
194 Vorbereitender Theil der Oryktognosie.
Flözkalk - Gebirge stofsen, das auf den Porphyr und Sandstein C
- aufgelagert ist. In der Richtung a b aber wird man z. B. in g
zuerst auf Saudstein kommen, '«welcher Über dem Porphyre liegt ,
in f aber wieder auf Porphyr gelangen. Dadurch überzeugt
man sich, dafs es in der Gegend ein auf Porphyr gelagertes
Sandstein - Gebirge geben mufs, welches
b. als Beispiel dienen kann für den Fall, wenn man die Erstrek-
kung einer Gebirgsart kennen lernen w i l l , die kein ^geschichtetes ,
Grundgebirge hat. Dann kann man sich mir durch das Bereisen
der äufsern Grenzlinie helfen, wie dies die dritte Regel lehren
wird.
3 ) W i e b e s t im m t m ap d i e G r e n z e n d e r G e b i r g s ar t « n ,
d i e v o n ä n d e r n u m l a g e r t , o d e r auf. d i e s e n a b g e b r o c
h e n ü b e r g r e i f e n d g e l a g e r t , s in d ? Es sei z. ,B. in Figur
10. Taf. IV. die mit roth bezeiclinete Gebirgsart eine unter dem braun
angegebenen Gneifs - Gebirge her vorstehende Granitkuppe. Sowie
jenes um den Granit, so ist das blaue Schiefer - Gebirge ,um den
Gneifs mantelförmig herunjgelagert und das violblau angegebene Sandstein
- Gebirge übergreifend und abgebrochen auf Gneifs und. Schiefer
-gelagert. I Sollten. nun, die Grenzen des Granit - Gebirges bestimme
werden, so würde man eine Sehr mühselige und unsichere Methode
einschlagen, wenn man, zumal in einer bebauten Gegend, unmittelbar
auf der Grenze fortgehen und so ihre Biegungen bestimmen wollte.
Man wende in diesem Falle die Ü b e r k r e u z u n g s -M e t h o d e an.
Wenn man', z.. B. in Punkt a die Auflagerung von Gneifs auf Granit
beobachtet hat und der Gneifs daselbst gegen ¡NO» einschiefst, so
gehe man in der entgegengesezten Richtung nach SW. über die ganze
Granitkuppe hinweg , bis man z. ß-, in b den cntblofsten. Gneifs wieder
antrifft, dessen Scliichten gegen W. oder SW. einfallen. Nunmehr
weifs man, dafs zwischen a ynd b ein b entgegengesezter
Greuzpunkt des Granits fallen mufs. Gesezt, es wäre nun bei d ein
Punkt bekannt, wo Granit anstoht, so würde nxfcn einen Gang in
der Richtung a d bis e vornehmen, wo man sich-durch die nord-
- westliche Schichtung des Gneifses überzeugen kann, dafs man auf der
Nordwestseite der 'Granitkuppe sich befindet. Durch diese Tour hat
man einen noch anbekannten Grtnzpunkt des Granits in d gefunden
und kann nun die Breiten -Dimension des Granits durch eine Tour
von e nach f ' erfahren, indem sifch g und h als Grenzpünkte - dieser
Gebirgsart zeigen. Man kann-nun schon ungefähr die Grenzlinie von.
- h ans durch a und g bis d ziehen und es bleibt blofs noch übrig
von f nach b zu gehen, um den Punkt i zu bestimmen.
Gesezt mau hätte nun ferner beim Bereisen der westlichen Grenze
des Gneifs - Gebirges bei 1 bemerkt, dafs daselbst Sandstein auf Gneifs
und Schiefer aufliege und in 2 ebenfalls Sandstein anstfelie und man
wollte dio Grenzen des Sandstein - Gebirges bestimmen, so müfste
man eine andere N ä h e r u n g s -M e th o d e einschlagen. Man würde
z. B.. von 1 in der Richtung gegen 2 bis 3 fortgehen, und ‘sich sö-
j dann wieder nach einem bekannten Punkte y des Gneifs - Gebirges
wenden, um den Grenzpunkt w zwischen beiden Gebirgsarten - zu bestimmen.
