
A n h a n g .
Die he i f s e n Quel le n.
' Zu 'den auffallendsten Wirkungen /des vulkanischen Feuers gehört dié
Hevvorhrihgung li e i f s e r ‘<$ a c 1 Ì e n. I s l a n d ist vorzüglich
reich. an solchen Natur - Ersclieiniiugeu.
Auchdie Pseiido-Vulkane' vermögen'lieifse QnelUri zu erzeugen.
Vergliche» dasjenige, was oben S. 152 über diesen Gegenstand bemerkt
Worden ist. *
Allein es.gebricht ihnen die furchtbaro Gröfse des Charakters, wo-
' 1 mit a ie , vóh vulkanischen'Ausbrüchen herrtihrenderi, Phänomene
dei- Art gestempelt sind, so dafs man auf eine ' sehr ■natürliche
Weise zu: vergleichenden Betvächtüngen über Ursachen und Wirkdn-
1 gen zwischen 'den von Vulkanen und den von Erdbränden hervor-
gebrachten heifsen Quelleh V'erahlnfst wird. Bei jenen seh^n wir,
durch große Wärme, das Wasser stets mit Siedliizzè aufwallen und
l;ä bis zii bedeutenden Höhen gewaltsam in die Luft ¿mpor^hleudern,
während diesen ein mehr rnhig'cs Da'^eyn bescliieden ist; Zwischen
' dén , durcli; Vulkanität angeregten, Quellen herrschen wiederum gro-
fse Abweichungen, welche auf den Unterschied des Impulaes gegründet
seyn dürften. Bei einigen bemerkt man keine strömenden Er-
giefsungen , sondern blofs ein allmähliges Rinnen, daher die Sonderung
in B ä d e r und K e s s e l . .
Die i h e i f. s er n Q u e l l e n d « r V u l k a n e , von
; welchen hier' ausschließlich die Rede ist-,’sind von einem ziemlich kreisrund
geformten Bassin umfaßt,,; dessen Wände s i e h , vermöge der inkrustirenden
Kraft ¿ welche dem Quellen -Wasser verliehen: is t , nach und nach aus den
kièselèrdigen Niederschlägen (K i e s e i t u f f ) gebildet haben.
Der innere Durchmesser des Bassins vom G e y s e r mifst ungefähr
.6 0 'i seine Tiefe 8 ' und die Stärke der Ränder beträgt 1 2— 14
Fufs.'’
In der Mitte befindet sich eine Röhre in der Gestalt eines umgekehrten
Kegels. Sie ist gleichfalls aus jenen Niederschlägen zusammengesezt.
in der Röhre des G e y s e r s kann 'man ein Senkblei bis zu 80'
T iefe, ohne den mindesten Widerstand, hinunter lassen.
Die Kieselerde, welche die heifsen Quellen enthalten, scheint ihre
Lösung, der hohen Wärme des« Wassers .ungeachtet, vorzüglich
’’ der Vermittlung des Natrons' zu verdanken.
" JSie kündigen ihre Ausbrüche sehr häufig durch Erdbeben im Umkreise
»der Quelle, an. Auch hierin hegt etwas Analoges mit den Eruptionen der
Feuerberge.
Vom G e y s e r auf I s l a n d , der seit einer geraumen Zeit bekannt
ist g w e iß man die Periode nicht anzugeben', in Welcher seine
■Wirkungen zuerst sich z eig ten . Allein was den S t r o k betriffr,
der gleichfalls den heißen ’ Quellen jener Insel' angehört', so hat sein
Ausbruch um. das Jahr 1784 begonnen und ' fällt in die Epoche des
' damaligen Erdbebens., Aufser diesen beiden gröfseren Quellen, die nicht
fern von einander lie g en , finden sich deren n o ch mehrerb in ihrer
: nahen Umgebung, die:jedoch w en ig e r bedeutend sind und von denen
w ir es unentschieden lassen wollen,.-, ob sie. nicht theilweise auch
p s eu d o - vulkanischen, Erdbränden ihre Wärme verdanken.;
Seit der erwähnten 'Erd-Erschütterung im Jahre 1784 haben die
Ausströmungen des G e y s e r s eine bedeutende Veränderung erlitten.
