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Diese Tasche kann «üglich bursa vesiealis in 1 cm ret erica genannt «erden. Wie die Behandlung bei
Kaiser Napoleon gewesen ist, üb <r sich .ieni Steinschnitt oder der Civialeschen Methode unterworfen
hat, geht aus den darüber bekannt gewordenen Nachrichten nicht beetimmt, sondern nur soviel hervor, dass
Vereiterung der Nieren, Er«citeruns der üretcren und Hypertrophie der Ilarnbluse durch die Sektion
(Autopsiel ermittelt worden. Murfchiill Niel hat sich der Lithotritie unterzogen, und er stnrb unmittelbar
nach der Operation. Es ist nicht unwahrscheinlich, dnss sich der Stein während der Operation dem Zertrümmerer
entzogen hatte, indem er in eine Tasche gerieth, dass beim vergeblichen Versuchen, ihn aufzulinden,
die Harnblase verlel2t wurde, der Harn in das Cavum peritonei sich ergoas und dass die darauf
folgende Peritonitis schnell zum Tode führte.
Das Planum elasticura fundi ist in vielen Fällen an seiner gelblichen Färbung im weiteren Umfange volletiindig
zu erkennen nnd häufig gelingt diese vollständige Darstellung, wenn man das Präparat längere Zeit in
Spirilus aufbewahrt hat. Weine Ansicht über seine Bestimmung geht zunächst dahin, dass es eine festere
Grundlage für den fundus vesicae abgiebf, ganz besonders als Ursprnngsstelle mit für die Plexus musculares
fasciculares dient, die von seinem Umfange namentlich vorne und seitwärts ihren ürsprnng nehmen. Bei
der Entleerung des Harns heben die Plexus museulares fasciculares das Planum elasticum in dem Umfange
der Harnröhre «ahrscheiiilich von vorne, rechts und links mit in die Höhe und erweitern damit den Eingang
in das ostinm urethrale.
Hieran schliesse ich noch einige andere physiologisch-comparative Beobachtungen, die ich in Betreff
des Winterschlafes der Thiere bekannt gemacht habe.
Im Herbste 1870 kaufte ich nebst mehreren anderen kleinen Thieron einen bereits vollständig ausgebildeten
Erinaccus europaeus. Er machte, ohne dass ich ihn besonders weiter beachtete, in gewöhnlicher
Weise einen mchrmonatlichen Winterschlaf durch, erwachte iai Frühling aus diesem und nährte sich reichlich
an klein gehacktem Fleisch und Semmel in Milch. Gegen Ende des Sommers hatte ich einen zweiteo
Igel gekauft und ihn zu dem Lager des ersten gesetzt. Beide Igel vertrugen sich sehr gut. Als ich
im September zu den Igeln kam, um sie zu revidiren, wurde ich auf ein gelindes besonderes Rauschen im
Heu aufmerksam, in welchem die Thiere sich befanden. Au» einer kleinen Oeffnung im Heu kam ein kleiner,
3 Zoll langer Igel mir entgegen. Am anderen Morgen fand ich im Lager der alten Igel neben dem
schon erwähnten jungen noch vier andere Junge. Alle nährten sich recht gut in der angegebenen Weise.
Wenn ich von Zeit zu Zeit wieder nach den Igeln sah, fand ich sie bei der Bereitung ihres Winterlagers.