Zwischen y und 3 müfs n u n ' nothwendig noch ein Grenzpunkt
liegen, gesezt man fände ihn in w , wenn'man zuvor auf
einer Tour von Z nach 4 in v eine Auflagerung des Sandsteins auf
Gneifs beobachtet hätte, so wäre man überzeugt, dafs die äufsere
Grenzlinie des Sandsteins zwischen y und v ' einen bedeutenden Einbug
machen mufs, den man dann'durch kleinere Überkreuzungs-Touren
noch genauer besti,mmen kann, wenn die Untersuchung sehr speziell
ist u. s. w.
4) W i e m u f s m a n a u f g e o g n o S t i s ch e 11 R e i s e n d i e B e l
e g s t ü c k e zu d e n B e o b a c h t u n g e n s am m e ln ? — Es würde
' sehr unnöthig seyn von jedem Punkte, in welchem man das Gebirge
beobachtet .h a t, auch ein Stück der Gebirgsart mitzuuehmen.
Dergleichen -Sammlungen während der Reise können nur so eingerichtet
werden , daTs man von jeder Gebirgsart und ihren IlauptabänSerungen,
sowie von den Lager - Gesteinen Proben mitnimmt und
sie nach der Reihe so ordnet, wie man sie gesammelt hat und ihre
Fundorte genau anmerkt. Finden. Übergänge zwischen zwei Gebirgsarten
statt, so mufs man von diesen allerdings sorgfältige Suiten
sich verschaffen. Alle solche Sammlungen dienen dazu bei Anfertigung
der aus den Reisejourhalen gezogenen systematischen Gebirgs.
Beschreibungen die Schilderung der Gebirgsarten sorgfältig ferti»tn
zu können, denn wenn man das .Gestein von jedem einzelnen Punkt«
beschreibt, so wird man nie zu einer allgemeinen Ansicht einer Ge.
birgsart gelangen.
5) W i e s o l l m a n 'd i e g eo g n o s t i s ch en R e is e } o u r n a le
r e n ? — Schon der Name zeigt die allgemeine Einrichtung an. Mj
bemerkt darin: a) die Richtung der Tour Von einem festen 'PunkJ
zum ändern; b) das äufsere Anselm des Gebirges) c) die/ Stellen, wo mJ
anstehendes Gestein getroffen hat und an jedem derselben hat mag
wieder zu bestimmen : aa) die Gebirgsart; bb) die Schichtung; ec) i)j|
Zerklüftung des Gesteins und seine Absonderungen; d) die Beobaohtun
gen an. den künstlichen - Entblöfsungen; e) Ilöhenniessiingen Un,
Beobachtungen Uber die Vegetation; f) vorzüglich die Beschaffen}^
■der angetroffeuen Auflagerungsflächen; g) endlich andere zufällig vot
kommende interessante Erscheinungen.
45) W i e s i n d d i e m i n e r a l o g i s ch - g e o g r ap h i s ch e n Bt
S c h r e ib u n g e n g r ö f s e r e r u n d k l e i n e r e r D i s t r i k t e aÜ
z u f a s s e n ? Dafs diese aus den Reisejournalen gezogen werden, va
stellt sich von selbst. Sie können nach dem. Zwecke, den man 1*
ihrer Ausarbeitung hat, etwas verschieden seyn , denn bei meikani
lisclien Untersuchungen .nimmt, man nicht auf alle geognostische w
liältnisse Rücksicht; bei* Beschreibungen zur Uebung wird nt
auch mindevbedeutende Umstände erwähnen, -um , sich an 5
'-treue. Darstellungen zu gewöhnen. Bei wissenschaftlichen, krii
sehen Untersuchungen hingegen njufs man den Beschreibung!
eine gedrängte aber helle1 Kürze geben. Demnach werden sie i
Ganzen folgende Punkte enthalten: eine Darstelluug der Gebird
Oberfläche; eine historische Aufstellung der Beobachtungen selb
(freilich nicht journalmäfsig., . sondern systematisch geordnet); 4
aus den Beobachtungen gezogenen ,' einzelnen Folgerungen u;
zulezt das .Endresultat der ganzen Untersuchung.
