
während in der Bildung der Hauptreihe A~B~C"l> u . s . w . die oben betonte Gegensätzlichkeit — orale
Folge hei Phylactolämen, anale bei Gymnolämen — auf das strengste gewahrt bleibt*).
Um so mehr verdient es bemerkt zu werden, dass bei den Entoprocten die Knospenfolge
in allem Wesentlichen mit der der Pbylactoliimen übereinstimmt. Auch hier liegt der embryonale
Zellcomplex, welcher durch Segmentirung die Knospen liefert, an der Oralseite des Primärindividuums,
und die Reihenfolge der jüngeren Individuen lässt sich direct durc^^JVjrmel der Pylaotolämen
veranschaulichen. Bei PediceUina ist die Formel der Hauptknospen A B ( f i t E u. s. w., da aber
an den Punkten, wo sich die Einzelthiere vom Hauptstolo abzweigen, auch Zwischenknospen auftreten
können, so entsteht etwa die Formel
r F ' í T T í l ,
die sich ganz wie bei den Phylactolämen fortgesetzt compliciren kann. Bei TJrnatella (vgl, Davenport,
’93) herrscht im Wesentlichen dasselbe Verhältnis, nur ist einerseits die Zahl der Hauptknospen
kleiner, weil der Stolo zu einer basalen Scheibe verkürzt ist, anderseits die Zahl der Zwischenknospen
viel grösser, weil nicht nur an der Basis der Stiele der Einzelthiere, sondern auch weiter aufwärts
Knospen gebildet werden. Sodann treten ausser den medianen Zwischenknospen auch seitliche auf.
Von diesen, die sich übrigens in derselben Weise vermehren, abgesehen, wäre die Formel etwa
iT n F T 'r F i.
Auch bei Loxosoma entstehen die Knospen an der Oralseite, und zwar nicht median, sondern in
zwei zu beiden Seiten des Oesophagus gelegenen Längsreihen. Innerhalb einer jeden Reihe werden
die Knospen bei Loxosoma Kefersteini in centrifugaler Folge, also nach Art von Hauptknospen
gebildet, Formel
A ß “< fb . . . (s. Hitsche, ’76, Taf. XXV, Fig. 4),
bei Loxosoma singulare dagegen in centripetaler Fulge, nach Art von Zwischenknospen, Formel
A ^ T . . ~~B2~=B* B (s. Seeliger, ’90, Taf. XXV, Fig. 1).
*, Rätbselhaffc ist es mir, wie D a v e n p o r t (’91, S. 7 8 -8 2 ) den tiefgreifenden Unterschied in der Knospenfolge
der Phylactolämen und Gymnolämen übersehen konnte. Davenport glaubt, dass bei beiden die Analseite der Polypide
dem proliferirenden Zellcomplex zugekehrt sei („the anal aspect is turned towards the gemmiferous región“ S. 82). Da
diese Ansicht auf einer anderen Auffassung der Phylactolämenentwickelung zu beruhen scheint, so will ich das Verhältnis
der Knospenbildung hier nochmals graphisch veranschaulichen, indem ich, wie Davenport, den proliferirenden
Zellcomplex erster Ordnung mit einem # , die secundaron Restmassen, welche die jüngeren Tochterknospen oder Zwischenknospen
(B1 B2 B8, C1 C2 Cs u. s. w.) liefern, durch kleinere Sterne bezeichn^. Die Analseiten aller Polypide liegen
nach links, die Oralseiten nach rechts. Von den Lateralknospen der Gymnolärtien ist abgesehen.
P h y l a c t o l äm e n : A #•
A * B *
A * B * C #
A * B1 * B * C * D #
u. s. w.
G ym n o läm e n (Pdludicella): * A
* B (*) A
* C (*) B (*) A
* D (*) 0 (*) B (*) A
Diese Übereinstimmung ist um so auffälliger, als eine m e ch a n is ch e Ursache für die orale
Entstehung der Knospen bei den Entoprocten, wo das Primärindividuum sich nicht wie bei den
Ectoprocten der Länge nach an das Podium anlehnt, sondern senkrecht emporragt, garnicht zu linden
ist (vgl. S. 87). Trotzdem liegt es mir fern, etwa die Phylactolämen d en Entoprocten näher stellen
zu wollen als den Gymnolämen: sie bleiben diesen durch den Bau der Einzelthiere wie durch die Art
der Darmbildung eng verbunden. Anderseits freilich scheint mir die neuerdings beliebte Trennung
der Entoprocten von den Bryozoen überhaupt in keiner Weise gerechtfertigt zu sein.
December 1896.
Zoologica. Heft 23. 12