
4 . B e i U -V t « r s u c li n n g g a n z « r L ä -n 'd e r u n d
S t a a t e n:1
Da ganze Länder meist Gebirge, bergiges Land und Niederungen zugleich
umfassen, so wird sich schon darnach ihre Untersuchung abtheilen.
Noch spezieller wird man aber dann nach Flüssen und Gebkgsjochen kleinere
i Distrikte bestimmen.
• Jeder einzelne Distrikt wird nun für.sich untersucht, wie oben,schon
bemerkt ist, und zwar:
a) alle Distrikte hintereinander', welche eine Gebirgskette formiren;
. b) diejenigen, die zum bergigen Land gehören und endlich '
c) die, in welche man die Ebenen abgetheilt hat.»
Diese Di.-trikie dürfen nicht zu klein seyn , und soviel als möglich
mit den Grenzen ganzer Formationen zusammenfallen, -ddmit hei dfcr Zusammenstellung
der Arbeit weniger Grenzen zusammen zu passen und zu berichtigen
bleiben. Weil meist mehrere Geognosten zu so einet grofsen Arbeit
bestimmt sind, -so wähhr'ein -jeder diejenigen Formationen zu seiner Untersuchung
, deren Natur ihm -am bekanntesten ist.
P e t r e f a k t e n k u n d e .
Vidi ego quod fuerat quondam solidissima tellus ,
Esse fretum ; vidi factas ex aequore terras,
Et procul a pelago conchac jacuere marinar..
O v i d . Metamorph. L . X V , v. 262 sq.
I I I . Regeln j-ür den dritten Zweck..-’"
Bei merkantilistlien und ökonomischen Untersuchungen, kpmmt e’s'j,
wissenschaftliche Genauigkeit eben nicht an. Man darf hier den nHher
Zweck'nie aus den-Augen- verlieren. Wenn inm - aber ■ z. B. Steinkohlen
oder Braunkohlen - Lager untersucht werden sollten, -ob sie vorhanden sind
ob sie bauwürdig; sind und wie der Bau einzurichten s e i, so kommt tni
mit-einer blöß- geognostischeu Untersuchung nicht weg. Diese lehrt z. |
blofs das Ausgehende der Lager und dessen Beschaffenheit auf diesem Punl,
kennen , was aber'hierbei nicht hinlänglich , is t ., Der Geognost mufs das
zugleich verstehen bergmännische Versuchs - Arbeiten anstellen ®u hissen; ,
diesen gehört:
i ) das Bohren grofser Bohrlöcher,
' 2) das Schürfen , besonders auf Gänge ,
3 ) der Betrieb kleiner Versuchstollen, ‘
4 ) das' Ucberschaaren. , .
Darüber aber miifs man sich aus der Bergbaukunde unterrichten. D;
Geognost unterstiizt hier blofs den Bergmann, dem '"häufig geognostisdt
Kenntnisse abgehen.
B e s t i m m u n g .
oisilien, welche in ihrer Form organischen Körpern oder Gebilden glei-
;en und diesen die Entstehung ihrer Umrisse verdanken, sind V e r e
in e r u n g e n oder P e t r e f a k t e n ( P e t r e f a c t a , P e t r i f i c a ta ,
„ p id e s J i g u r a t i , L a p . i'd iom o r p hi:") — Die Untersuchung der-
Iben in vielfacher Hinsicht ist der Gegenstand der P e t r e f a k t e n k u n d e .
In der Oryktognosie kommt blos die Form der Versteinerungen
in Betracht und sie werden dort als f r e m d a r t i g e ä u f s e r e
G e s t a l t e n aufgefiihrt. (Vergl. S. 48.)
Z w e c k . W i c h t i g k e i t .
