
Zwischen tler Mächtigkeit der Ginge und ihrer Erstreckung waltet
Stets ein gewisses Verhältnifs; Gänge von geringor Mächtigkeit sezzea
nie w e it fort.
Die M ä c h t i g k e i t wird durch Messung von dem Hangenden bis zum
Liegenden vermittelst einer geraden Linie bestimmt und wechselt nach den
normalen Verhältnissen von 4 Zoll ■— 3 und 4 Lachter.
Zu den Gängöu von 'ungewöhnlicher Mächtigkeit gehören einige
wenige Ausnahmen, die stellenweise bei 20 — 30 Lachter
messen.
Der S p i t a l e r H a u p t g a n g bei S c h e m n i z ; der B ü r g s
t ä d r e r Z u g zu K U u s t h a l u. s. w .
Die Mächtigkeit ist nach der ganzen Erstreckung des Ganges nie dieselbe,
sondern wechselt häufig und nimmt bald ab (der Gang verdrückt sich),
bald zu (e r thut sich auf).
An diesen Änderungen können Klüfte, welche hinzukommen, — das
Verschieben des Hangenden und Liegenden bei hin und wieder gebogenen
Spalten, wo konvexe Theile auf konvexe, und Konkavitäten auf
Konkavitäten treffen, —*■ Geste.inswände, Stücke-Gebirge, welche
aus dem Hängenden sich herein gezogen und übereinander geschoben
haben u: s. w>, die Ursachen seyn.
Nach dem Ende zu nehmen die Gänge stets ab und gehen endlich in
eine Kluft über oder 'verlieren sich im Gesteine (keilen sich aus). Dies ist
besonders bei schmalen Gängen der Fall, mächtige zertrümmern sich in mehrere
Aeste, zumal w o andere Gänge tibersezzen. Zwischen diese Trümmer
sezzen sich Sjtücke Gebirgsmassfen (Keile), welche Bruchstücke des Nebengesteins
und ohne, scharfe Kauten sind. Solche Trümmer treffen gewöhnlich nicht
wieder Zusammen, sondern gehen, nachdem sie sich nochmals' weiter
zerschlagen haben, in eine ganz trockne Kluft aus. Findet aber dennoch
eine Wiedervereinigung statt, so sagt man die Trümmer legen sich wieder
an.
Schmale Gänge werden zuweilen auch ganz .abgeschnitten und endigen
sich , wenn ältere mächtige Gänge, übersezzen ufid dadurch das weitere Fort-
reissen der spätem und- schmäleren Spalten hindern.
Die L ä n g e der Gänge ist gleichfalls sehr verschieden. Manche, dehnen
sich nach der Länge und Teufe nur wenig aus (Rasenläufer) , anderen
ist eine ..ungewöhnliche Erstreckung, von 1000 Lachtern und darüber eigen.
K lü f t e sind Gänge, die schmäler als ^ Zoll' Sind. Man hat dürre
-und Tftfasserklüfte ,' faule und Erzklüfte.
b . S t r e i c h e n u n d F a l l e n .
S tr e i c lie n , — die Lage der horizontalen söhligen Ausdehnung der
Gangfiäche, oder ihre Richtung der Länge nach gegen eine bestimmte Himmelsgegend.
Das Streichen erhält seine Bestimmung nach dem Winkel, welchen
der Gang mit der Mittagslinie macht.
Die Messung geschieht mittelst eines Kompasses, dessen kreisrunde
Scheibe in zweimal 12 Tbeile (Stunden) abgetheilt ist und
auf welcher eine Magnetnadel die Mittagslinie andeutet. Die
Stunden zählt man von Mitternacht nach Morgen und von Mittag
nach Abend, jedesmal bis 12. ' Zur genauen Bestimmung der
Winkel sind noch weitere Abtheilungen derselben in 1 , J und
noch kleinere. Theile angebracht.
