
Erste Periode. E r s c h ü t t e r u n g e n .
Sie wechseln in ihrem Stärkegrade vom l e i c h t e n S c h w a n k e n
bis- zum v e r w ü s t e n d e n E r d b e b e n . In der Nähe des Vulkans, des
Zentralpunktes ihrer Verbreitung, wtithen sie stärker und nur auf seiner
Höhe brechen Dämpfe, die Ursache des Bebens, hervor.
Man bemerkt vorzüglich .drei verschiedene Arten von Stöfsen
und Schwingungen des Bodens. Eine horizontale, eine aus.der
Tiefe nach oben wirkende und eine dritte, welche nach allen
Seiten gerichtet ist- Mit dem Eintreten der lezteren ist in der
Regel das Hervorbrechen des Feuers aus dem Boden und .der Anfang
der Auswürfe verbunden.
Manche Eruptionen la ssen, v o r den Erschüttertmgen des Bodens,
noch' andere beachtungswertlie Phänomene als verkündende Vorboten
bemerken. So w a r der W inter 1765 auf 1766, vo r dem großen Ausbruche
des H e k l a (5- April 1766)', so g e lin d e d a f s man y o r Ostern nur
zweimal Frost hatte. Alle Quellen und Bäche, selbst der Seo S.e 1 s-
v a t u , nahmen sehr ab und in der Runde um den Berg h e r -v e r trocknete
die Haide durch < die Einwirkung der unterirdischen Wärme.
Jezt folgte ein gräßliches Erdbeben und an dieses reihten sich die
übrigen Erscheinungen.
Eine Soitenmitiheiluug des Stoßes durch das Feste der Erde reicht h in ,
ihn noch in beträchtliche Entfernungen, selbst Uber Gebirgsreihen hinweg;,
wirkend zu führen. Das entwickelte Gas, und die dasselbe umschliefsende, heftig
bewegte, elastische Masse, vermögen nicht an allen Punkten den weichenden
Boden zu'erheben , und der Fels, leitet die Erschütterung'fort.
Die Wirkungen des H e k l a bei der Eruption im Jahre 17?2 w a ren
so g ewa ltig , dafs seine ° Gletscher zerbarsten.
In den vereinigten Staaten von A m e r i k a , zumal am M i s s i s -
s i p i wüthe ten die Erd-Erschütterungen in den Jahren 1811 und 18 ±2
sehr stark , vorzüglich an den tiefer liegenden O r ten Ein furchtbares
Rollen , unterirdischer Donner , v ie l lauter als bei, ähnlichen
früheren Phänomenen, begleitete die schreckliche Natur - Erscheinung.
Bis auf eine Entfernung ; v on 150 Meilen v o n dem Mittelpunkte der
Bewegung äußerten sich die Wirkungen; man bemerkte das. Beben
des Bodens, die Mauern bekamen Risse u. s. w . — Aus mehreren
! Thaisachen (Oeffnungen in der E rd e , aus denen Rauch und wässerige
Dünste hervordrangen, verkohltes Holz und fcimssteinartige Laven
w elch e an mehreren Orten aus jenen Spalten herausgeworfen wurden
u. s. -w .) geht h e r v o r , daß e in , einen Raum v on vie len Meilen
'umfassendes, unterirdisches Feuer an jenen Orten is t , dessen S trom,
indem er sters mehr Ausbreitung g ew in n t, fortzuschreiten scheint;
Eine Folge dieser Stöfse ist ‘das Z u , r ü c k z i e h e n d e s
M e e r e s , oft bis auf eine Strecke von einigen Meilen. Eine Erscheinung,
welche fast jeder Eruption, wo Erdbeben bis ins Meer fortwir-
ken können, vorhergeht.
Sie kann aber keineswegs für eine Einsaugung des Meerwassers
durch den Vulkan gelten. Sie ist nichts weiter, als eine, durch
die Erschütterung herbeigeführte, Veränderung des Meeresspiegels
in der Lage, nicht in der Höhe.