Die EVsciieipüiigen sind seltner geworden , allein man hat zugleich
eine ’ größere Regelmäßigkeit in den Zwischenräumen beobachtet.
Sowie ilie Erdbeben als Vorboten der Ausbrüche dienen, so soll ihnen
auch ein zerstörender Einfiufs auf die heifsen Quellen zukommen, wenigstens
.liéférn' uns die'Traditionen Beispiele von solchen, durch Erd-Erschütterung
en verstopften, Wasser,-Vulkanen. Sie fallen zu und an ihrer Stelle, oder
döch in der nahen Umgegend ) kommen neue zum Vorscheine.
Die heifsen Quellen finden sich auf Island nicht immer in der Nähe der
Feuerberge, sondern sie sind auf der ganzen Insel zerstreut.
a Das Ausströmen des Wassers wird durch gewisse Epochen von Ruhe
■‘unterbrochen. Jeder Eruption geht ein plözliches unterirdisches Getöse voraus,
ein greises Geprassel, ähnlich dem Schalle einer Kanone.. Mau hört das-
selbe nicht nur an der Quelle, sondern selbst in den benachbarten Bergen und
,'es wiederholt sich in längeren oder kürzeren Intervallen. Die Felsen erbeben
. oft mit solcher Heftigkeit, dafs man glaubt sie würden bersten und in '
ihre Trümmer Zusammenstürzen, dabei scheinen sich ihre Wände empor heben
zu wollen. Das Wasser in dem Bassin der -Quelle fängt an unruhig zu werden.
Nach kurzen Pausen wiederholen sich dieselben Phäuomene mit zunehmendem
Stärkegrade'. Man ‘sieht das Wasser im Bassin steigen, seine Wogen
werden nach dem Rande- hin gestoßen und einzelne Wellen überstimmen.
¡Mit der zweiten Periode, oft auch erst mit dev dritten, folgen dje Ausbrüche
des Wasserstromes in Gestalt éitiei' gewaltigen Säule. Abermaliges momenta-
ües' iunehalten, an das sich sogleich eine erneute Thätigkeit reiht.
' Was die DäueV eines jeden dieser Erüptions-Abschnitte betrifft,
so hat -men bemerkt, dafs solche meist iu steigender- Progression
zunehmen. . ¡Die ersten sind oft nach wenigen- .Sekunden Vorüber
während die lezteren., 5 bis 10 bis 15 Minuten anbalten.
Nach der Verschiedenheit ddi-, auf die jedesmaligen ’Explosionen einwir-
kenden,, Gewalt erreicht die Wassersäule mehr oder weniger beträchiljclu
Höhepunkte.
Bei dem 4 804 beobachteten'AusbruClie des G e y s ct s erhob-,»
- ‘«ich die Strahlen der ersten Periode e tw a 40 F u f s , indessen die
lezteren -bis z u 242 Fufs emporstiegen., - -Die Säulen des S t r ok.
sollen j e n e . des G e y s e r s -oft um e in . Drk th eil .an Höhe ü!;,.,
. tr e ffen ..
D ie Wassersäule läßt theils keine Unterbrechung beobachten, -tlieils et.
scheint sie in mehr oder weniger mächtige Strahlen gesondert, lcztcrej
geht auch -wolil die Kontinuität im Ausströmen a b , allein es reihe sich -Id,
noch fast. ohne Unterlaß der eine Erguß an' den ändern/‘ so dafs jedC[
Strahl sicli stets ajs ein Ganzes darstellt. Zuerst fahren sie senkrecht auf.
wärts,-dann aber gewinnen sie theilweise eine Seitenrichtung.. Ein ,dicftt
Rauch und .viele Dünste begleiten das Aufs teigen derselben in grofser !Mea.
ge und -erheben sich mit Blizsessclinelle bis zu den Wolken.
Man har beobachtet, dafs bei einer Eruption über 200 Wasw.
. Ergüsse statt fanden.
Der Durchmesser eines solchen nicht unterbrochenen ’ Wass?[.
Stromes ist beträchtlich und an der Basis fast nie unter 8 Fufs.