S t r e i c h e n i n ; d e r 12. S t u n d e , der Gang lauft mit der
. : Mittagsiihie nach der • ganzen Ausdehnung in die Länge parallel. —
S t r e i c h e n i n d e r 6 . S t u n d e , bildet mit der Mittagslinie einen
rechten W in ke l. — B l o i b e n i n d e r S t u n d e , Beibehalten
desselben Streichens; a u s d e r S t u n d e , Veränderung des Streichens.
—' S t e h e r d e" G ä n g e , Streichen in der 1?. oder zwisch en
dieser, und der. 3. Stunde; M o r g e n g ä n g e , Streichen in der 3. oder
zwisch en dieser und der 6 . Stu nd e ; S p a t h g ä n g e , Streichen in der
•6., oder zwisch en dieser un d der 9. Stunde f l a c h e G ä n g e , Streichen
in der 9 ., oder zwisch en dieser tuid. der 12. Stunde: Die Stunden
12 — 3 — 6 — 9 sind "Wechselstunden.
Häufig beobachten, alle erzführende Gänge, eines Reviers eine Hauptstunde
in ihrem Streichen. Ist dies nicht der Fa ll, so läfft sich daraus schlieffcn,
dafs sie von unglcichzeitiger Entstehung sind, welches auch schon die Verschiedenheit
der Gangmassen anzeigt. 'Doch gilt dies nur vom Hauptstreichen,
denn das, spezielle Streichen ist fast Für jede Stunde verschieden.
F a l l e n ,— die Neigung der Gänge, unter einem bestimmten Winkel gegen
den Horizont, oder die Lage ihrer . Ausdehnung nach der, Tiefe. Sie
richtet sich, zumal, bei Haupt - Gängen, meist nach dem Abfalle des Gebirges,
-¡rechtfallende■ Gänge; im entgegengesezten Falle nennt man sie widersinnigfallende.
Jene ziehen sich in der Regel,längs dem Hauptthale hin. Das Fallen
ist stets mehr seiger als söhlig, die meisten habeh. über 4 5 ° , die wenigsten
daruirter. In gröfsern Teufen stürzen sie sich mehr.
Di? Bestimmung geschieht nach dem Winkel, den die Fläche
des Ganges mit einer horizontalen Linie macht. Die Messung
wird durch den Quadranten oder Gradbogen bewirkt.
F l a c h f a l l e n d e G ä n g e , unter Winkeln v on 1 3 — 4 5 0 »
d o n n l ä g i g e G ä n g e ’, 45 — 7 5 ° ; s e i g e r f a l l e n d e G ä n g e ,
9 0 ° , die Grundfläche bildet mit der söhligen einen rechten "W in k e l;
s c h w e b e n d e G ä n g e , unter 1 5 ° .
*c. I n n e r e s . — !Erz"e. ’V e r S t ' e in ' e r u m g e n .
Die Ausfüllungsmasso der Gänge, G a n gm a s 's e , -bestellt entweder aus
dem sehr aufgelösten und.durchaus veränderten Gebirgs-Gesteine, Ausschram, odet
aus von diesem ganz verschiedenen Substanzen, Gangarten. Selten findet mau
eine Gangart den Raum allein ausfüllend, gewöhnlich brechen deren mehrere
auf einem Gange. Die verschiedenen Gangarten finden sich »oft lagon\veis.
-übereinander, meist in gerader -Richtung, doch zuweilen auch in schlänget),
förmigen Biegungen. Sie sind theils derb, theils krystallisirt, den mächtig,
sten Gängen sind die meisten Krystalle eigen.
Zu den gewöhnlichen Gangarten gehören-* "Quarz, späthi«,,
Kalkstein, scliaaliger B a r y t, späthiger Braunkalk und späthi.t,
Flufs, zu den seltnem ; Achat, Hornstein, Amethyst, Opal, Sit in.
mark’ ii. s. w .
(Man vergleiche den applikativen Theil dieses W erkes (System. tabelL
Uebers. 1806, F o l.) und namentlich die K o lu m n e n E r z e u g n is
Vorkommen.)-
Unter den Gebirgsarteu, die man als Gangarten gefunden hu
bemerken wir vorzugsweise: Granit, Thonschiefer , Porphyr,
s a l t , JVacke u. s. w.