Die für H e r k u l a n n m so zerstörende Eruption des V e s u v s
vom Jahre 7 9 trieb das Meer auf eine Viertelmeile w e it v on den.
Küsten zurück. Bei dem neuesten Ausbruche des T o m b o r o auf
S u m b a u w a , den südlichen M o l u k k e n zugehörig (1 8 1 5 ), wur de
der Ankergrund ganz verändert und die' See viele Meilen um die
Insel herum mit Baumstämmc-n. und Bimssteinen bis auf einen, solchen
Grad angefüllt, daß man Mühe hatte mit .Schiffen durchzukommen.
Zur Zeit der oben erwähn ten, durch unterirdische Fcupr hervorgebrachten
, Erschütterungen am M i s s i s s i p i w urde das Bette dieses
Flusses erhoben und es entstand ein Wasserfall, der so lange
dauerte, bis der Strom wieder in seine U fe r zuriiektrar.
A u f dem nachbarlichen Meere v on S i z i l i e n und K a l a b r i e n
gewahrte man bei Eruptionen des A e t n a heftige Aufwallungen der
Flu th en , ungeachtet in einiger Entfernung die Gewässer einen ruhigen
Stand zeigten.
Bei S i r a k u s , welche Stadt zur Zeit des Ausbruches v on 1669
durch Erdbeben fast ganz zerstört w u r d e , trieben diese Vorboten
der Explosion das Meer mit einer solchen Heftigkeit zurück,, daß eine
zahllose Menge v on Fischen aufs Trockne gelegt wurden. Nach einer
kurzen Frist traten jedoch die Gewässer nicht nur eben so plözlich
wieder in ihre alten U fe r ; sondern überschritten dieselben in dem
Grade, daß sie über . die Mauern ins Innere der Stadt bis in die Zitadelle
drangen und daselbst isehr v iele Fische auswarfen. Eine Uhn- •
liehe furchtbare Erscheinung stellte sich bei der Eruption von 1695
Man sieht häufig während der vulkanischen Ausbrüche Quellen
versiegen und nach Verlauf einer kürzeren oder längeren Zeit ganz
trübe wieder zum Vorscheine kommen. • .
Ebenso entstanden, w ie namentlich auf S i z i l i e n , durch v u lkanische
Erdbeben Seen von nicht unbeträchtlichem Umfange. Bei
der furchtbaren Eruption auf S t . V i n z e n l . (1812) vertrockneten
zw e i Hauptßiisse und zw e i neue entstanden, zugleich bildete sich ein
/ kochender See , d e r , durch Regenwasser noch mehr an s chw o ll, seine
1 U fe r sprengte und als ein Strom siedenden Wassers sich Uber das
ganze Thal ausbreitete.
Im Jahre 1693 bemerkte man -in O e l v e i auf I s l a n d ein nicht
sehr heftiges Erdbeben, mit welchem ein Sinken und Verschwinden
des Wassers in allen he iß en Quellen verbunden w a r. Dre i Tage
nachher fingen die Eruptionen des H e k l a an.
Durch die Erdbeben wird der Boden zerrissen. Die elastischen Mächte,
welchen die, bis zum Gipfel erhobene, Lava den Ausweg durch den grofsen
Krater verschliefst, brechen am Fuße oder am Abhange des Kegels hervor.
Aber nie aus einer Öffnung, dem grofsen Feuerschlunde im Gipfel ähnlich,
sondern aus Spaltungen, die sich weit Abhange des Berges herunter erstrecken
und sich Stets genau 'diesem gemäß, nie nach der Breite-des Ber»
bilden. Ihre Länge stellt mit der Größe der Eruption ' im Verhältnisse &
tiefer hinab sie am Kegel -aufbrechen , um -desto bedeutender wird ¡|,
Ausdehnung,
Als besonders m erkwürdig gehört die Geschichte des Vulkan.