Bei mehreren. Versuchen zeigte das Thermometer seine Tempi,
ratur == 80? R e a u m u r.
' Die größte Wasse^meuge fällt senkrecht in das Bassin zurück. Nu
die schrägen Strahlen benezzen den Rand und die Dünste unter ihnen, wdl
ch e , gleich einem nebelartigem Staube, zu der größten Höhe emporsteiget,
fallen als einzelne Regentropfen nieder.
Gegen das Ende der Eruption nehmen die Dämpfe die graue Farbe ds
Rauches a n , selbst an der Mündung und im oberen Theile des Innern du
Röhre haben sie zuweilen ein solches Ansehn, gleich dem einer ’ Flamin
im ersten Augenblicke des Sichtbarwerdens.
Olaifsen sagt, dafs nach den Zeugnissen der Eingebornen man le
Eruptionen des G e y s e r s einzelne* Feuerfunken hätte aus da
Quelle. hervorblizzen sehen.
Steine, welche man während der Ruhe-Periode in die Q.ucllci
hineinwirft, werden mit den Wasserströmen wieder-herausgetvit-
ben und oft zu einer gröfseren Höhe als die Wassersäulen.
Man hat bemerkt, dafs solche Steine beim G e y s e r in der Regel ii
die Rölire selbst zurückfallen , ' der S t r o k aber trägt sie meist»
e ine Entfernung von 4 — 8 F ufs von der Rölire.
Nach dem Ausbruche ¡leert sich das Bassin, das Wasser tritt bis m
einer Tjefe von mehreren Fufs in die Röhre zurück. . Sein Stand ist ruhig
und mau gewahrt oft auch nicht-eine Spur von- zufsteigenden Dämpfta.
Langsam' und ohne Aufwallen steigt das Wasser Von neuem an. - Sowie«
sich indessen bis ins Bassin erhebt, und dieses wieder zur Hälfte damit as-
gefüllt is t, wozu mehrere Stunden erfordert werden, hört .man -von Zeit u
Zeit unterirdische Schläge; denen meist, kleine Aufwallungen folgen u«
womit zugleich dicke Dämpfe aufsteigen. Das . Wasser wird stets bm
einem kurzen Zwischenräume wieder vollkommen 'ruhig, ' allein --je meb
sich das Bassin fü llt, um .desto heftiger und häufiger werden diel ScliJäge,
um so mehr nimmt das Aufwallen zu. -Ist das Bassin ganz v o l l , so 6tellf»
sich kleide Eruptionen ein, die dann wiederum mit -einem großen Ausbruch
endigen. Die Zwischenräume von einer Eruption, zur ändern sind nicht
lange dauernd. -Man zählt der Ausbrüche -oft mehrere - in einem Tage, voa
denen der eine gar häufig den ändern an Stärke ü b e r t r if f t j e nachdem d"
Phänomene der Atmosphäre, Regen, Winde, Sturm, einen höheren oder g*
ringeren Impuls äuisern.
Bei dem G e y s e r treten die gröfseren Eruptionen fregelmüto11
sechsstündiger Frist ein. Die des S t r o k s ’hingegen haben -keino be
stimmten Zwischenräume, im Gegen ¿helle sollen sie, nur alle zwe i oder
drei Tage, bäld zur Tags-, bald zur Nachtzeit statt finden.
In Vergleichung jsu der Wassermasse, welche das Bassin und ui*
R-ölire umschliefsen, wird bei eiuem jeden Ausbruche nur, eine g**
ringe Menge über flas Bassin hinausgegossen. Der Zuilufs aus de®
Bächen did den Sumpf durchschneiden, in welchem die Quelle"
liegen , dürfte jenen Abgang stets ersezzen.
An einem gegenseitigen Einflüsse der beiden Quellen auf Island, des
'Geysers und des1 Strocks ist nicht zu zweifeln. Er ist durch unläugbare Tatsachen
erwiesen.
