
D.
Eumpf und Extreiiiitüten.
Humpf.
B i c «iiirKllBgp Ilfs Systems, weldle die Form (les Körpers bei «leii WirbelllliereTi ui«l beim Mensehen
bestimmt, ist fast allgemein die Knochensubstaiiz. Nur iu der Klasse der Fische findet eine theilweisc
Ausnahme inSmlieh bei den Knorpelfischen) In dieser Bezieiiung statt. Die Knochensubstanz erscheint
nach der Verschiedenheit der Dichtigkeit ihres Gefüges als Subslantia compacta, oder als Siibstantia cellulosa
(ossea). In der dichten compacten sogenannten Ilindensubstunz verlaufen engere Kanäle, die Iheils
Gefässe durchlassen, theils Fett enthalten. In der zweiten Art der Knochensubstanz weicht das Gewebe
derselben zu kleineren Uäumen den Knocbcnzellen auseinander die ebenfalls Gefässe und Fett aufnehmen.
Die engeren Geläss- und Fetikanäle fuhren in den langen oder röhrenförmigen Knochen theilweise in grössere
Räume, welche abgesehen von diesen Gängen nach nnssen geschlossen sind, Fett in grösserer Quantität
umschliessen und Ma.khöhlen genannt «erden. Die Zellen sind entweder ebenfalls geschlossen oder
sie stehen mit den Athmi.ngsorgan.-n in Verbindung und nehmen durch dieselbe atmosphärische Luft auf.
Sie werden dadurch lufthaltig, OKSU pneumatica. Canalicnli adiposo-vasculares, s. medulläres sind kleinere
Fettfellen in der compacten Substanz, Cava medullariu die mit dirker Schicht in ihren Körpern versehenen
langen oder röhrenförmigen Knochen des Menschen und der Saugrthiere. aber nu.-iheil«eise die der Vögel.
Die Zellulose Knochensnbstanz, Substantia ceilulosa s. spongiosa s. diploelica, geht entweder auch in Markhöhlen
oder durch verschiedene Abstufungen von der geringsten Grösse ihrer Zellen zu weifen Räumen
über, welche mit dem Namen Sinus bezeichnet werden. Diese Zellen oder Sinns enihalten entweder
Luft oder Wasser, und treten demnach als Feltzellen, Cellac adiposae, Celtae acrcae oder Celtae a<|Uüsac auf.
Die Fellzellen sind die beim Menschen und den Saugethieren um häufigsten vorkommenden. Die Cellae
diploicae aereae und die Sinus «ssei aerei sind in der Klasse der Vögel die vorherrsehenden. Ihre Knochen
werden dadurch fast über das ganze Skelett in Ossa pneumalica umgewandeil. »ei den Säugethieren
und beim Menschen sind die lufthaltigen Knochen beschränkt auf einzelne Gegenden namentlich auf den
Kopf. Sie heissen Os=a pneumatica und stehen mit den Respiralions-Organen in directer Verbindung und
erhallen durch diese die eingeathmete atmosphärische Luft. AI« wasserhaltige Zellen, Cellae aquosae kann
man die Zellen der oberen hinteren Schlundkopfkiefer hei den Liiby riuthfischen (Pisces Pharyngei labyrinthiformes)
betrachten. Wie bei den Vögeln die eingeathmete Luft in die Knochen, dringt bei <lon erwähnten
Fischen ein Theil des für den Athmungsproceas bestimmten Wassers in die Zellen dos Labyrinths uui
hier längere oder kürzere Zeit zu verweilen.