J o r u l l o in M e x i k o hierher. Er öffnete sich im Jahre 1759 °'
einer erhabenen , ebenen und wohlangebauten Flä che , über die
kalte Wasserbäche hinflossen und w o seit Menschen "eden ken •
das geringste unterirdische Getöse gehört ward. D ie Katastrophe v
kündete, sich etliche Monate zuvo r durch Erschütterungen und •
dumpfes Gebrülle. Nach einem Aschenregen und. heftigem Bram,
stiegen auf einer Ausdehnung von mehr als einer halben Quadrat«^
Flammen aus der Erde hervor. Kleine Felsenstücke wurden zu ej
ansehnlichen Höhe emporgeschleudert.' Die Erdrinde des Bodens bä
und senkte sich wechselnd w ie die Wellen des stürmischen Meer«
Unzählige kleine 6 — 9 F u ß hohe Kegel traten aus ih r hervor
bewarfen die Oberfläche der ganzen Ebene w ie mit Blasen, .die
jezt vorhanden sind. Endlich stiegen in"der Richtung v on S .,$ . 0
nach N ., und von_N. O. sechs Hügel in einer Reihe herauf, (u
g röß ter , der auch noch gegenwärtig einen entzündeten Krater ?a„
1600 F u ß Höhe mißt. ,
An die geschilderte Periode reihet sich die zweite , 'nach kürzerer 0dt(
längerer Dauer, theils unmittelbar, theils wiederholen sich zuvor die Erschti.
intiigen der ersten Frist, mit mehr oder weniger Modifikationen. -
Bei dem oben erwähnten Ausbruche des J o r u l l o zeigten sich5o,
6 0 Tage nach der ersten Periode (Juni) die Phänomene' derselben
der. Vom Anfänge des Septembers schien Alles auf eine v o ll kommen
Ruhe hinzudeuten , bis endlich gegen das Ende dieses Monates die Ki.
tastrophe eintrat.
Zweite Periode. A u s >v ü r f e e i n z e l n e r g l ü h
e n d e r S t o f f e.
F r a g m e n t e v o n L a v e n , B im s s t e i n e , v u lk a n i s c h e Aschu.
's. w. werden unter dem A u s s t o f s e n v o n R a u c l i u n d Dämpfet
.ausgeworfen. \ 1 »
Die Auswürfe unzusammenhängender Massen geschehen theil
langsam , anhaltend, und mit einer gewissen Ruhe, theils hefte
und tumultuarisch. Während der Vulkan- in einem Zustande vm
gemäfsigter Thätigkeit ist, werden jene Massen aus dem Krater her-
ausgewoirfen, in welchen sie nicht selten zurück fallen,-um vua
neuem sich emporschleuderh zu lassen. "
Unter diesen Auswürfen sind beim V e s u v diejenigen b em e rk »
w e r th , w elch e durch ihre sphäroidische und elliptische Form sieb
auszeichnen und die unter dem Namen der V e s u v i s c Ii e i
B o m b e n bekannt siiid. Und Vinter denen des J o r u l l o die Bruch*
stiieke uranfänglicher Gebirgs'arten, weich e v on Verschlackten basaltischen
Laven umschlossen -Werden.
Auffallend ist die Höhe und' die „Entfernung, bis zu. welclira
Felsenstücke geschleudert werden.
Nach C o lo g n a n s Zeugnissen, und zu Folge der von ihm an«.
stellten Be rechnung, w a r f der P i k a u f T e n e r i f f a - , bei Aer Erup
•tion vom 9. Juni 1798 , Felsenstücke -bis z u mehr als 5000 F u ß Hobt,
indem man, v on dem Augenblicke an,' w o sie das Maximum ihre
Höhe erreich? hatten , 1 2 — 15 Sekunden zählte.
