
Der typischen Form am nächsten kommt die in Fig. 3a dargestelltb Varietät, die stärker
papillös und dünner ist, etwa als varietas rugosa zu unterscheiden.
Differenter ist die Gestalt der varietas massalis (Fig. 3 b): unregelmässig klumpig, mit grossen
Oskula und einer stark papillösen Area, während die Oberfläche oben und unten glatt ist.
Hierher dürfte auch eine Form von den Liu-kiu-Inseln gehören, die mit schwachen Papillen
besetzt und nach oben zusammengedrückt, unten verbreitert ist; an einem Ende des Firstes befindet
sich eine ziemlich geräumige Höhlung, die mir aber nicht den Eindruck einer Kloake macht. Die
Form sei als varietas amamensis bezeichnet.
Die Skelettelemente sind bei all diesen Formen wenig verschieden.
I . M e g a s c l e r e .
Die Style sind häufig am stumpfen Ende schwach verdickt, sodass sie ein undeutliches ovales
Köpfchen bilden, häufig ohne jede Verdickung (Taf. 8, Fig. 19 a, b). Nicht selten sind hier unregel-
mässige Anschwellungen. Als abnorme Bildung sind verkürzte und beiderseits abgerundete Spicula
(Strongyle), sowie solche mit einer Anschwellung gegen die Mitte hin zu bezeichnen (Fig. 19a). Die
Länge der Nadeln schwankt meist zwischen 0,35 und 0,55 mm, die der var. massalis sind im ganzen
etwas kürzer als gewöhnlich.
II. M icrosclere.
Die Spiraster (Fig. 19 c, d) sind meist ziemlich gestreckte Stäbe von etwa 8—10 p Stärke
und 40 p Länge, manchmal kürzer und dicker oder länger und dünner, mit verschieden zahlreichen
Zacken besetzt. Von einer kleineren Form, die ich gelegentlich gesehen habe (Fig. 19 c und d) kann
ich nicht angeben, ob sie als Jugendform oder als eigene Ausbildungsart anzusehn sind; diese Gebilde
haben gewöhnlich rundliche Knötchen und sind Stäbchen von 10—20 p Länge.
Mit Ausnahme der var. amamensis, welche von Amami-Oshima herstammt, sind die sämtlichen
Exemplare der Art von Döderlein aus der Gegend von Enoshima mitgebracht.
Gattung A m o r p h i l l a n. g.
Bowerbanks Gattungsname Hymeniacidon ist von Ridley und Dendy für die typische Art:
caruncula (Bowerbank) beibehalten worden; Topsent hat dann verschiedene Bowerbanksche Arten
in dieser Gattung gelassen, wie z. B. sanguinea (Grant),1) die von der typischen Art nicht unerheblich
verschieden sind, die aber einigen Stücken der japanischen Sammlung so ähnlich sind, dass sie
vermutlich zu derselben Gattung gehören. R idley und Dendy (Challenger-Monaxonida, p. 167)
geben von Hymeniacidon caruncula (Bwbk.) an, dass hornige Substanz reichlich entwickelt ist, was für
die mir vorliegenden Arten im ganzen nicht zutrifft, indessen verhalten sich diese nicht ganz gleich,
denn bei einer derselben waren die Spicula durch deutlich wahrnehmbare Sponginsubstanz verbunden.
Sicherlich finde ich keinen Grund, diese Formen zu den Axinelliden zu stellen, bei denen sowohl
Ridley und Dendy, als auch neuerdings Topsent die Gattung Hymeniacidon unterbringen. So
dürfte es am zweckmässigsten sein, für diese Gruppe einen Gattungsnamen, etwa Amorphilla, zu schaffen.