Was die Theorie dieser Erscheinungen "betrifft, so ist solche im Ganze"
einfach. Das unterirdische Getöse, welches dem Ausbruche vorhergeht, j5
eine Folge der, Aurcli vulkeaisclie Einwirkungen, entwickelten Gasarten. 1"
dem Augenblicke , wo diese expandirten Luftarteu zu dem Behälter gelange">
der das Wasser umschließt, und ihre .Freiheit suchen treiben sic jenes auS
seiner Stelle: Daher die orste Unruhe des -Flüssigen im Bassin. Der Kampf
rischen der Gewalt der Dämpfe und dem Drucke,- welchen ihr das Was-
- entg®gen zu sezzeu vermag, führt die Wiederholungen der Phänbihene her-
bis zulezt, mit dem Ausström eu der Strahlen, die überwiegende Kraft
t Gasgebilde sich darthut. Zugleich mit dem ,Wasser werden auch die
Starten nach und nach ausgestofsen und so .erklären sich die übrigen Um-
(iide dieiev Eruptionen, die noihwendig so lange dauern müssen, bis das
ieichgewicht hergestellt ist. Nachdem wieder eine überwiegende Menge von
Ü-npfeu gebildet worden, erfolgt ein abermaliger Ausbruch und dieser stete
fecbecl zwischen Sturm und ruhigen Zwischenräumen beweist die ewigen
ioilechölungen des' Prozesses.
Di e Me teor s te ine.
j D i e M e t e o r s t e i n e —- A ü r o l i t h e n , M o t e o-
o 1 i * h- e ¡n -— s i n d au,s d em G e w ö lb e d e s H im m e l s a u f unte
n P l a n e t e n g e fV l l e ^ e , d e n M i n e r a 1 k ö rp e r n ä h n l i c h e ,
Sie unterscheiden ■ sich aber, sowohl durch. ihre äufscren als inneren
iinzeichen , von allen bis jezt bekannten P r o d u k t e n des Minevalrejchs.
• Ilu'Ç ..ungleich - kubische, keilförmig-dreieckige oder eiförmige,
jedoch* stets au dem Theile, mit welchem sie auffielen, platte
-Form, die âbgeiùndetën 'Ecken und Kanten, die braune, grauliche
■ oder schwarze- (bei manchen mit einem klebrigen., abfärbeuden Uc- .
. ber/.U'ge.,.bc,deckte), bald matte und rauhe, bald wachs - oder fett-, oder
metallisch - glänzende, mehr oder minder harte — im ersteren Falle
ah'dem Stahle'Tunken gebende — dünne, öfters Spuren des Fluss
e s zeigende Rinde,, womit die ASrolithen umgeben sind; die, von
dieser Rinde umschlossene, mehr oder minder g'r^m, körnige, ynanch-
mal kugel- und eiförmige kleine Ablösungen ' enthaltende , öfters
\ i von schwarzen Äderchen und Punkten durchsezte, einem sandigen
Aggvcgste .ähnliche und ltnbestimmteckige Bruchstücke liefernde Hauptmasse
des Innern; die, theils mit dem unbewaffneten Auge,' theils
durefi die Luppe in" dieser Masse erkennbaren, Körner Von zinn-
weifsem Ged i e g e n î -E i s e n und S ch w e f e l k i e t (dessen Farbe
bald speifsgelb bald- jener des Kupfernickels ähnlich ist); (die woi-
isen dem 1-eldspathe ähnlichen Körner in einigen Meteorolithen sind
als Zufälligkeiten zu1 betrachten ;.) die Empfänglichkeit des Ganzen
für Magnetismus und. die Fähigkeit einiger Aëroliihen gleich dem
. • ^Magnete zu. .wirken; d ie , bei den meisten.der hierher , gehörigen
Substanzen zwischen 3 ,0 und ^,0 innestehende, Eigenschwere ; die
in dem' gröfseren Theile der Meteorolithen — zumal in den unlângèt.
gefallenen;;—r durch genaue chemische Analysen ausgemittelte Gegenwart
.der K i e s é 1 s ä u r o , der T a 1 k e r d e , der T h o n e r d e ,
des K a lk s , des M a n g a n o x y d s , des E i s e n s , des N i c k e l s ,
des C h r om s (welche als in chénjisçher V^b^dung stehend an-
zuselien sind) — alle diese Eigenthümlichkeiten haben bis jezt noch
an- keinem' ändern Mineralkörper nachgewiesen werden können.