FiNjtsEN- erzählt uns, daß bei dem großen Ausbruche .des Heklt
(1 7 6 6 ) Bimsstein - Massen von mehreren Ellen im Durchmesser ml
v on 7 — 8 Pfund -Schwere über drei. Meilen iw e it von dem bre»
nenden Berge geschleudert wurden und dann noch mit solcher Gewi!
in die Erde eindrangen, daß man Hebestangen gebrauchen muftti
um sie wiede^ lierauszubringen. Die Menge der ausgeworfenen Bimssteine
war so g r o ß , daß der F lu ß R a n g a a in seinem Laufe '«•
hemmt w urde und eine sehr verbreitete Übe rschwemmung veranlaßt
Die T h i o r s a a w a r w eg en 'der darin treibenden Bimssteine gar nickt
mehr sichtbar und das Meer selbst w a r längs der Küste 30 Meilen i»
die Länge so damit bedeckt, daß die Fßcherkähne in ihrer Fahrt ff-
hindert wurden!
. Bei der Eruption des K a t l e g j a a a u f I s l a n d im Jahre 1755 gewahrte
man unter der Fiu th ausgeworfener Steine auch große Eis-
massen und auf den nahen Hügeln lag die Asche bis p i L Elle Höhe
und war mit einer kupferrothen Eisdecke überzogen. Derselbe Fen-
erberg zeigte bei einem späteren Ausbruche •'(175(5). einen Eishagel,
mit Sand'und Asche gemengt und neben glühenden FelsstücKen, *
herausgeworfen wurden , stiegen Feuerkugeln a u f ..
Das Ausstofsen von Dämpfen findet bei den noch tliätigen Vulkanen
zumal in den ^Perioden der Ruhe statt. Man sieh? ganz«
Dampfmassen den inneren Raum des Kraters erfüllen, -sodann vermittelst
einer vertikalen Bewegung emporsteigen u n d sich in der
Atmosphäre ausbreiten. Diese Dämpfe enthalten in der Regel irgend
eine Säure,
So haben die Dämpfe des A e t n a einen großen 'U eb erfln ß «
S c h w e f e l s ä u r e ; in denen des V e s u v s trifft man s a lz ig «
S ä u r e , welch e sich durch das Eigen,thlimliche ihres Geruchs und
durch die w e iß e Farbe charakterisirt, die sie beim Vermengen mit
den wässerigen Dünsten der Atmosphäre annimmt.
Aus den Vulkanen v on P u r a z e ergießt sich ein in so hohem
Grade schwefelsaurer Bach, daß ihn die Eingebornen Essigbach (H>«'
Vinagre) nennen. Er Hießt in den R io -K a u j c a und bis vier
Meilen unter der Mündung- hält sich kein Fisch darin auf. Die Vulkane
v on P o p a y a n und von der hohen Platte v o n P a s t a werfe«
Schwe fe l aus.
Aufserdem sind den Dämpfen auch häufig salinische Substanzen
beigemisclit. .
S f c h w e f e l s a u r e s und s a l z s a u r e s A m m o n iu m u -s.v -
finden sich in den Spalten ‘ noch rauchender L a v en , als Sublim*te
auf den Schlacken u. s. w.-
D ie Vulkane v on G u a t i m a I a w er fen sogar häufig S a lm i a k
Daher der starke Gehalt der Erzeugnisse der Feuerberge an sali-
nischen Materien der Art. Allein nicht nur diese, sondern auch
feuerbeständigere Salze finden sich in den vulkanischen Produkten.
So werden in den Spalten der L a v e n , in den Schlacken u . s. w .
■'troffen. — Der L e u z i t und die Laven , welch e dieses Mineral be-
,• herbergen, die B im s s t e i n e u. s. w . enthalten K a l i .
DieseSäuren und salinischcn Substanzen gelten als chemische
Verbindungen, die in den unermeßlichen Laboratorien vorgegangen
waren. D a v t ’s Lehre aber führt uns zu der Vermuthung, dafs
das Kalium und ,das Natrium einander in den Materien begegnen,
auf welche das vulkanische Feuer einwirkt; dadurch ist die Möglichkeit
der Anwesenheit dieser Urstoffe in den gasartigen Produkten
zur Zeit jhres Austritts aus dem Krater gegeben.
Die Dämpfe der Feuerberge haben die Eigenschaft, die Kieselerde
auflö-.t-n zu können, woraus folgt dafs sie Flufssäure in gasförmigem
Zustande enthalten.