7) W i e s o l l man j p e t r o g r a p h i s c h e K a r t e n u n d Prot
r i s s e a u f n e h m e n , z e ic h n .e 'u u n d / b e n u z z e n ? •— D,
petrographischen. Karten müssen:
a. nach den'genauesten geographischen Karten gezeichnet ¡werdl
die man von einer Gegend besizt.
b. Die Form und Verflachung der Gebirge müssen nach den Ei
geln der Situations--Zeichnung aüfgetragen werden.
c. Die b e rg -un d , hüttenmännischen Objekte als Graben Gänj
Lager, Hütten, Metall-Fabriken werden mit chemischen-Zeick
bemerkt.
d. Jede. Gebirgsart, oder wenigstens jede Formation , wird mit«
ner bosondern Farbe aüfgetragen und die aufgelagerte da, wo s
an das^Grund - Gebirge anstöfst, mit einer etwas dunklem bis
von derselben Farbe bezeichnet.
Auf speziellen Karten darF auch die Angabe der,Gebiß»
lager nicht fehlen. Unbedeutende Lager von aufgeschwen11“1''
Lande werden höchstens durch ein Zeichen bemerkt.
e. Bei der Aufnahme mufs man zuvor die politischen oder nit“1
liehen Grenzen der Untersuchung bestimmt haben.
£. Ein gutes Anhalten beim Beobachten und Fertigen der Karten 2
ben weit fortsezzende Lager und Flözze, die man daher beio
ders aufzusuclicu und ihre Richtung aufzunehmen hat.
Z. B. U rk a lk -, U rtrap p-, Kieselschiefer-, bituminöser Mergelst
f e r - , Steink ohlen - und Eisenstein - Flözze.
. g. Sowie .man jeden Abend während der Reise die , aufgezeicluie'
Bemerkungen ins Journal einfübrt, 'ebenso, trägt man die unn
suchten Gebirgs - Grenzen, Lager und- Flözze mit ihren Streic
Fallen, Verrückungen u. s. w . auf einem Brouiliop |jp:
jf auf, doch nuP mit Bleistift, um begangene Fehler verbessern
können. Dadurch entsteht ein ßerUste, das man leicht ausfid
XXX. Das Bereisen der Gebirge. 195
kann. Man bekommt täglich eirf deutliches Bild des Untersuch- j
ten und weifs worauf'man an jedem folgenden Tage Rücksicht
nehmen mufs.
b. Die gefundenen Streichung« -Linien und das Fallen der Schich-
i ten bemerkt man durch das Zeichen •jr'’’ , wobei der Pfeil desto
länger gemacht w ird , je flächer das Fallen ist. Horizontal
liegende Schichten macht man durch , senkrechte aber
- durch | kenntlich.
i. Die Gebirgs- Verschiebungen oder Verrückungei
sonders genau untersucht und aufgezeichnet zu w«
verdienen be-
rden.-'
kr Auf der Karte werden entweder die Längen -, und Breitengrade
durch Linien angedeutet, oder blofs die Maguet- und Mittagslinie
angemerkt..
1. Die Gebirgs-Durchschnitte zeichnet man am besten nach demselben
Mäfsstabc ? ajs die Karten , wenigstens diehorizontalen
Entfernungen , wenn man auch die Höhe der, durchschnittenen
Gebirge nach einem gvöfseren Mafsstabe aufträgt.
m.. Die Durchschnitts - Linie mufs man so legen, dafs sie ziemlich
alle Lagerungs - Ganze und zwar soviel als möglich rechtwink-
licli durchschneidet. Zum tiefsten Ankaltungs-Puiikie des Durchschnittes.
Wählt man entweder die Meeresfläche, oder das tiefste
Hauptthal, und bestimmt die höchsten Punkte über demselben im
Durchschnitte durch Messungen; die zwischenliegenden schäzü
man ungefähr.
n. Wenn man nun die Durchschnitts-Linie auf die Karte gezogen
hat, so trägt man die horizontalen Entfernungen der Gesteinwech-
sel auf die Horizontal-Linie des Durchschnitts - Risses, errichtet
in" diesen Punkten Scheidelinien, worauf-man die gefundenen
und taxirten Höhen bezeichnet,, zieht sodann durch diese Punkte
die Oberflächen - Linie des Gebirgs, bemerkt bei jeder Gebirgsart
ihren Fallwinkel, zieht von den Tage-Punkten die schiefen Linien
gegen die Basis herab und gibt dann die Gebirgs - Lager
mit denselben Farben als auf der Karte an!
Ueber die petrographischen Karten und ihre Verfertigung ist nachzulesen
S c hm id t in .L e o n h a r d ’* mineralogischem Taschenbuche VII. Jahrgang.