Den Arten dieser Gattung ist die Ausstattung mit zahlreichen, meist auf deutlichen Erhebungen
9 Neuerdings freilich nennt T o p s e n t (Mémoires Soc. zool. France, v. 9, p. 127) als französische Hymeniacidon-
Arten nnr caruncula und „aureus“ (Mont.), daraus ist zu entnehmen, dass er Hymeniacidon sanguinea nicht mehr dalifn
stellt, leider hat er nicht mitgeteilt, wo er diese Art unterbringen will.
gelegenen Oskula gemeinsam, wodurch die Arten zum Teil grosse Ähnlichkeit mit Halichondrien und
JRenieren erhalten; bei allen besteht das Skelett aus ziemlich kleinen Stylen, die hin und wieder Andeutungen
einer knopfförmigen Anschwellung am stumpfen Ende zeigen und die hin und wieder zu
undeutlichen Zügen senkrecht zur Oberfläche, häufig aber ganz unregelmässig angeordnet sind, die
Oberhaut erhält durch zahlreiche, unregelmässig geordnete Spicula eine grössere Festigkeit.
Ob alle japanischen Arten von den englischen verschieden sind, ist mir nicht ganz zweifellos,
namentlich scheint die eine mit der schon angeführten Hymeniacidon sanguinea (Grant) ziemlich ähnlich
zu sein; es ist schwierig, ohne die alten Formen gesehn zu haben und ohne die Farbe der vorliegenden
zu kennen, darüber zu entscheiden. Da ich noch nicht die Überzeugung von der Identität
der Arten gewinnen konnte, so will ich einstweilen auch der zweifelhaften Form einen Speziesnamen
geben, es ist halichondroides. Die übrigen Arten sind trotz der ähnlichen Skelettteile ohne Bedenken
zu unterscheiden, am differentesten erscheint mir yenicillata.
Amorphilla halichondroid.es n. sp.
(Taf. 2, Fig. 6 und Taf. 8, Fig. 20.)
Eine beträchtliche Anzahl von konservierten Exemplaren, die freilich alle nur mehr oder
weniger grosse Bruchstücke sind, zeichnet sich durch zahlreiche grössere und kleinere Oskula, die
von einem erhabenen Rande umgeben sind, aus, während die übrige Oberfläche von zahlreichen, sehr
deutlichen Poren durchsetzt ist (Fig. 6, Taf. 2), wodurch sie ein runzliges Aussehn erhält. Die Farbe
der konservierten Stücke ist hellbräunlich; die Höhe derselben beträgt im Maximum 3 cm, häufig
etwas weniger.
Das Skelett besteht aus Stylen (Taf. 8, Fig. 20), die in der Regel etwas gebogen und
meistens 0,3—0,35 mm lang und 7 p dick sind, doch fehlen auch kleinere nicht.
Die Stücke tragen keine bestimmte Fundortsangabe, sie sind von Hilgendorf mitgebracht.1)
Amorphilla renieriformis n. sp.
(Taf. 2, Fig. 7 und Taf. 8, Fig. 21.)
Eine 6 mm starke Kruste von 7,5 cm Länge unterscheidet sich von der vorigen Art durch
die Form der Oskula, deren Ränder unregelmässig papillös sind, wodurch sie häufig sternförmig erscheinen,
auch sind die Poren feiner.
Die Style sind gewöhnlich 0,3 mm lang und erreichen 10 p an Dicke, sind also etwas
kräftiger als bei der vorigen Art.
Auch dieser Schwamm der Hilgendorfschen Sammlung ist ohne Angabe eines bestimmten
Fundortes.
Amorphilla p ap illosa n. sp.
(Taf. 8, Fig. 22 a, b.)
Ein über 3 cm dickes und 7 cm langes Stück von schmutzig graubrauner Färbung ist durch
sehr zahlreiche, ziemlich hohe und schmale Papillen ausgezeichnet, in deren Spitzen kleine — in der
Regel von weniger als 1 mm im Durchmesser — Oskula bemerkbar sind. Das schmutzige Aussehn
9 Möglicherweise ist dies die orangerote „Reniera“, die D ö d e rle in (Arcb. Naturgesch., Jahrg. 49, p. H l)
als häufig auf der bei Ebbe vom Wasser unbedeckten Terrasse an der Südseite von Enoshima vorkommend erwähnt.