Die Ausbrüche in dieser Periode folgen in kürzeren oder längeren Zeit-
sten aufeinander. Ein Getöse, schon in der Nähe des Berges hörbar, und
ie Entwicklung ganzer Ströme von Gasarteh begleiten jede Explosion, wel-
e wenn sie sehr heftig und grofs is t, zuweilen über der Mündung des
aters einzelne Blizze bemerken läfst.
. Je gewaltiger der Ausbruch, um desto größer Ist die Entfernung,
in welch er man das Getöse wahrnimmt, v on dem d ie ' Erscheinungen
begleitet werden. So hörte man be i dem erwähnten K a t l e g j a a -
Ausbruche das Brausen auf eine Entfernung von, 30 Meilen z u M u l e~
S y s s e 1 oder B r o d a.l u r, w o man auch die dichte F insterniß und die
sie durchbrechenden Flammenstrahlen sehen 'konnte. Man vernahm
das Brüllen des K o t o p a x i bei ' der Eruption im Jahre 1744 in
einer W e ite v on 200 Meilen zu H o n d a , einer am M a g d a ' l e n e n -
Flusse gelegenen Stadt. Im Jahre 1803 hörte man, bei einer Explosion
desselben Feuerberges, im Hafen von G u a y a q u i l ,1 52 Meilen
in gerader Linie vom Rande des Kraters, zur Tags- und N achtz
e it das Donnern des Berges , gleich dem wiederholten Abfeuern einer
Batterie und selbst auf der Südsee, im, S. W . der Iiisel d e la P u n a ,
vermochte man das schreckliche Getöse noch z u unterscheiden.
Bei dem Ausbruchtf des J o r u l l o (1759) w i r das Gebrülle so
h e ftig , w ie das Losbrennen v on 1000 Artillerie - Stücken solches
kaum hätte hervorbringen können.
Seefahrer hörten bei der Explosion des A e t n a (1669) auf den nachbarlichen
Meeren von S i z i l i e n und K a l a b r i e n ein submari-
nisches -(Brausen. -
Die zweite Periode ist nicht allen Vulkanen eigen, bei manchen
reiht «ich die folgende unmittelbar an die vorhergehende, auf die
Erschütterungen folgt der Laven-Ausbruch.
■ D r i t t e Periode. L a v e n - A u s b r u c h .
| Es ist den-im Innern wirkenden Dämpfen geglückt, sieh einen Ausweg
ich den Berg zu bahnen und nun bricht zugleich mit ihnen die
iva wie ein flüssiger Strom hervor, seltner aus dem Krater, häufiger aus
u Seitenspalten der Abhänge in der Nähe des Fufses.
Bei d,er Eruption des A e t n a — 11 . März 1669 — w a r der gewöhn
liche Feuerschlund mit einer Rinde von Vulkanischer Asche
und Bimssteinen' überdeckt. Diese .stürzte mit einem furchtbaren
Getöse dem Abgrunde zu. 1 Die Feuersäulen entstiegen weder dem
Kra te r , noch den bereits vorhandenen Spalten, sondern sie bahnten
sich neue Oeffnungen durch die kleinen Hügel M a l p a s s o , M o n t -
p e 1 e r i und F o s s e r a . Unter e in em, mehr als hundertfach vervielfältigten,
Donner, bei den gräßlichsten Erschütterungen aller Gebäude
der Umgegend , sah man, während der ganzen Dauer der
Katastrophe fast ohne den mindesten Zwischenraum v on R u h e , eine
unermeßliche Zahl von Flammen zum Himmel empor lodern und
Asche in unglaublicher Menge aufwärts, schleudern.
Die Stärke dieses, von- Zeitraum zu Zeitraum wiederholten, Stromes
tmehrt'sich, je tiefer die Lava gegen den Fuß des Berges hervorstürzt,
weiter'-sich die Öffnung des Ausbruchs vom Gipfel entfernt. Ihre Ge-
nvindigkeit wächst, und die Fläche, über welche sie sich ausbreitet, wird
öfser.
