
VI
brechung möglich sei, ging aus dem foildaiiernden Umsatz der Materie, <lem Verlust nn Körpergewiclit,
beson«iers dem Aufzehren ilea Fettes horvor welches durch die Lungen als Kolile ausgeatoseen wird.
Valentin hat die Im verminderten Grade foi ldauernde Rtspirations-TliStigkeit bei den Sihigethieren während
des Winteischlsfes niclit allein bestätigt, sondern durch seine Forschnngcn wichtige Beitrüge über die
Kigenlhümlichkelt derselben besonders in Betrefl" der Menge» der ausgeschiedenen Kohlcnsänre und dea
aufgenommenen Sauerstoffes geliefert'!. Durch seine Beoliachtitngen ist Valentin zu der Ansicht gelangt,
dass die Respiration bei den SSugethieren »iihrend des Winterschlafs entweder gar nicht, oder nur auf
kurze Zeit siinzlich aufgehoben »Ird, und jedenfalls nicht so lange als dies bisher angenommen worden
ist. Meine Annahme über die zeitweise vollständige Ruhe der Respirationsorgane gründete sich znm Theil
auf Beobachtungea von Spallanzani, Mangili, Priinelle, Salssy, Marshall Hall und anderer zum Theil auf
von ratr selbst angestellten Versuchen uud Sectionen. — Wenn ich nach diesen auch kein bestimmtes Zeitmaass
angegeben habe und angeben konnte, so nahm ich doc-h an, dass die erwähnte Ruhe der Reaphationsorgane
mehrere Stunden dauern könne. Unter den Beobachtungen Anderer auf denen ich meine Ansicht
stützte stand in erster Reihe Spallanzani's Marmotte, welche in reinem kohlensauren Gas bei einem hohen
Kälte-Grade |— 12") ohne Nachtheil verweilte. Valentin erklärt aber, diese Beubachtung beruhe auf einem
Irrthum, weil bei den Murmelthiereu in der Kälte die Respiration erregt wird, die Thiere erwachen nnd
wenn sie auch iu einer minder sauerstoffhaltigen Atmosphäre längere Zeit als andere Saugethiere fortleben
können, doch in einer des Sauerstoffs gänzlich ermangelnde« Lufl sterben. Spallanzani's Beobachtung schien
um so weniger unglaubwürdig, da es ihm bekannt war dass bei einer geringeren Kälte die Respiration
erregt wird, seine Marmotte bei 0» tZerol zu athmen anfing und bei Wiederholung des Versuches
in reinem kohlensaurem Gas starb. Valentin hat keinen dem Spallanzani sehen gleichen Versuch
an seinen Mnrmelthieren durch Aussetzen derselben einer strengen Stunden lang dauernden Kalte in
kohlensaurem Gase angestellt. Die doppelte Einwirkung der Kälte und des irrespirablen Gases im
Spallanzanisfhen Versuch mochte wohl geeignet sein, die wenn auch anfangs vielleicht erregte Respiration
sofort wieder zu unterdrücken, das Thier In einen Zustand von Scheintod zu versetzen und dadurch
die weitere nachtheilige Einwirkung des irrespirablen Gases auf dasselbe zu verhüten. Bedenklich mochte
es noch erscheinen, dass ein so kleines Thier wie die Marmotte stundenlang einer so strengen Kälte wie
in dem Versach von Spallanzani ausgesetzt wenn es nicht erwachte, nicht erfror. Aber kleinere
Thiere wie Schmetterlings-Raupen und Puppen erfrieren in strengeren Wintern Im Freien noch höheren
Kältegraden ausgesetzt nicht, und so mochte die Marmotte Spallanzani's durch die latente innere
Wärme wie niedere Winterschläfer bei aufgehobener Respiration gegen den Frost beschützt bleiben. Bis
jezt erscheint deshalb Spallanzani's Beobachtung nicht genügend widerlegt, wenn auch möglicherweise
dabei ein Irrthum obgewaltet hat. Weitere Versuche können darüber erst delinitiv entscheiden.
Damit ist aber noch nicht der Beweis geführt, dass bei Säugethleren die Respiration während des
Winterschlafes nicht anf mehrere Stunden unterbrochen werde. Aus Valcntln's Beubachtungon geht
es unzweifelhaft hervor, dass auch unter den Murmclthieren vielfache individuelle Verschiedenheiten
in Beziehung auf die Grade der Lebensäusserungen und besonders auch der Kespiration vorkommen.
Da sie in der Gefangenschaft doch immer unter ungewöhnlichen Verhältniesen leben, so wird es
auch nur äusserst selten gelingen, sie in dem Zustande rein zu beohachlcti, in dem sie Bich in den von ihnen
selbst eingerichteten Winterlagern im Zustande der Freiheit befinden. Dennoch wurde hei einem von
>1 G, Vulenlis, Beitnge tor Kenoui« dc .U Abtbeibog (Aiu dco von UolaietwU hlrnaK>e>sb«nco Ui
,ri .bg»]ruckt. 3, BuiO.