Wenn auch die 1 8 0 6 , 15. März bei A l a i s in Frankreich, und
1 8 0 8 , 22. Mai b e i S t a h n e r n in Mähren gefallenen Meteorsteine
in ihrem Aeufscrn u n d. Innern v on der M e h rz a h l der übrigen abweichen
, so ist dieser Unterschied doch nur als Abnormität zu betrachten
, indem durch chemische Analyse die Gegenwart der h auptsächlichen
, oben angeführten, Bestandthëile in ihnen dargethan
wurde . Der Geh a lt des e r s t e r n an K o h l e n s t o f f , sein Ueber-
Ilufs an S c h w ' e f e i Und 9as in b e i d e n Steinen nur als O x y d
vorkommende E i s e n geben zu der gegründeten Vermuthung Anla
ß , dafs .die Intensität des elektro-chemischen P ro z esses, w elch em
sie das Daseyn verdanken, nicht hinreichend gewesen sei, den Ueberilufs
v o n lnilammabilien durch Oxydation zu verflüchtigen und das E i s e n
in regulinischer Gestalt' .darzustellen.
Eine zweite Art meteorischer Produkte sind d ie , beinahe in allen
W elttheilen aufgefundenen, Massen voir G e d i e g e n - E is e n .
Sie' sind durch ihre--metallische Natur und durah ihre beträchtlichere
'Eigenschwere hinlänglich von ändern unterschieden.
.. Der ungeheure Block in S i b é r i e n , jener zu O t u m p a in
Süd - Amerika etc. die Eisenmassen v on A g r a ra , welche in dem kaiserlichen
Naturalien - Kabinette zu Wien aufbewahrt werden; 9
D ie G e g en w a r t de s N i c k e 1 s in d en s e lb en un d gw a r in g le ic h em
V e r h ä ltn is s e w i e in dem G e d ie g e n -E is e n dev ü b r ig en A ë r o lith c u ,
u n d dip Ü b e r e in s tim m u n g z w i s c h e n - den B e s t a n d t e i l e n de r o l i v i n -
ä h n lic h e n K ö r n e r , in den Z e lle n de s S ib e r is ch en -E isen s, m it d en j
e n ig e n de r g r au en M e teo rm a ss e la ssen ü b e r ih r e n U r sp ru n g k e in eu
Z w e if e l m eh r ü b r ig ,
Obgleich das Äufsere und Innere vieler in der Vorzeit gefallener
Aërolithed von jenem der Meteorsteine neuerer Zeit auffallend verschieden
gewesen seyn so ll, so kann demungeaclitet, bei der Aufstellung
einer allgemeinen Charakteristik meteorischer Steinmassen,
auf sie keine Rücksicht genommen werden; indem diese Steine
gröfstentheils nur auf, dem Papiere noch zugegen sind, und die
Frage unbeantwortet bleiben inufs : welchen Antheil die erhizte
1 Phantasie damaliger Zeiten an diesen Beschreibungen gehabt habe,
und welchen nicht ? Die Mehrzahl des Vorhandenen kann nur hierbei
als Norm dienen.
Das Interesse des Mineralogen für die Aörelithen w ird , betrachtet er
«» Physiker , um Vieles durch die wunderbare Entstehungsart derselben
"Öht. In die Werksfäuen des Vulkans eingeführt, die Ursache dieser schreck- .
r*schönen Naturerscheinungen ahnend, wird er durch die Meteorsteine
a ihre sie begleitenden Gefährten auf ein weites Feld der Forscliuug; und
des Nachdenkens hingewieson. Er vereinigt durch diesen Übergang den
Strahlenbuschcl der Feuerberge mit dem flüchtigen meteorischen F u n k e n , in
derselben Natürkraft die Mitte findend, von welcher aus Tartarus und Olymp
frülierhin Bedeutung erhielten.
D a s G e s c h i c h t l i c h e .