Mit der Lava zugleich, und nach einem erschütternden Donner, steigen
sitzende F lam m e n in senkrechter Richtung aufwärts, indem sie in For-
en und Farbe mannichfache Abänderungen bemerken lassen und über den
uftkreis sich erheben zu wollen scheinen.
D ie Flamme des H e k l a bei der Eruption v on 1766 w a r in der
Mitte w e iß und h e lle , nach außen roth gefärbt und über der südlichen
Kluft blau.
Bei einem Ausbruche des K o t o p a x i im Jahre 1738 erhoben sich
seine Flammen zu einer Höhe von mehr als 2700 F u ß über den Rand
des Kräters. .
Unermeßliche Wolken von Rauch, von Asche und Steinen werden
irch die Winde in horizontaler Richtung über das Land hin fortgeführt,
c* die Flamme behält ihre Vertikal-Linie und keine Gewalt vermag
1 z“ beugen.
Das Wasserstoffgas ist es, welches, vereint mit dem Schwefel und
den Dämpfen, den-Vulkan sprengte, und das, indem es selbst die flüssige
Lava durchbricht, im Momente der entstehenden Seitenöffnuug
des Berges als endlose Flammen - Säule über-ihm schwebt.
Die Flamme war nicht im Innern des Vulkans, sie entwickelte sich erst
bei dem Ausbruche des Hydrogens selbst. Die Detonation und die darauf
folgende Flamme enthüllen eine der größten vulkanischen Erscheinungen, die
v u lk a n i s c h e n R e g e n .
Durch den Zutritt des Oxygens der Atmosphäre bildet das, sehr häufig
mit .Schwefel verbundene , Hydrogen Wasser und schwefelige Säure.
Das nun entstandene Wasser wird aber sogleich von der entwickelten
Wärme ergriffen und oft noch vor seinem Herabfalien
zu Wasserdampf umgeformt., während die, zu gleicher Zeit entstandene,
schwefelige Säure in Gasgesialt entweicht.
Eine unglaubliche 'Menge von Wasserdampf steigt auf diese Art
in die Atmosphäre hinauf. , Durch den Verlust des Wärmestoffes
in den höheren Regionen büßt er die elastisc xe Form ein und
. fällt als Regen wieder herab.
Der ganze Strom der Lava ist meist in dichte schwarze Wolken gehüllt,
welche seinem Laufe folgen. Ähnliche Wolken begleiten die Flamme' bis zu
ansehnlicher Höhe. Während diese Erscheinungen mit unendlicher Schnelle
einander verdrängen, stockt nach wenigen Stunden die Lava Uber der, aufgebrochenen
Spalte. Sie hört auf Uber den Abhang zu strömen; Flammen,
Rauch und Asche vermindern sich plözlich und wenige Stunden nach dem
Stillstände der Lava tchweben nur noch leichte Wolken Uber dem Vulkane.
Diese gänzliche Unthätigkeit der Atisbruclisöffnuiig , nachdem der
LavaQufs aufgehört hat, ist ein allen Vulkanen gemeinsames Phänomen.
Die Lava ist den ausströmenden Dämpfen ein Hinderniß, das
mit ihrem Ausbruche verschwindet.
Bei manchen Vulkane», zumal bei denen der Kordilleren, geht gar häufig
den Ausbrüchen ein schreckliches Phänomen voraus, nämlich das plözli-
che Schmelzen des Schnees, - womit der Berg bedeckt war.
So war seit länger als 20 Jahren'aus dem Krater des K o t o p a x i
kein R auch, kein sichtbarer Dampf aufgestiegen und im Januar-
. Monate 1803 w urde das unterirdische Feuer in einer einzigen Nacht
so wirksam, daß schon beim Aufgange der Sonne die äußeren
Wände des Kegels, die sonder Zweifel bis zu einer sehr kalten Region
hinauf r eichen, sich nackt und schwa rz , also in der eigenthümlichen
Farbe verglaster Schlacken, zeigten.'
feierte \ Periode. A s c h e n - E r u p t i o n .