(S. den orologischen Abschnitt des applikativen Theües a. a. ö . m;
die hierher einschlagenden Artikel aus L eonhard’* Handbuch einer ¿tigern.
topogr. M ineralogie.)'
Die Gange führen aufserdem auch Erzarten, edle G. , die übrigen nennt
man taube G. Einigen Gangarten ist es besonders eigen, dafs sie keine £m
führen, oder es bricht nur zufällig etwas Erz e in , welches von übersezzen.
den Gängen und Klüften herrührt, folglich von späterer Erzeugung ist. Na
in höchst seltenen Fällen Füllen die Erze den Gang ganz aus, meist komm«
sie nur auf gewissen Punkten und am reichsten in oberer'Teufe'vor, Erzmit
t e l , Erzpunkte. Diese sind von, verschiedener Gröf$e und oft 100 Laclitn
lang, häufiger aber kurz und schneller auf einander folgend, Nester, Nitrti
Erdige Substanzen, welche die Erzmittel an ihrem Anfänge und Ende begr«.
zen, heiLen Erzmacher und Erzräuber. Das E?z findet sich theils in du
Mitte des Ganges und die Gangart nach dem Hangenden und Liegenden zu
theils sieht mau es bl off. im Hangenden und Liegenden zum Vorscheine kommen
und in der Mitte sind die Gangarten befindlich. - -
Gewöhnlich brechen mehrere Ei-zarten zusammen, selten füiin
ein Gang nur eine derselben und auf den verschiedenen Gängen ti-
nes Gebirges kommen oft ganz verschiedene Gattungen und Art«
, von Erzen v o r , doch ist meist die eine oder die andere derselbe
vorherrschend. In gewissen Teufen verlieren sich manche Arni
von Erzen ganz und andrere erscheinen an ihrer. Stelle. - Audi ii
Ansehung der Frequenz des Vorkommens und der Heterogeneiti
und Affinität zu einander und zu den verschiedenen Gangart«
zeigen sich bei den Erzen merkwürdige Verschiedenheiten.'
(Man vergleiche die Kolumne „Erzeugnifs und Vorkommen1' bei da
Klasse der-Erze im applikativen T h e ile .)'
Sehr häufig findet man auf-Gängen, zumal’ auf mächtigen, Stücke voi
Nebengesteine cingewachsen, welche sich durch ihre Form und durch ihre, &
der Struktur des Nebengesteins konforme, Lage als anfangs lo se, sp
terliin wieder .zusammengekittete Fragmente charakterisircn. Auch Bruck
stücke von Gang- und anderen Fossilienarten und wirkliche • Geschiebe #■
scheinen auf sojclie Weise. Ferner kommen auf den Gangräumen Uberreit
organischer Körper v o r , Ammoniten, Turb^niten, Pektiniten, Nautib
ten , Porpiten u. s. w .
Der S p i t al e r H a u p t g a n g zu S c h e m n i z , die B l e i g äng«
in D e r b y f h i r e , die E i s e n s t e i n g ä n g e z u E l b in g e r o d i
und H ü t t e n r o d e am Harze u . s. w . führen V ersteinerungen -
Die Ausfüllung der Gangräume durch die Gangmasse . geschah entwedfl
auf einmal, oder diese legte sich, zumal in. mächtigen Gängen , in vertikal«,
d. h. unter sich und den Saalbändern parallelen Lagen an.. Diese Lagen ol«
Schichten finden sich meist am Hangenden oder Liegenden in gleicher An-
zahl nach der Mitte zu<
Hier trifft man häufig auf mit Krystallcn besezte Drusen von verschiedener
Gröfse, die nicht seiten Wasser enthalten.
Man findet auch, besonders in Flöz - Gebirgen, Gänge • die nur theil-
weise angefüllt sind oder sich als leere Spalten zeigen.
Leztere bieten einen sehr deutlichen Beweis des ununterbrochenen
Übergangs von der schnellsten Kluft, bis zum mächtigsten
Gange dar.