VII
Valcntln's Murmelthleren am I7. März von 10 Uhr 30 Minuten bis 3 Uhr 8 Minnten kein Athcmzng wahrgenommen,
obgleich während dieser Zeit Omni nachgesehen und das Thier jedes Mal :5 - 7 Minuten unausgesetzt
beobachtet wurde. Valentin fügt hinzu: es verstehe sich vuu selbst, dass während dieser langen
Zwischenzeit die Athembewcgungen nicht gänzlich mangelten, sondern dass sie nur ausserordentlich selten
und schwach waren. Dass die Gas-Analyse gerade in diesem Falle misslnng, ist freilich zu beklagen.
Soweit aber die Beobachtung reicht, spricht sie für die Anniihmc dass die Respiration der Murmelthierc
während des Winterschlafes über 4 Stunden aufgehoben sein könne. Die von mir selbst bei Säugethieren
angestellten Beobachtungen über den Winterschlaf beziehen sich obgleich nicht allein doch vorzüglich auf
den Igel (Erinaccus Europaeusl. Von diesem sagt aber Valentin'l: er ist ein Thier, daa sich fast gar
nicht zu genügenden Beobaehlungen über den reinen Wintcrschlnf eignet. Meiner Ansicht nach lässt sich
nur soviel annehmen, dass die Gas-Analyse niclit geeignet ist diirüber genügende Aufschlüsse zu geben,
ob die Respiration beim Igel zeitweise wahrend der Höhe des Winterschlafs aufgehoben wird, so lange
CS der experimentellen Physiologie nicht gelungen genügende Vorrichtungen zu trclfen, um bei der während
dos Winterschlafes dieser Thiere fortdauernden grossen Erregbarkelt der Respirations-Organe das lixperiment
dorchznfähren ohne dnss die Respiration erweckt wird. Sonst eignet sich der Igel gerade so viel
und so wenig zur Ermittelung der besonderen Wintcrscblnfs-Erscheinnngen der Marmotte als diese zur
Ermittelung jener beim Igel. Für die Erforschung des WlnterBchlafs in der Thierreihe überhaupt ist der Igel
ein nicht minder wichtiges Glied als das Mnrmelthier, und ungeachtet des Bestehens der grossen Empllndiichkelt
während des Winterschlafes ist dieser bei ihm ein sehr vollständiger und wenn er nicht künstlich
unterbrochen wird ein langer mindestens 4 Monate dauernder. Wegen der leichten Erregbarkeit seiner
Resplrationsthätigkeit ist er nuch in Betrefl dieser in gewisser Beziehung geeignet über die Dauer einer
vollständigen Unterbrechung desselben während des Winterschlafes Aufschluss zu geben. M. Hall tauchtc
einen Igel 22 Minuten unter Wasser ohne dass es ihm schadete. Eiu junger von mir 15 Minuten nnter
Wasser gehaltener Igel wurde zwar scheintodt, erholte sich aber vollständig, frass und verfiel von Neuem
in den Winterschlaf, und einer meiner ältesten Igel wurde nachdem er 35 Minuten unter Wasser gctaucht
worden, nicht einmal ganz scheintodt, erholte sich vollständig, frass und verfiel von Neuem in den Winterschlaf.
Es ist im hohen Grade unwahrscheinlich, dass diesen Thieren überhaupt die Fähigkeit gegeben
wäre, die vollständige Unterbrechung der Respiration zn ertragen, wenn sie nicht auch unter normalen
Verhältnissen auf die zeitweise normale Suspendirung derselben angewiesen wären. Mir war bei den
Sectionen meiner Igel cs aufgefallen, dass die Lnngen ungewöhnlich stark zusammengesunken in der Brusthöhle
Ingen, obgleich die Thiere bei den mit ihnen vorgenommenen Experimenten stets zn lebhaften und
tiefen Inspirationen erregt wurden. Ich kam deshalb auf die Vcrmnthung: die Exspiration möchte zu
einem so hohen Grade gesteigert worden sein, dass die Lungen luftleer geworden. Dies bestätigte die
von mir mit deu Lungen angestellte Schwimmprohe nicht. Selbst wenn beim Igel in der Höhe des Winterschlafes
alle Luft uns den Lungen sollte exspirirt werden, wird dies wohl uur in den seltensten Fällen
durch die Section sich nachweisen lassen wenn nicht die Thiere natürlichen Todes sterben, weil durch
das Experiment stets lebhaftes Einathmen hervorgerufen wird. Bei den Murmelthleren lässt sich dies wohl
eher erwarten, da ihre Sensibilität während des Winterschlafs mindei' lebhalt ist als beim Igel. Dennoch
wird auch bei Ihnen nach Valentin's Beobachtung die Respiration leicht erregt. Valentin'l giebt aber an,
dass er weder einen besonderen Collapsus der Lungen, noch eine Farben-Veränderung In ihnen oder
J. AbtoUnog. (MolcicbQtt, 1.