S. 395;
I I . R e g e ln f ü r d en zw e iten Zw e c k .
Wenn ein geübter Geognost eine Formation seiner. Untersuchung unter-
ft, um ihre Verhältnisse wissenschaftlich zu entwickeln, so ist:
a. Der Hauptgegenst&nd die L a g e r u n g . Er wird deshalb
aa. das -Verliältnifs der Formation zum Liegenden (Grundgebirge)
lind dann
bb. zum Hangenden (Deckgebirge) zu entwickeln haben.
Bei diesen Untersuchungen treten die in dem vorigen Abschnitte unter
2 , 3 und 4 aufgestellten Regeln ein.
b. Ein anderer wichtiger Gegenstand ist dio Untersuchung der in n e r n
N a tu r d e r ,F o rm a t io ’n :
aa. ob sie einfach oder zusammengesezt ist?
bb. wie viel und welche Gebirgsschichten dazu gehören ?
cc. ihre Massen - Abspnderung;
dd. ihre Gestein - Struktur';
ee. ihre Übergänge;
ff. -ihre Erzführung;
gg. ihre Haiiptcharaktere, wodurch
ti'oiicn unterscheidet.
sich ändern Formaner
solchen Untersuchung und ihres Ganges S.
¡tische Fragmente, den Abschnitt : über die Sye-
2, B e i U n i
d i s t r i k t e .
Hierbei hat man zu bestimmen :
a) die künstlichen oder natürlichen Grenzen des Distrikls;
b) den Lftpf der Flüsse;
c) die1'höchsten Punkte, .besonders zur Orlentirung;
. d) die Lage, und Ausdehnung der ältesten Gebirgsart;
e) die relative Altersfölge der übrigen;
f) die Verbreitung und Grenzeji jeder Formation nach den oben
entwickelten Regeln.
Als gelungene Untersuchungen dieser Art. S. 1) das bergige
Land des Allgaus geognostisch betrachtet" v on U t t i n g e h in L e o n -
h a b b ’s min. Taschenb. Bd. VI. p. 152. und Bd. VII. p. 341. 2 ) von
H o fe ’s Beschreibung des Thonscbiefer- und Grauwacken-Gebirges im
Thüringer und Frankenwalde in L e o n h a r d ’s min. Taschenb. Bd. VII.
p., 135. und des altern Flö z - Gebirges im Thüringer Walde Bd. VIII.
p. 5.1.9." / '
> r s u c h u u g g i
k e t t e n .
Die Arbeit zerfällt in folgende Theile:
a) in die Bestimmung der äufsern Oberflächen- und Struktur-Verhältnisse
;
b) in die Bestimmung der Höhen über der Meeresfläche und über
dem Spiegel der Hauptflüsse, durch barometrisch? Messungen;
c) in eine allgemeine, flüchtige Durchreise durch das ganze Gebirge
um ein ganzes Bild davon zu erhalten;
d) in eine vorläufige Untersuchung der Hauptthäler von ihrem Ursprünge
bis zum Austritte.
Durch die beiden lezten Arbeiten wird man dann in Stand
gesezt, den Gang der folgenden Untersuchungen zu bestimmen
und gewisse Abteilungen des Gebirges zu machen, weil man
nie das Ganze zugleich bereisen kann.
e) In eine spezielle Untersuchu:
man mit der ältesten anfängt 1
der einzelnen Formationen, wo
1 mit der jüngsten schliefst.
Um ein Bild einer solchen gut geführten Untersuchung zu erhalten
, lese man: Heim’s geologische Beschreibung des Thüringer
Waldgebirges.
Man mag ganze Gebirge oder ganze Länder untersuchen, so
werden immer einzelne Distrikte für sich geprüft. Die darüber
entworfenen petrographischen Karten müssen am Ende zusamniengestellt
und einander angepafst werden. Da nun leicht ein Iir-
tlium an den Grenzen der Distrikte eiutreten kann, besonders wenn
mehrere Zusammenarbeiten, so werden an solchen Punkten, yvo
man 'Differenzen zwischen zwei benachbarten Distrikten antrifft,
nochmalige Revisionen dieser Grenzen um so mehr nötln«?,
weil duicli eine willkiihrliche Ausgleichung die gröfsten Fehler
herbeigeluhrt werden können.