Durch d ie , in den Gangräumen entstandenen, späteren generellen Auflösungen,
durch das Eindringen der atmosphärischen Wasser, durch <he
Einwirkung der Luft ul s. w. erleidet die Gangmasse, in ihrer Gesammtli«1
oder nur in einzelnen dieselbe konstituirenden Fossilien, bald eine völlig*
Auflösung oder Zerstörung, bald wird die Mischung derselben, durch ¿ea
Hinzutritt oder die Wegnahme eines oder mehrerer Bestandteile stärker od«
geringer modifizirt und umgeändert.
3. -G e g e n s e i t i g e 9 V e-r k a 11 e n m e h r . c r e r <G än g e .
Häufig stofsen zwei oder .mehrere Gänge zusammen und ziehen entweder
parallel miteinander fo r t, Nebengänge, Ge fährtin, oder sie laufen
,ur eine Zeitlang nebeneinander h in , schleppen sich, und trennen 6ich
liun wieder, sezzen ab. Wenn eine neue Spalte nur eine kurze Strecke
lurchs frische Gebirge hinreifst:, dann aber, an einen schon ausgefüllten äl-i
eren Gang sich anschliefst und entweder für eine grÖfsere oder geringere
Veite, oder durchaus mit ihm fortzieht, so sagt man, dafs sie sich anscliaae.
Liegen Gänge, die in verschiedenen Stunden streichen, in einer, gewis-
en Näher bei einander, so müssen sie in einem Punkte einander durchschneien.
Uebersezzende Gänge nennt man sie , wenn der eine Gang den an-
even vollkommen durchschneidet. Bei einem rechten Winkel bilden sie ein
tchtes K reu z , sonst gibt es ein Schaarkreuz. '
; beiden Fällen werden aber die Gänge vori dem Durchsezzen
in keine verworrene oder unordentliche Lage gebracht, sondern der
eine der durchkreuzenden Gänge geht stets ununterbrochen durch
- den ändern durch und ist der eigentliche durchsezzende und von
neuerer Entstehung; der andere, der durchsezte , dessen Bildung
in eine frühere Periode fä llt, wild von jenem in zwei Hälften ge-
theilt, deren Entfernung sioli nach der Mächtigkeit des durebsez-
zenden Gang,es richtet. Der jüngere Gang wird zuweilen da, wo
er den älteren berührt, abgerissen , so dafs er ganz aufhört.
Wenn die Gänge ein Scliaärkreuz machen , so behalten die beiden Hälf-
1 des durchsezten Gangei nicht immer ihre urpsrüiigliche Richtung bei,
idern sie verdrücken, verrücken, verwerfen sich, d. h. bei dem entstände-
| SPalt0 bat sich das ab- und losgezogene Stück Gebirge mit dem iii dem-
ben befindlichen Theile des durchsezten älteren Ganges zugleich seitwärts
Laufen viele Gänge in einem Punkt? zusammen, so nennt' man
das Rammeln. Die Mächtigkeit des Ganges nimmt dann oft aufsei*
Ordentlich zu. Durch das Fallen nach verschiedenen Weltgegenden,
oder nach derselben Weltgegend unter verschiedenen Winkeln, können
die Gänge auch Zusammenkommen, zufallende Gänge..
e . V e r h a l t e n z u m G e b i r g s - G e s t e i n e .
Sanft ansteigende Gebirge von weiter Erstreckung, in welchen eine
»fse Regelmäftigkeit der Gebirgslager . herrscht, führen gewöhnlich die
isten Gänge.
Die Gebirgsarten scheinen im Gänzen wenig auf die Gang- und Erzar-
der in denselben aufsezzenden Gänge eingewirkt zu haben, denn man trifft
den ..verschiedensten Gebirgen dieselben Gangarten a n , doch haben
hrere Gesteinsarten ihre eigenen Erzarten und zumal unterscheiden sich
rin die Ur- und Flöz - Gebirge von einander.
Dieser Unterschied rührt von den verschiedenen Zeiten ihrer
Bildung und Ausfüllung her, wobei n ich t. immer die nämlichen
Metalle ¡egenwärtig waren.