Die Petrefaktenkunde gehört weder allein der Oryktognosie, noch
ein. der ' Geognosie an, sondern sie bildet eipen eigentümlichen Zweig
r Mineralogie. Die wichtigste und anziehendste Tendenz dieser Doktrin
indefs bei weitem die geologische. Die Versteinerungen sind die spre-
endsten, glaubwürdigsten, untrüglichsten Urkunden und Zeugen für jene
oben Erd-Umwälzungen sowie für die frühesten Thier- und Pflanzenwel-
i, Der Einfluß der Petrefaktenkunde auf die Geschichte der Erdbildung
in der That höchst wichtig und die wissenschaftliche Untersuchung der
rsteinerungen gewährt in dieser Hinsicht eben soviel Vergnügen als sie
genreich ist. Die Versteinerungen verbreiten —- als eigentümliche Arten,
ich ihre Beschaffenheit und Vorkommen — Aufklärung Uber die zu einer
rmation gehörigen Gebirgslager, über die Perioden ihrer Bildung, mithin
er das relative Alter der Gebirgsschicliten und über ihre Entstehungsart.
ese Reste organischer Geschöpfe, die Epochen der Bildungs - Geschichte un-
w Planeten ^erläuternd, begründen Schlüsse auf das Klima der Vorwelt,
f die Bevölkerungszeit der Erdoberfläche mit organischen Wesen, und auf
! eigentümliche Natur derselben. Eindringendes, anhaltendes Forschen in
p Versteinerungskunde wird um. so bedeutender und versprechender , da
clu Petrefakten ausschließliches Eige.nthum bestimmter Gebirgsarten zu seyn
leinen , mithin- für sie .charakteristisch sind.
H fi 1 f s m i t t e 1.
Gründliches - Studium der Petrefakten verlangt- Kenntnisse in den übrigen
teilen der N a t u r g e s c h i c h t e — besonders in der Koncliyliologie und
Hairik — sowie in der v e r g l e i c h e n d e n A n a t om i e . Hierher gehöre
S a m m lu n g e n -— von Konchylien, Pflanzen, Thierskeletten u. s., w.
[ sind ebenfalls sehr wichtig und n otwend ig bei der Vergleichung und
stiaimung.
e r i o d e n i n d e r G e s c h i c h t e d e r P e *
t r e f a k t e n k u n d c .
Obgleich in früheren Zeiten der Abschnitt von den. Versteinerungen den
•rxüglichsten der damaligen Mineralogie ausmachte, so entartete doch wäh-
n<i dieser Periode die Naturgeschichte der Petrefakten häuiig nur in ein un-
ichtbares Spiel w e ik , in ein Sammlen und Anstaunen auffallender Formen,
«ugt durch den Hang am Wunderbaren und zum großen Theile auch am
iigiösen Fanatismus. Der Erweis der Mosaischen Sündfluth war oft der
■zige Zweck und in den Versteinerungen sähe man nur Denkmale von
eser* Auch jezt noch ist die Liebhaberei an Petrefakten bei vielen eine
aliro Kuriositäten - Krämerei. Einen höheren Standpunkt erhielt die Petre-
‘tenkunde in neueren Zeiten, zumal durch P a l l a » , C a m p e r , M e r c k ,
-cm enbach , C u v ie r , F o r t is , 4 R o s e nm ü l l e r ,. F i s c h e r , S o h l o t h e im ,
•mmerrino , F a u j a s - S t . - F on d , L a m a r c k , P a r k in s o n , B r o c c h i u . s . w .
^msn ba ch war der erste, welcher, den ungemein fruchtbaren Gedanken
*e > die Petrefaktenkunde mit der Geologie-in engere Verbindung zu brin-
n und durch diese Gemeinschaft eine genauere Bestimmung des relativen
^ir8 der verschiedenen v Schichten der Erde zu gewinnen, eben dadurch
aber den Untersuchungen über di« Versteinerungen ein erbabeneres Interesse
und ihren vorzüglichsten Werth zu verschaffen.
(In Hinsicht der hierher gehörigen Schriften vergleiche, die Literatur).'^..'
V e r s t e i n e r u n g s g r a d e . V e r s t e i n e r
u n g s m i t t e 1.