Die Meteorsteine waren schon den Völkern der grauen Vorzeit
höchst merkwürdige. Erscheinungen, Der Ursprung derselben ,und die sie begleitenden
Phänomene zeigten so viel Wundervolles, dafs diese Substanzen
nicht nur in den Apparat der Priester aufgenommen wurden, sondern man
ihnen sogar göttliche' Verehrung erwies. -
Die E d d a und O s s i a n s Gesänge lassen Spuren v on dieser
Verehrung bei den Völkern des nördlichen Europas bemerken. Hk ro -
DOtV Erzählung von den S k y t li i s c h e n S k o l o t e n und ihrem
Urvater T aiioitaus enthält offenbar den Bericht eines Steinfalls. D e r
Griechische Mythos von dem öftern Ilerabsteigen der Göiter auf die
E r d e ; ihre Aussendung strafender Dämonen ; die d a k t y l i s c h e n
Steine des U r a n o s ; der s c h w a r z e Stein des S a t u r n u s zu
D « 1 p h o s ; die beiden Sterne, w elch e die D i o s k u r c n den A r g o-
n a u t e n zur Rettung sandten ; die B !l t y 1 i e n und heiligen Sreine,
v on den P h ö n i z i e r n z u Amulct und Talisman gebraucht; der
heilige Stein der Juden beim J e s a i a s ; , der s c li w a r z e Mahlstein,
w e lch en , nach M o s e s Urkunden, J a k o b ' a u f dom L i b a n o n
errichtete; der Steinregen in Phönizien und Sy r ien , dessen J o - s u a
gedenkt; der s c h w a r . z o S te in , welcher zu N e p a l — unfern
B e n a r e s in Indien — als Symbol der Liebe und Zeugung verehrt
. w u r d e ; där Steinfall beim L i v i u s 654 Jahre vo r unserer Zeitrechnung
auf dem Berge A l b a n u s ; der in Phrygien bei P e s s i -
n u n t gefallene und 548 v o r der jezzigen Zeitrechnung zu R om in
dem Tempel der V i k t o r i a niedergelegte: Ste in; der D m a r e i
der Araber; der H e 1 i o g a b a i i n , Z o e I .o -S y r i e n ; der Stein
beim H e r o d i a n im Sonnen tempel zu E m e s a ; der s c h w a r z e
Stein in der K a ’ a b a l i zu M e k k a ; der Meteorstein zu C a s s a n -
d r i a oder P o t y d e a - in M a z e d o n i e n ; ' der , bei dem Flusse -
A e g o s in T h r a z i e n 46 7 Jahre v o r Christi Geburt vom Himmel
gefallen , große Stein, dessen Farbe Pi .in.ios i „ a d u t u s “ nennt:
die Stei ie,_ w elch e 343 zu R o m, fielen ; jene 'beim J. AES All, welche
Nachts in ’ Afrika sein Heer heimsuchten ? Weit r dìe in (1er Jahren
2 1 1 , 1 9 2 , 8 9 , 3 8 , 29 2 2 , 1 9 , 12 und 9 vor der Griind ung des
Chrjster tliums in C h i a gefallenen Mcteorolither ; de im Jahre 79
nach jezziger Rcchnun g von Plwjios in dem ande der -V o k u n -
t i n e r m R ö m i s c h e », Gallien gesehene Stein ; c er St infall 52 nach
unserer Zeitrechnung au f dem L i b a n o n unfeih H e i i o p o l i s in
S y r i e n , dessen P uotius in den Fragmenten, des D am asz io s über
Isid o rs Leben e rw äh n t; der Fall eines Aerolithen 823 in S a c Ii-
s e n ; jener 852 in der A s i a t i s c h e n T ü r k e i .
Es ist wahrscheinlich, daß die meisten der vorstehend aufgeführten
Substanzen meteorischen Ursprungs w a ren. Diesen Ursprung
bestätigen die uns gebliebenen Urschriften. Analogie leitete bei denjenigen,
tiber welche weite re Nachrichten mangeln.