Im. Allgemeinen liegen die Gesteinslager und Schichten im Hangenden
Gänge .tiefer als im Liegenden und dies in der Regel um so mehr , je
einiger der Gang ist.
Jüngere Gebirge, welche sich über die älteren Gebilde, in denen Gänge
aufsezzen, weggelagert haben, bedecken‘häufig das Ausgehende derselben.
Doch tritt auch der Fall e in , daff ältere ’ Gebirgslager auf
einem darunter befindlichen neueren Gange aufliegen, dann muff
das aufgelagerte Gestein bereits erhärtet, das tiefer liegende Gebirge
gespalten gewesen ssyn und die Ausfüllung des Gangraumes
von der Seite statt gefunden haben. 1
Mit dem Nebengesteine gehen die Gänge Verbindungen verschiedener
; em. Entweder sind sie vom Hangenden und Liegenden durch Streifen
P geringerer oder gröfserer Breite abgesondert, deren Masse Thon is t,
oder.es trennt ein,e dürre Kluft den Gang vom/ Nebengesteine, in
Ichem Falle sich zuweilen Steinmark zwischen den Saalbändern des Ganges und
n Nebengesteine befindet, — oder die Gänge stehen mit dem Nebengesteine
¡unmittelbarem Zusammenhänge, sind angewachsen, dies sieht man zumal
nn zwischen der Gangmasse und dem Nebengesteine viel Homogeneität ob-
Itet.
So bei Quarzgängen, die in einem sehr quarzreichen Gneifse
aufsezzen.
In der Nähe der Gänge ist das Nebengestein meist etwas verändert
mehr oder weniger aufgelöst, zumal an den Punkten, wo der Gang
;e> namentlich Schwefelkies führt. Auch findet Sich das Nebengestein hin
Wieder mehr odör weniger von Erzen durchdrungen.
f. E n t s t e h u n g d e r G ä n g e .
Die Gänge sind in den Gebirgen entstandene Spalten oder Risse, welche
ng* offen gewesen , späterhin aber mit mancherlei,. von der Gebirgsmassa
r oder weniger verschiedenen, Fossilien von oben herein angeFüllt worden.
Der Entstehung jener Spalten können verschiedene Ursachen zum
Grunde liegen:
aa) Ztisammensezzen der, nach ihrer Bildung noch lockeren und
feuchten, Gesteiusmassen beim Austrocknen.'
D ie , oft «ehr gestürzte, Lage der Schichten liefert Beweise dieses
Zusammensezzens der Gebirgsroassen. Es war um so stärker, Wenn
die Anhäufungen derselben ganze Gebirgs-Gegenden und mit einander
verbundene Berge konätitiürten.
_ bb) Abziehung oder Lostreunung der Gebirgsmassen nach tieferen
Punkten.
Eine Wirkung der Schwere und der, bei Abnahme des Niveau’s
der allgemeinen Wasserbedockung verlornen, Stüzpunkte.
cc) Zusammenziehung der Gebirgsmassen durch Erd-Erschütterun-
, gen, und andere zufällige Veranlassungen, Bergstürze, BergriSse
u. s. w . .. c -
Aus der Natur mancher Gangmassen, Ausfüllungen mit Geschieben , mit
Steinsalz und Kolilen oder mit einliegenden Stücken vom Nebengesteine, aus dem
Vorhandenseyn v on Versteinerungen u. s. w. ergibt sich die vormalige Offenheit
der Gange. Es sprechen ferner dafür : das gegenseitige Verhalten derselben in
allen, seinen manniclifaltigen Verschiedenheiten, welche nur durch entsandene
neuere Spalten erklärbar sind ; das Verhalten dei- Gänge zum Gebirgs-Gesteine
und endlich die lagenförmige Struktur ihrer Massen.
\ 1 FUr f ie nicllt vollendete Ausfüllung ehemals leerer Gangräume,
bieten die in vielen Gängen vorhandenen Drüsen» welche nach ihren
verschiedenen Dimensionen oft mehrere Lachter messen und ihre
mit einem krystalünisclien Übeizuge bekleideten Wände, die Beweise
dar.
