
Karawane zu trennen und direkt nach Rhadames zu gehen,
was mir freistand, da ich nicht vom Karawanenführer, sondern
von Si Ottmann gemiethet hatte, der mir seine beiden
Vettern mit dem Befehle zugesellt hatte, jeden meiner Wünsche
bezüglich des Weges zu erfüllen,-5so dass ich schon von
Ain-Salah aus den Weg nach Temassanin hätte einschlagen
können, wenn ich es gewollt hätte. Da es aber sicherer ist,
mit einer grossen Karawane zu reisen, so hatte ich beim
Aufbruch von Ain-Salah nichts gegen den Weg über Abiod
einzuwenden, zumal es der nähere ist. Andererseits kam der
Karawanenführer zu mir und sagte, dass es zwar einige Tage
ausserhalb unseres Weges sei (ich wusste das recht gut aus
meiner kleinen Karte), dass wir dort indess ausgezeichnetes
Trinkwasser träfen und ich ausserdem dort Mehl würde
kaufen können. Dies bestimmte mich, den Tuatern nicht
nachzugeben, sondern ich erklärte, dahin zu gehen, wohin der
Karawanenführer ginge. Damit hatte der Streit ein Ende,
denn die Tuater konnten sich nicht vom Karawanenführer
trennen, obwohl sie alle auf ihn und mich zornig waren, dass
sie nun noch einige Tage mehr bis Rhadames zu marschiren
hätten. Wir setzten uns daher noch an demselben Abend
um 5 V2 Uhr in Bewegung in Südost-Richtung, lagerten jedoch
schon um 7 Uhr am Areg. Es war dieser Nachtmarsch bloss
eine Weideplatz-Veränderung gewesen, obgleich auch am alten
Platz Futter genug vorhanden war.
Am 14. November brachen wir um 8% Uhr auf und
bald darauf den Areg verlassend setzten wir unseren Weg
in der Richtung von 120° fort. Um 9 '/2 Uhr erreichen wir
den auf uns zukommenden l’Ued Tiginkurt, der dann nach
Osten umbiegt. Er ist es wahrscheinlich, der sein Wasser
unter die Sanddünen Abiod’s sendet und sich dann in den
Irharhar wirft. Wir sind den ganzen Tag auf einer ziemlich
hohen Hammada, die jedoch nicht Tanesruft genannt wird,
wie man auf Französischen Karten findet, sondern ohne besonderen
Namen ist. Um 5 Uhr Abends erreichten wir das
hohe linke Ufer des Irharhar und die letzte Abenddämmerung
erlaubte mir, noch schnell einen Ueberblick von diesem grossartigen
Thal zu gewinnen, das eine Länge von weit über
500 Kilometer bei einer Breite von meist 20 bis 50 Kilometer
hat. Dies Thal oder l’Ued ist denn auch in der That so bedeutend,
dass die Eingebornen es schlechtweg mit dem Namen
„Strom“ bezeichnet haben, denn „Irharhar“ heisst Strom
oder Fluss. Von diesem hohen Ufer sahen wir in gerader
östlicher Richtung, jedoch in bedeutender Entfernung, den
von Temassanin südlich befindlichen Areg Namens Bir. Da
es schon anfing zu dunkeln, hatten wir grosse Schwierigkeit,
das hohe Ufer hinabzusteigen, gelangten indess ohne Unfall
ins Bett hinunter. Mittlerweile war es aber so dunkel geworden
, dass wir nur schwer einen guten Weideplatz auffinden
konnten, ohne uns zu weit von der Route zu entfernen.
Endlich um 6'/2 Uhr konnten wir uns lagern.
Ich habe, vergessen anzuführen, dass dort, wo wir in
den Irharhar hinabstiegen, das Ufer Djebel Araraun genannt
wird. Am folgenden Tag brechen wir ungewöhnlich früh auf,
nämlich um 6% Uhr, in der Richtung von 120°, wie am
vorigen Tage. Wir durchziehen den majestätischen l’Ued
und erreichen um 9 Uhr den Djebel Ikebran, wie das rechte
Ufer an dieser Stelle genannt wird. Den Djebel selbst jedoch
liessen wir rechts liegen, weil dort kein bequemer Aufgang
für die Kameele war. Um 10 Uhr langen wir oben an und
haben vor uns eine mit weissen Kalksteinen bedeckte Hammada,
endlos nach Süden zu, wo sie mit dem Himmel zu
verschwimmen scheint. Um 1 Uhr erreichen wir die Dünen
und halten von hier an gerade Ostrichtung. Wir überschreiten
eine Partie der Sanddünen und lassen sie dann dicht von
uns südlich liegen, während wir links im Norden das etwa
100 Fuss hohe Ufer der Hammada Tansruft haben. So vom
Areg einerseits, von der Tansruft andererseits eingeschlossen
könnte man sich in einem l’Ued glauben und es ist auch
möglich, dass die Gewässer von Temassanin, die jedenfalls