i m p e r f o r a t e d ü n n e L a g e d a r s
t e l l t , u n d d a ß d i e d u n k l e n S t r e i f e n a n i h r — i n d e r u n d e u t l i c h e n
Z o n e a u f i r g e n d e i n e A r t b e f e s t i g t s i n d , u n d z w a r m o r p h o l o g i s c h
i n d e r A r t v o n W a b e n . D i e h e l l e r e n S t r e i f e n e n t s p r e c h e n d e m
I n n e r e n , a l s o d e m H o h l r a u m d i e s e r W a b e n u n d s t e l l e n i r g e n d e i n
o p t i s c h d ü n n e r e s M e d i u m d a r£:%- Jede andere Auslegung ist mit räumlichem Denken
schlechthin unvereinbar.
Wenn wir nach dieser o b j e k t i v e n B e t r a c h t u n g d e r T a t s a c h e n die L iteratur
durchsehen, so finden wir nicht ohne Verwunderung, daß G. H. G i r t y zuerst (1904) der D e c k s-ch i c h t
an der Außenseite der Fusulinensehale eine Bedeutung beimaß, obwohl so gut wie alle Fusulinen-
a b b i l d u n g e n bisher sie deutlich erkennbar gezeigt h atten, und so bedeutende Foraminiferenkenner
wie C. S c h w a g e r, V. v. M ö 11 e r, E. S p a n d e 1, M. G o r t a n i, E. v. L ö r e n t h e y und
vor allen E. S c h e l l w i e n diesem so interessanten und stratigraphisch wichtigen Genus besondere
Aufmerksamkeit zugewendet hatten.
Ein zweiter Umstand ist ebenso auffallend. Die S t r e i f u n g ist als Beweis für die Porosität
angesehen worden, aber als Poren wurden dabei gerade die d u n k l e n Partien aufgefaßt. Auch
G. H. G i r t y noch sagt ausdrücklich (1. c. Seite 237): T h e s e r o d s o r t u b e s a r e a 1 w a y s
c o n s i d e r a b l y d a r k e r t h a n t h e t r a n s l u c e n t w a l l w h i c h t h e y p e r v a d e
and are as a rule of somewhat lighter tin t th a n th e d e n s e o u t e r l a y e r .E - Es liegt nicht nur
keinerlei Notwendigkeit vor, die d u n k l e n Streifen als h o h l aufzufassen, sondern auch nicht
die geringste Möglichkeit.
Hierbei ist nämlich folgendes zu beachten: Ein eventuell ursprünglich, d. h. bei dem lebenden
Tier vorhanden gewesener Hohlraum der Schale wäre naturgemäß längst mit Gesteinsmasse (oder
aber während der Anfertigung des Dünnschliffes mit dem Gestein nahezu optisch äquivalentem Kanadabalsam)
ausgefüllt worden. Nur bei einer Ausfüllung mit einem schwächer lichtbrechenden Medium,
z. B. Luft, würde eine primär hohle R öhre aber als d u n k e l erscheinen können. S o m i t k ö n n e n
wi r , w e n n w i r b e i d e r F u s u l i n e n s e h a l e p r i m ä r h o h l e W a b e n r ö h r e n
a l s e x i s t i e r e n d a n n e h m e n w o l l e n , d i e s e l e d i g l i c h a l s d u r c h d i e
h e l l e r e n S t r e i f e n s i c h v e r r a t e n d a n n e h m e n .
Die von G. H. G i r t y bereits richtig beschriebenen, w enn auch nicht ganz zutreffend gedeuteten
Helligkeitsabstufungen im mikroskopischen Bilde eines Dünnschliffes der Fusulinensehale (siehe das vorhergehende
Zitat) sind bei meiner Auffassung der Wandstruktur ohne Schwierigkeit analytisch zu erklären.
Jeder Schnitt, der die Schale mehr oder weniger senkrecht trifft, also nicht tangential gerichtet
ist, muß das peripherale D a c h b l a t t in der g a n z e n Dicke (ca. 0,04 bis 0,06 mm) des Dünnschliffes
enthalten, also als t i e f d u n k l e Linie zeigen. Das W a b e n w e r k is t fast stets so
fein, daß jeweils mehrere seiner Elemente in den Schliffbereich fallen. Die abwechselnd hellen und
dunklen Streifen ergeben sich daraus, daß sich immer die Summe von n dunklen und n + 1 hellen
Strukturteilen etwas lichter projiziert, als die Summe von n hellen und n + 1 dunklen Elementen.
Es folgt d araus, daß der Helligkeitsunterschied der Streifen um so größer sein muß, je kleiner innerhalb
der Schliff dicke der Wert n ist, was sowohl durch die relative Größe der Elemente, als durch die D ünne
des Schliffes veranlaßt sein kann. Es ist somit so g u t wie niemals die e i n z e l n e Wabenscheidewand
oder die e i n z e l n e Hohlwabe, die der Schliff zeigt (vgl. die „undeutliche Zone“). ;