Man findet die Lage dieser Drusen ganz der des Ganges konform.
Sie kommen in der Hegel in den Punkten v o r ,' w o der Gang am
Die Gangmasse, durch welche die Spalten und die derselben durchaus
analogen Gangräume von oben herein ängefüllt wurden, ist durch Niederschlag
aus der, die Gegend jener-Spalten und. Räume bedeckenden gröfyeniheils chemischen,
Auflösung entstanden. Die Niederschläge, welche die Erzeugung der
Gangmasse zur Folge .hatten , gingen aber mit weit mehr Ruhe und Reinheit
vor sich', als die Absezzungen der Flözze und Lager. Es fanden , wie
dies der ganze Habitus derselben und namentlich die so häufig vorhandenen
Krystallisationen beweisen, nur geringe Störungen durch mechanische Niederschläge
statt. ,'
Wir treffen zwar die nämlichen Fossilien, welche ganze Gebir^s-
mässeu und einzelne Lager zusammensezzen, auch als Ausfüllungen
der Gänge, aber bei jenen 1 herrscht mehr Verschiedenheit, denn
die Spalten blieben längere Zeit offen und waren so zur Aufnahme
, verschiedenen Formationen angehöriger Fossilien geeignet.
Die hier angenommene Theorie ist die von W e r n e r aufgestellte.
Die übrigen vorhandenen Hypothesen, nach welchen man die Gänge
als in 'ih re r Gesammtheit mit dem Erdkörper zugleich erschaffen betrachtet
wissen w i l l , oder sie als Aeste und Zweige einer Ungeheuern
Masse derselben Materie ansieht, deren Stock sich im Inneren des festen
Erdkörpers be find et, ü. s.w. haben z u wenig Wahrscheinliches.
g. A l t e r d e r Gän g e.
Im Alter der Gänge herrscht eine grofte Mannichfaltigkeit uüd fast
in jedem Gebirge finden wir deren aus sehr verschiedener Zeit.
Die Konstitution der Gangmasse, mehr aber noch das Durchsezzen der
Gänge, geben die Kriterien zur Beurtheilung ihres gegenseitigen Alters ab.
Aber auch das relative Alter der Gänge gegen die Gebirgsarten ist wichtig.
Ein hohes Alter ist jenen Gängen eigen, deren Ausfüllungsmasse dem
Gesteine analog ist, aus welchem die Gebirge bestehen in denen sie
aufsezzen, desgleichen die, welche sich dutcli ihr Verwaclisenseyn
mit der Gebirgsart, durch ihr Verflöfstseyn mit dem Nebengesteine
charakterisiren. Beide wurden in sehr kurzer Frist nach der For-,
mation des Gebirges, in welchem sie aufsezzen, gebildet. Sie scheinen
theils noch vor der Erhärtung und Ausnocknung des Gebirges
entstanden zu seyn.
Auch die geringe Mächtigkeit, das Durchdrungenseyn des Nebengesteines
mit den Erzen und der Gangart,, geben Beweise für das Alter der
Gänge ab. Gänge von sehr neuem Ursprünge sind durch die Beschaffenheit
ihrer Gangmasse und ihre gröffere • Offenheit kenntlich.
Gänge, die in einem und demselben Reviere aufsezzen, sind,
yvenn sie nicht einerlei Streichen haben, meist von unglejclizeiti-
ger Entstehung.
(Die wichtigsten Verhältnisse der Gänge finden sich auf Taf. IV-
F ig . 5 , 6 und 7 bildlich dargestellt.)
B. S t o c k w e r k e.
Stücke - Gebirge und ganze' Gebirgsstriche, von mehr oder weniger wei“
ter Erstreckung, welche von einer zahllosen 'Menge sehr schwacher, nur
einen halben bis einige Zolle mächtigen, kleinen Trümmer und Gänge nach
allen Richtungen durchsezt und durchschwärmt werden, so daff das Nebengestein
vOn der Gangmasse durchdrungen ist.
Bei der meist sehr undeutlichen Schichtung des Gesteines lassen
sich die kleinen Trümmer nicht immer erkennen.