Noch ist der Ausflufs der Lava aus der Spalte nicht beendigt, als sich
düstre Wolken schon von der Spizze des Berges erheben. ' Mit unglaublicher
Gewalt stoßen sie, sobald sie sich den Ausweg durch den großen Krater geöffnet
, alles vor sich weg und verbreiten sich, gleich einem dichten Ge-
wölk e, über die umliegende Gegend.
Oft bricht die Asche mehrere Tage hindurch mit anhaltender Heftigkeit
aus. Sie fällt unaufhörlich zu Boden als Steintrümmer auf den Abhang des
Berges, als ein zartes graues Pulver in meilenweite Entfernung.
Bei der merkwürdigen Eruption .des V e s u v s vom 24. August
79 bedeckte derAschen-Ausbruch H e r k u l a n u m bis zu 'einer Höhe
. v on mehr als 90 Füfs-
W ie w e it die Aschentheile durch die Einwirkung der Winde
weggeführt werden können , davon belehrte uns der lezte Ausbruch
des T o m b o r o auf der Insel . S um b a u w a. A u f Z e l e b u s
„ (M a k a s s a r ) w u r d e . d ie . Asche 1 1/2, Zoll hoch niedergelegt und
selbst bis nach B a t a v i a sali man solche, treiben.- Durch ihren Einflu
ß blieb es in M a k a s s a r noch 'lange nach Sonnenaufgang finster
und in S o u r a l t a g a wurde es zur M ttagszeit kaum so h e ll, dafs
man auf eine Entfernung v on einigen Schritten sehen konnte. Bei
dem Ausbruche des K o t o p a x i im Jahre 1768 w a r die Menge der
aus seiner Mündung herausgestoßenen Asche so -g roß , daß in den
Städten H a n t b a t o und T a k u n g a die Nacht bis drei Uhr Mittags
dauerte. Ebenso herrschte bei dem Ausbruche des K a t l e g j a a auf
I s l a n d im Jahre 1755 eine dichte Finsterniß und die Aschen wogen
verbreiteten sich über 50 Meilen weit.
, Bei der Eruption des A e t n a (1669) wurden Asche und Steine
30 — 40 Italienische Meilen geführt, so daß mehrere ' auf dem Meere
segelnde Schiffe damit bedeckt wurden -und auf M a l t a glühte die
Lu ft w ie Feuer.. Der für die Insel S t. V i n z . e n t so zerstörende
Ausbruch vom 30. April 1812 bedeckte in kurzer Zeit die ganze
Oberfläche derselben mit einer ungeheuren Menge von Asclle; In der
Nähe des Vulkans lag sie 2 — 3' hoch. Im T h in g ö r e -K l o s t e r ,
30 Meilen vom H e k l a entfernt, konnte man, zur Zeit der Erup-
, tion von 1 7 6 6 , um die Mittagsstunde nicht unterscheiden, ob ein
Bogen Papier w e ifs oder schwarz war.
Flammen aus dem Krater selbst -sind bei dem Aschen-Ausbruche seltene
Phänomene. Sie scheinen von diesem unabhängig zu seyn. Dagegen
ist jeiier als ein Vorbote mächtiger W o lk e n b r ü c h e um den Vulkan zu
betrachten.
Die Ursache dieser Regengüsse liegt in dem Wasserdampfe, der
, aus dem Inneren des Berges emporsteigt, in der Höhe seine Luft-
Gestalt verliert und als Wasser zurückfällt.
Bei den Asclien-Ausbrüchen fahren zahllose B l i z z e aus den schwarzen
Wolken liervor, abwärts und aufwärts, am meisten aber in der Richtung
von dem äußeren Umfange gegen die Mitte zu.
Man sieht diese Blizze, welche, wie uns die Erfahrung lehrt, zuweilen
in der Nähe zündeten, fast nie aus dem Krater hervorsteigen, sondern
meist nur in der Hälfte, wo dio Wolken sich bilden. Die Asche führt diese