
befinden sich drei Formen von Peruaner - Schädeln, nämlich
eine kurze unter dem Namen Inca, eine ovale, dolichoce-
phalisch- prognathische, deutlich D’O rb ig n y ’s und T sch u -
d i’s Aymaras, und eine mit ungewöhnlich langem Hinterhaupt
und niedriger Stirn, auch dolichocephalisch-progna-
thisch, nach P e n t l a n d aus dem Huacas-Lande. Ich habe
diese Exemplare lange Zeit als typisch für die Schädel der
Peruaner angesehen, blieb aber dabei immer in Ungewissheit,
da ich bei den Naturforschern, die das Land besucht
hatten, so verschiedene Angaben fand. Um so willkomm-
ner war mir T s c h u d i’s Erforschung dieser Partie. Dieser
Schriftsteller nimmt nämlich, wie oben bemerkt ward, drei
Urformen an, eine brachycephalische, Chinchas, und zwei
dolichocephalische•, eine gewöhnlich ovale, Aymaras, und
eine ausgezeichnet länglich - ovale, Huanchas. T s c h u d i hat
sich theils längere Zeit im Lande aufgehalten, theils die umvermischten
Stämme aufgesucht, und giebt an, auf welche
Weise die gemischten entstanden sind. Er bemerkt somit
nach guten historischen Gründen, dass der Aymara - Stamm,
von welchem die Herrschaft der Peruanischen Könige ausging,
zuerst die Huanchas und dann die Chinchas unterjochte,
dass die unterjochten Stämme mit den siegenden'
vermischt wurden und ihre Sprache, Religion und Sitten
unnahinen. Daraus sind Bastarderzeugungen und Variationen
nach drei verschiedenen Richtungen hin entstanden, und
es ist klar, dass die reisenden Forscher bei so verwickelten
Verhältnissen in ihren Schlüssen leicht irre geführt werden
konnten. Es scheint, dass T s c h u d i vorzugsweise d u r c h ’
die Gestalt der Schädel sich hat leiten lassen, und es ist
ihm wahrscheinlich desshalb geglückt, einen Gegenstand aus
einander zu setzen, der in ethnographischer Hinsicht von
eben so grossem Interesse ist, als die Spuren einer vergangenen
Cultur und Geschichte Aufmerksamkeit erwecken.
P e n t l a n d ’s, B e llam y ’s und Mehrerer Ansicht, dass
die sehr längliche, flachstirnige peruanische Schädelform natürlich,
nicht durch Kunst, hervorgebracht sei, wie D’O rb
ig n y und Mehrere behaupten, wird von T s c h u d i bestätigt.
Ich theile ebenfalls P e n t l a n d ’s Ansicht und habe
mich vor einiger Zeit au einer andern Stelle für diese Meinung
ausgesprochen. (Öfversigt af K. Vet. Akad.’s förhandl,,
1844, Nr. 3, pag. 40. *)
In die obige Aufstellung der Americanischen Völkerschaften
habe ich die Azteken und Chinchas aufgenommen}
aber ich setze bei ihnen ein Fragezeichen, weil ich über das
Verhalten nicht sicher bin. D ’O rb ig n y ’s Ouinquas haben
die Kieferbeine mehr vorstehend, als die Caucasier (L’Homme
Américain, T. I . , p. 274). Dasselbe Verhalten scheint bei
den Aymaras u. a. der Fall zu sein. Meyen's brachycephalische
Peruaner sind auch prognathisch. T s c h u d i’s
Chinchas sind dagegen, nach seiner Beschreibung und Zeichnung,
orthognathisch, und dasselbe ist der Fall mit dem
Inca-Schädel von London in unserm Museum. Bei den Azteken
habe ich mich uur auf die flüchtigen Angaben der Reisenden
gestützt.
Durch das nun Angeführte dürfte es als bewiesen be-
tiachtet werden können, dass in Europa die dolichocepha-
lisch- und brachycephalisch - orthognathischen Formen die einzigen
sind, welche Vorkommen, und zwar in fast gleicher
Anzahl. In Asien finden sich alle vier Formen, wie ich
glaube, in einigermaassen gleicher Menge. Auf den Inseln
der Südsee kommen drei Formen vor, von welchen die doli-
chocephalisch - und brachycephalisch -prognathischen die herrschenden
und wahrscheinlich fast gleichzählig sind, und weniger,
allgemein die brachycephalisch-orthognatischen. In
Afuca ist die dolichocephalisch- prognathische Form die herrschende
im grössten Theile dieser grossen Halbinsel; dahingegen
die' dolichocephalisch - orthognathische nur in einem
kleinern Theile dieses Welttheils vorkommt. In America
wechseln die dolichocephalisch- und brachycephalisch-progna-
) Uebersetzt: Hornschuch’s Archiv skand, Beiträge z. Natur-
gesch., Th. p s. 151.