Die Knochen gehören nicht zu den Systemen, welche ein ununterbrochen zusammenhängendes Gnnzes
bilden. Nur durch die Vereinigung derselben durch Bindungsmittel, welche aus andern Sub-tunzen bestehen,
werden sie zu einer Gesnmmtheit dem Gerippe (Skeicttl vereint. Diese Verbindungen sind auf verschiedene
Weise eingetheilt. Die mehrsten Anatomen unterschieden zwei Arten von Knochenverbindungen,
die unbewegliche Verbindung, Synnrthrosis s. Jnnctura Ossium immobilis s. strirtn. und die bewegliche
Verbindung, Diarlhrosis s. Junctura Ossium mobilis s. Arliculus das Gelenk, v. S ö m m e r r l n g nahm jedoch
drei Arten von Knochenverbindungen im Allgemeinen an, die er als Synarthrosis unbewegliche Verbindung,
Amphiarthrosis halbbewegliche Verbindung, und Diarthrosis bewegliehe \ erbindung bezeichnete. Da» Wort
Amphiarthrosis gilt sonst in der anatomischen Terminologie allgemein für die am tielslen stehende Art des
Gelenkes für das strafle Gelenk. Die halbbeweglicheu Verbindungen tbeill S o n i n i e r r i n g in Verbindungen
durch knorplichte Bänder (Symphyses| und Verbindungen durch wahren Knorpel (Synchondroses!. Zu
letzteren zog S ö m m e r r i n g auch die mehrsten im imsgebildeten Zustande durchaus unbeweglichen Kuochenvereiaigungen,
nämlich die Verbindungen der Kopiknochen untereinander weil die Knocheuränder durch
zwischen ihnen liegende Knorpcischeiben verbunden sind. Da diese Eintheilung iinf unbegründotea Voranssetzungen
beruhte, die halbbeweglichen Verbindungen S ö m m e r r i n g « theil» unbewegliche sind, die unbeweglichen
Verbindungen anderer Anatomen (theils Symphysen, theils Sjneliondrosen) znm Theil beweglicher
sind als manche straffe Gelenke, so glaubte ich dass es zweckmässig sei wenn ein anderes Elntheilungs-
Princip für die Knochenverbindungen gewählt würde. Ich schlug desshalb vor bei der Eintheilung der Verbindungen
im nilgemeinen von dem Grade «nd der Art der llrweglirhkcit abzusehen, dagegen die Eintheilung
nach der Beschaflenheit der an einander grenzenden Ränder oder Flächen der Knochen und deren
nächsten Umgebung zu bestimmen. Ich unterschied hiernach die gelenklose Verbindung, Anarthrosis, das
Hnlbgelenk, Hcniiarthrosis, und das Gelenk, .Vithrosls.
Bei der Anarthrosis sind die Knochen in der Art unterelnundor verbunden, dnss zwischen ihnen kein
freier Raum, weder eine Spalte noch eine Höhle bleibt.
Zur Hemiarthrose rechne ich diejenigen Verbindungen wo eine Spalte oder kleine Höhle zwischen den
an einander grenzenden Knochen bleibt, die Verbindung aber von keiner Synovialhaut umschlossen wird.
Arthrosis ist die Verbindung wo zwischen den Knorhcnrandern oder Flächen ein freier Raum, eine
Spalte oder Höhle bleibt, welche von einer Synovialhaut umgeben wird.
Diese Eintheilung habe ich auch in meiner spater erschienenen Syndesmologie der Vögel und in dem
jetzt vorliegenden ersten Theilo der compnrnliven Morphologie des Menschen und der menschenähnlichen
Thiere beibehalten. Einem Halbgelenk fehlt demnach die Synovialhaut in seiner Umgebung, aber nicht die
Fascrkapsel die in verschiedener Stärke vorhanden »cin kann, öfters auch gänzlich fehlt und nur dutch
anderweitige Bandmasscu eigänzt werden.
Ich theiltc das Hnlbgelenk in eine Hemiarthrosis achondra und eine Ilcmiarthrosis perichondra. Der
ersteren fehlt der Knorpelübcrzug der Superficies hemiarthrotica des Knochen, die letalere hat einen Knorpelüberzug
der aber nicht glatt an seiner freien Fläche erscheint wie der eigentliche Gclenkknorpel.
Bei der Arthrosis oder dem vollständigen Gelenk sind die verbundenen Knochen von einer Synovial.
Capsel umschlossen, die freien Fläche« der Knochen mit eigentlichen d. h. glatten Gclenkknorpel umkleidet.
Die Arthrosis bietet als Orlsverschiedenheit die Amphiarthrosis, die Rotiitio, den Glnglyuns und die
Arihrodia dar. Der Trochoginglymus ist eine Combination des Ginglymu» und der Rotatio, das Sattelgelenk
eine 3Iodiiication der Arihrodia.
Nach meiner Annahme wurden die Anatthroses achondrae gebildet durch die Verbindungen der Gchörknorpel
untereinander, nämlich des Hammers mit dem Amboss, und des Sylvischen Beincheus mit dem