Auch in deriT Mittelalter fehlte es nicht an Erscheinungen der Art,
So die Steinfalle in der A s i ä t i s c h e n T ü r k e i in den Jahren
899 und 9 3 0 ; jene in I t a l i e n innerhalb den Jahren-965 - 9 7 1 ;
• der zu Ende des. 10. Jahrhunderts erfolgte und von A vizenna beschriebene
Aerolithenfatl; jene bei M a g d e b u r g 998 ; bei O Id i s-'
l e b e n in T h ü r i n g e n 1 136; bei M e i s s e n in S a c h s e n 1164;
bei Q u e d l i n b u r g 1 3 0 4 ; bei R o a unfern B u r g o s in S p a n
i e n 1488.
Die darauf folgenden Jahrhunderte waren nicht weniger reich an
Steinfällen als die voiherge-henden, und die lezteren Jahrzehnten
übertreifen sogar die früheren in der Frequenz der A&oiithen-
Ausscheidung.
Zu den merkwürdigeren gehören jene bei E n s i s h e im * 1492,
7. September; d ie , 1 5 1 1 , 4 . Sept. unfern C r em a in Italien gefallenen,
großen ASrolithen; der ungeheure Stein bei der. Ffrrrei
d e s E g l i s e s in dem L im o u s i n in Frankreich 1540 , 28. April; *
de r Steinfall bei S c'li 1 e u f s i n g e n in Thüringen 1 5 5 2 , 19. M a i;
d ie Eisenmasse bei T o r g_a u in Sachsen 1 5 6 1 , 17. M a i; d e r , 89
Pfund wieg en de , Aürolith in T h ü r i n g e n 1 5 8 1 , 26. Julius: die
Eisenmasse in K a 1 a b r i n 1 5 8 3 , ’9. Jamta r ; d e r , von Gassendi
genau beschriebene, in c er P r o v e n c e n Frankreich 1627 , 27.
November niedergekomme ne g roße Meteoroiith ; die beiden bei
V e r o n a * 1672 gefaller en 2 — 300 Pfund schweren ■ Uranoiithen ;
der Aürolith bei P 1 e s k o v i t z in Böhmen 1723 , 22. Ju n i; der bei
C o u t a n c e s in der Normandie 1 7 5 0 , .11. Oktober; die , 16 und
7 1 Pfund schw er en , Masse h Gediegen - Eisen welch e bei A g r a m *
in Sklavonien 1751, 26. Mai niederfielen . nd in der, kaiserlichen
Naturalien - Sammlung z u Wien auf bewahrt w erden; der Stein fall
unfern des Berges T a b o r in Böhmen * 1753 3. Julius ; jene unfern
dem Dorfe S e n a * in Arragonien 1773, 17. Novemb.; in dem
A i c h s t ä d t i s c h e n * 1 7 8 5 , 19, Februar zwischen B a r b o ta n
und J u i 1J a c , Dc-partem. des Landes in Frankreich 1 7 9 0 , 24. Juliu
s ; bei S i e n a * im Toskanischen 1794, 16. Ju n i;' bei S a l e s *
im Depart. d e r 'fth o n e in Frankreich 1 7 9 8 , 12. März; die bekannten
Aerolithen, w e lch e 1798, 19. Dezember bei B e n a r e s * am
Ganges in Hindostán fielen; jene bei A i g l e * in Frankreich 1 8 0 3 ,
26. April (deren Zahl sich auf 2000 b é lie f); ,der Meteoroiith bei
S a u r e t t e * Depart. V a i i c l n s e in Frankreich 1 8 0 3 , 8. Oktober;
jener bei E g g e n f e J d in Bayern 1 8 0 3 , 13. D ezbr.; bei G l a s k o w
in Schottland 1 8 0 4 , 3. A p r il; b e i D o r o n i n s k in dem Gouvern.
Irkutsk in Siberien .1805, 15. März; in K o n s t a n t i n o p e l selbst,
im Juni 1805'; bei A l a i , s * im Gard - Departement in Frankreich ; der
160 Pfund schwere Aürolith, w e lch e r 1807 , 15. Mai b e i J u c h n o w
in dem Gouvern. Smolensk * in Rußland f ie l; jener bei W e s t o n *
in de r Provinz K o n n e k t i k u t in N o rd - Amerika 1807, 14. D e z .;
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