Die alten Thiere nämlich suchten sich zunächst zu isoliren. Dies geschah in der Weise, dass das eine in
einem Winkel sich bettete zwischen einer Holzkiste und einem Feuerherde, das zweite zwischen dem Feuerherde
und einer benachbarten Mauer. Das Verfahren bei der Lagerbereitung, welches die Igel beobachteten,
war derart, dass sie jeder einen Fascikel von Strohhalmen und Heu in querer Richtung in die Mundhöhle
nahmen, zu ihrem isolirten Lager hintrugen, su dass dies ungefähr die Form eines Gewölbes annahm,
nn dem anfangs auch noch eine runde Oeffnung als Eingang und Ausgang blieb. Diese Oeffnung verschlossen
die Thiere aber später vor dem vollständigen üebergang in den Winterschlaf noch gänzlich. Aber
während dieser Zeit fühlten die drei grösseren der jungen Winterschläfer auch das Verlangen sich zu isoliren,
verliessen das grosse gemeinschaftliche Winterlager und trugen sich ebenfalls Stroh und Heu in die
Eake zwischen dem Herde und der Mauer. Dadurch wurde der Igel, der hier sich gebettet hatte, um sein
isolirles Lager gebracht. — In dem Anfange des Decemher 1871 frassen die Igel noch zeitweise, in der
zweiten Hälfte dieses Monats aber und im Januar 1872 kamen sie nicht mehr zum Vorschein und frassen
sie nicht mehr. Erst Anfang Februar zeigten sich die grösseren der jungen Igel auf kurze Zeit i
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halb ihres Lagers. Wenn ich sie jedoch in ihrem Lager aufsuchte, so zeigten sie die Erscheinung
des tiefen Winterschlafes. Sie lagen in halber Zusammenkugelung und bei Berührung ihrer Stnchda
und ihrer Haare zogen sie sich sogleich lebhafl tief schnarchend zusammen. Als ich nach den beiden
kleinsten gcnaner nachforschte, konnte ich diese aulangs nicht aulfinden, fand sie jedoch weiterhin beide,
jeden isolirt in einem besonderen Knäuel von Heu. Sic lagen scheinbar im Winterschlaf, befanden
sich im Zustande halber Zusammenkugelung, waren aber beide todt. Das eine war schon thcilwelse von
Fäulniii ergriffen, namentlich zeigten sich Maden in der bereits geöffneten Ilrust- und Bauchhöhle. Das
Zwerchfell dieses Thicres war straff ausgespannt, seine Lungen waren rechts und links zusammen gesunken,
sie sahen braunroth, leberartig aas. Die rechte Lnnge zeigte zahlreiche Fäulnissbläschen, bis zur Grösse
einer kleinen Linse, namentlich am vorderen Rande, welche die Lunge wie ein Saum umgaben, nährend
an der linken Lunge solche Faulnissbläschen an zwei Stellen hervortraten, an der einen Stelle drei, an der
anderen vier. Die linke Lunge sank vollständig zu Boden, sowohl im Ganzen, wie in einzelne kleine Stücke
zerschnitten; nur die beiden kleinen Stellen mit den Fäulnissbliischen erhielten sich einzeln schwimmend
auf der Oberfläche. Die rechte Lunge schwamm vollständig, aber nachdem ich die Bläschen, welche den
erwähnten Saum bildeten und vorzüglich die Oberfläche bedeckten, entfernt, und dazu noch einen mässigon
Druck mit den Fingerspitzen auf sie ausgeübt hatte, sank sie ebenfalls zu Boden nnd so auch die einzelnen
Stücke, in die ich sie zerschnitten hatte. — Beide Lungen entleerten aas der Schnittfläche ziemlich reichlich
dünnflüssiges dunkles Blut. — Der Magen enthielt vier kleine Strohhalme von denen der eine frei lag,
die drei anderen Halme sich in die Magenwand eingebohrt hatten.
Das Herz und die Lunge des anderen Thieres waren braunroth, ziemlich weich, doch nicht zcrfliessead.
Im Zusummenhange sanken sie sogleich zu Boden, ebenso nie das Herz für sich allein. Die linke Lunge
allein sank ebenfalls nieder, im Ganzen wie in einzelne Läppchen zerschnitten. Die rcchte Lunge schwamm
im Ganzen und in einzelne Stücke zerschnitten. Die Rippen lagen ganz nahe an einander, und Zwischenräume
existirten nicht. Das Thier lag in halber Zusammenkugelung wie im gewöhnliehen M'interschlafe.
Die Haare der Abdominalseite lagen frei, die Spitze der Schnauze, die Vorder- und Hinterpfoten ragten
vor. — Der Magen war leer; nur in der Nähe des Pjlorus befanden sich drei kleine Klümpchen geronnenen
Blutes von der Grösse eines müssigen Stecknadelkopfes. - Ich glaube, dass hierdurch der Beweis
geführt ist, dass auch beim Igel die Lungen in der Höhe des Winterschlafes luflleer werden und in den
fötalen Zustand zurückkehren.
Im Laufe des Jahres 1872 habe ich von den Igeln besondere Notiz nicht genommen, aber sie haben
sich täglich sehr gut genährt und ihren Winterschlaf in gewöhnlicher Weise, etwa i Monate hindurch vollbracht.
Jetzt im Sommer 1873 habe ich noch drei von diesen Igeln, die sich auch alle wohl befinden, bei
Tage sieb in ihrem Hen- und Strohlager verkriechen, des Abends herauskommen, sich sämmtlich gehörig
nähreu und wie bekannte Hausthierchen freundschaftlich ihre Pflegerin umgeben, wenn diese ihnen ihr
Futter bringt.