Nachdem die ältesten (Ur-) Gebirge entstanden waren und s ie t schon
Thiere und Pflanzen gebildet hatten, erlitten diese bei den folgenden Katastrophen
der Erde und bei der Formation der jüngern Gobirgsarten verschiedene
Veränderungen. Sie wurden ganz zerstört oder man trifft noch Reste
und Spuren von ihnen an. Diese erscheinen :,
1. Fast u n v e r ä n d e r t in ihrem Aeufsern. Dies konnte indefs
nur bei dep ohnedieß schon im Leben. der Thiere steinartigen Gehäusen
statt finden. Solche fossile Koiicliylien. zeigen noch ihre n a-
t ü r l i c h o S c h a a l e , Perlmutterglanz, zuweilen noch alle Far-,
ben, wie die noch in den Meeren befindlichen Original«. , (S a
der Nautilus Pompilius, der zu Courtagnon, Grignon, Cliaumopt fossil
vorkommt. Er hat alle die schönen irisirendep Farben seiner-
vollkommenen Schaalo erhalten). — Zuweilen finden sich Knochen,
großer Landthiere beinahe unverändert unter der Dammerde. ' Die
weichem Theile wurden, durch die Fäuluifs zerstört. ' Höchst selten
werden auch, noch von ihnen Spuren bemerkt, wie z. B. an dem im
J. 1771 am Willhui im kältesten Theile von Sibérien, am Fuße eines
Hügels, in dem dort in der Tiefe stets gefrorneu Boden entdeckten
Rhinozeros. Es hatte, noch riechende Ueberreste von Fleuch,
Haut, Haaren, Fett u. s. w.
2. K a l z in i r t » - -Viele fossile Knochen und Konchylien werden zwar
verändert, aber nicht eigentlich versteinert gefunden. Die Kalzination
betrifft nur die festen Theile der Thiere, das Verwesliche ging za
Grund. Knochen und Konchylien büßten ihren thierischen Leim ein/
statt dessen wurden sie von -Kalksinter oder Mergel durchzogen. '—
Meist sind solche Knochen und Muschelschaalen porös, mürb und
leicht, oft übersintert, inkrustirt. . Sie finden «ich am häufigsten in
ganz jungem Flözkalke, im aufgeschwemmten Lande, im Sinter der
BerghöhlenKlüften u. s. w .
3. Als w a h r e P e t r e f a k t e n . '— Sie: sind ganz in Stein übergegangen
und besizzen J>loß noch die Form von dem, was sie ehemals
Waren.
Das V e r a t e in e r u n g sm i^ t e l selbst ist entweder oine S t e in «
a r t und, dann bald Kalkstein (am häufigsten), bald Sandstein•
bald Schieferthon, bald bituminöser Mergelschiefer| fyald Hornstein
Opal, Feuerstein (Echiniten, - Milleporiten) , Jaspis n. 8. w . Seltene
Versteinerungsmittel sind hier schtüefelsaurer Strontian ( wie 'die Ko-
ralliolithen am Monte -Viale im Vizeritinischen und die Ammoniten
in Mergellagçrn der Baierischen Herrschaft Banz),« Flufs (die wenig
bekannten, durch violblauon späthigen Flufs versteinerten, Entrochi-
. ten aus Derbyfhire) und Meerschaum (die schönen ganz versteinerten
Heliziten im Meerschäume von Valecas bei J)iädrit, wie’ uns eine
eben, angelangte Suite dortiger Fossilien zeigt). — Oder das Versteinerungsmittel
ist ein v e r b r e n n l i c l i e s ‘Mineral, die Petrefakten sind
davon durchdrungen oder umgeben, von Bitumen, Bernstein —- oder
das Mittel zur Versteinerung ist ein M e t a l l , Schwefelkies Fahl-
,erz u. s. w . Das Peirefakt heißt dann z n e t a l l i s i r t v e r k
i e s t . So .viele Ammoniten, Echiniten, Orthozeratiten u._ s. w
S t e i n k e r n e. S p n r e n s t e i n e.
Viele Thiergehäuse wurden von der noch weichen Versteinerungsmasse
angefüllt, welche nach dem Verhärten die völlige Gestalt des Innern der
D d d